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Du bist der holde Lenz, der neu mich schmückte,
Der mir verjüngt der Zweig' und Aeste Säst.
Es war Dein Ruf, der mich der Nacht entrückte,
Die winterlich erstarrt hielt meine Kraft.
Wie mich Dein hehrer Segensgrus; entzückte,
Der ivoimestürmisch mich dem Leid entrafst,
So wand't ich stolz beglückt nun neue PfadeIm sommerlichen Königreich der Gnade!
Schon im Jahre 1867 siedelte aber Wagner nach Triebschen bei Luzern über undvollendete dort die Composition der Nibelungen-Trilogie, die dann an den denkwürdigenTagen vom 13. bis 17. August 1876 in Bayreuth zur ersten Aufführung gelangte.In demselben Bühnenfestspielhause, das ihm seine Anhänger und König Ludwig erbauthatten, brachte Richard Wagner dann im Juli des vorigen Jahres auch sein letztesWerk, seinen „Parsifal " zur Aufführung. Wie man sieht, ist die künstlerische ThätigkeitWagner's Zeit seines Lebens fast ganz auf das Gebiet der Oper oder des Musikdraina'sbeschränkt gewesen und von seinen sonstigen Compositionen wären nur einige wenigeOuvertüren und Märsche zu erwähnen. Seine gesammelten Schriften und Dichtungensind 1870—71 in neun Bänden erschienen. In Bayreuth , wo sein größtes Werk zuerstan die Öffentlichkeit trat, hat Richard Wagner mit wenigen Unterbrechungen dieletzten Jahre seines Lebens zugebracht. Dort in seiner Villa „Wahnfried " ruhte er ausvon den Kämpfen und Mühen seines Lebens, in Bayreuth ist er zur letzten Ruhe ge-bettet worden, dort „wo sein Wähnen Frieden fand."
Nun schläft der müde Tannhäuser. Wohl verstand cr der Harfe Accorde zu entlocken»wie Wenige, wohl hat er in jüngeren Tagen erschaut „den Bronnen, den uns Wolframnannte"; aber aus seinen letzten Werken sprechen Düsterniß Lüsterniß und Hoffnungs-losigkeit des Schopenhauer'schen Dichters und Denkers. Aus Wolfram'S zartem undmildem Epos „Parcival" hat er ein Gleichniß des Hartmann'schen Unbewußten, derpessimistischen Verzweiflung und des excessiven Sinnengenusses gemacht. Das war desMeisters letztes Werk, und darum ist er für Viele der moderne Klingsor geworden.Doch uns dünkt, der Grundton seines Wesens wäre dem des Tannhäusers gleich ge-wesen, und wer weiß, ob in letzten Tagen nicht an sein Ohr noch der Sang der Pilgervon der waldumrauschten Wartburg an sein Ohr gedrungen:
>eil! Heil! Der Gnade Wunderheil!L ösung ward der Welt zu Theil!
ES that in nächtlich heil'aer Stund'Der Herr sich durch ein Wunder kund:Den dürren Stab in Priesters HandHat er geschmückt mit frischem Grün.Dem Sünder in der Hölle BrandSoll so Erlösung neu erblüh'n!
Anst ihm es zu durch alle Land',
Der durch dies Wunder Gnade fand!
Miseellei».
(Aus dem Konservatorium.) Musiklehrerin: „Was versteht man unter ein«Koloratursängerin?" Schülerin (nach einigem Nachdenken): „Eine Sängerin, bei derenVortrag man die Cholera kriegt."
(Hyperbel.) „Was, die Milch willst Du nicht trinken und nur weil eine Fliegehinein gefallen ist?! Da wurde ich ganz anders erzogen! Ich hätt' meine Milch trinkenmüssen, und wenn ein Hund hineingefallen wär'!"
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