Ausgabe 
(3.3.1883) 18
 
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vom Sänger auf den Musiker und wollte blos da Musik gemacht wissen, wohin siegehört.

Diese Forderungen führten ihn zur offenen Empörung gegen die herrschenden Kunst«zustande und, da er ihren eigentlichen Grund in den sozialen und politischen Zuständenerkannte, aus Kunstinteresse zur Theilnahme an dem Dresdener Maiaufstande von 1849.Die Verbannung folgte. Wagner flüchtete nach der Schweiz und nahm zunächst inZürich seinen Wohnsitz. Hier schrieb er die beiden, kolossales Aufsehen erregenden ästheti-schen Abhandlungen:Die Kunst und die Religion" undDas Kunstwerk der Zukunft."1850 ging er nach Paris und sandte von dort aus seinen inzwischen vollendetenLohen-grin" nach Weimar an Franz Liszt , der das Werk noch im August desselben Jahresauf der Weimar 'schen Hofbühne zur Aufführung brachte und damit den weiteren RufWagner's erst begründete. Nachdem dieser 1851 die SchriftOper und Drama " ver-öffentlicht hatte, machte er sich an die Ausarbeitung der Siegfried-Sage , so daß bereits1853 die ganze DichtungDer Ring der Nibelungen " erscheinen konnte, deren Kompo-sition aber erst 1870 vollendet wurde. In den dazwischenliegenden Jahren, die er theilsin Paris, theils in der Schweiz zubrachte, und während deren er mit des Lebens Sorgenund Nöthen den schwersten Kampf zu bestehen hatte, schuf er seinenTristan und Isolde "undDie Meistersinger von Nürnberg ."

Im 17. Lebensjahre, zu seinem Geburtstage am 25. August 1861, hatte der da-malige Kronprinz, unser König Ludwig II., als erstes Theaterstück denLohengrin "gesehen erzählt Ludwig Nohl im 5. Bd. seinerMusikerbiographien"und dann voll Begeisterung auch nach den übrigen Werken dieses Meisters gefragt. Seinstilles Gelübde war, diesemEinen" seine Hand zu reichen, sobald er König sei. Nachdem raschen Tode Maximilian's II. war auch eine der ersten Negierungshandlunaen desjungen Königs die Berufung des begeistert verehrten Künstlers. Bald war RichardWagner in München. Nach der ersten Audienz äußerte sich Wagner :Er hatmich wie mit einem Füllhorn überschüttet! Das Undenklichste und docheinzig mir Nöthige ist völlig Wahrheit geworden. Im Jahre der ersten Auf-führung meines Tannhä users gebar mir eine Königin den Ge-nius m e i n e s L e b e n s. Er i st mir vomHimmel gesendet, durch ihnbin und verstehe ich mich." Und der König bewahrte dem Dichter seine Gunstund Freundschaft in allen Wechselsüllen bis zu dessen Tode. Richard Wagner hat diese Huld und Freundschaft eines Königs auch als seinen schönsten Stern betrachtetund die Größe dieses Glückes dankbar anerkannt. Wenn er seinen Dank gegen denköniglichen Freund" zum Ausdrucke bringen will, da entlockt er den Saiten seiner Harfedie schönsten Klänge und singt er sein schönstes Lied. So sang er im Sommer 1864dem königlichen Freunde":

O König! holder Schirmherr meines Lebens!

Du höchster Güte woimereicher Hort!

Wie ring' ich nun, am Ziele meines Strebens,

Nach jenem Deiner Huld gerechten Wort!

In Sprach und Schrift, wie such ich es vergebens:

Und doch zu forschen treibt mich's fort und fort,

Das Wort zu finden, das den Sinn Dir sage

Des Dankes, den ich Dir im Herzen tröge.

Was Du mir bist, kann staunend ich nur fassen,

Wenn mir sich zeigt, was ohne Dich ich war.

Mir schien kein Stern, den ich nicht sah erblassen,

Kein letztes Hoffen, dessen ich nicht bar:

Was einsam schweigend ich im Innern hegte,Das lebte noch in eines Anderen Brust;Was schmerzlich tief des Mannes Geist erregte,Erfüllt' ein Jllnglingsherz mit hcil'ger Lust.