Ausgabe 
(7.3.1883) 19
 
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Äugsimrger Post^kitnng."

Nr. 19. Mittwoch, 7. März 1883.

Heimathlos.

Eine Erzählung aus jüngster Zeit von Hermann Hi-rschfeld.

(Fortsetzung.)

Lassen Sie mich zum zweiten Mal Ihrer wankenden Stärke zu Hülfe kommen,gnädige Frau", sagte der Verwalter.Noch ist Ihres Sohnes Tod nicht bestätigt undvielleicht wird morgen schon die Nachricht dementirt. Was aber Ihre Nich AlidaBarfeld wollte ich sagen, betrifft, so können Sie nichts Gescheidteres thun, als der Fieber-phantasie ihren Lauf lassen, die sie plötzlich erfaßt. Wir sind es nicht, d-e sie aus demHause getrieben und kehrt Herr Oscar, was noch immer möglich, heim, so wollen wirihr schon die Rückkehr unmöglich machen, wenn nicht das Schicksal uns die Mühe erspart;leicht verlischt in des Krieges Wogen eine Mädchenspur, und an den Schauplatz desKampfes, wenn mich nicht alles täuscht, gedenkt sich Alida Varfeld zu begeben."

Dies sollte mein Platz sein", rief Frau von Solmitz heftig,soll ich mich vonihr beschämen lassen? Noch heute fahre ich zur Stadt, genaue Erkundigungen ein-zuziehen und morgen"

Uebercilen Sie nichts, gnädige Frau, ich bürge Ihnen, für Alles zu sorgen",unterbrach sie der Verwalter.Vielleicht ist der junge Herr nur verwundet und in diesemFalle ein schleunigster Transport in seine Heimath viel angebrachter. Diesen zu beschaffen,sei meine Sache, und wenn Alida Barfeld wirklich bis dorthin gelangen sollte, wo IhrSohn gekämpft und gefallen, so ist es besser, daß dieser längst auf dem Wege der Heimath,als daß sie, eine Samariterin der Liebe, mit Ihnen an seinem Lager zusammentrifft»Muth! Muth! gnädige Frau. Sebastian Streland wird Sie auch diesmal den rechtenWeg leiten und Sie werdens ihm danken."

Als nach einer Stunde Frau von Solmitz mit dem Ausdruck der Fassung den Salonverließ, in dem der Vermalter sie allein gelassen, um sofort zur Stadt zu eilen, nähereErkundigungen zu veranlassen, händigte der alte Diener ihr einen Brief des FräuleinAlida Barfeld ein; er enthielt wenige Zeilen: Die Bitte, ihre wenige Habe an armeDorfbewohner zu vertheilen und einen Abschied auf Nimmerwiedersehen.

Fräulein Barfeld", erzählte der Alte ungefragt,habe bleich zum Erschrecken aus-gesehen und bei dem Krugwirth ein Fuhrwerk bestellt, mit dem sie vor einer halbenStunde zur Stadt gefahren, ein kleiner Koffer, in der Eile gepackt, sei Alles gewesen,was sie mitgenommen."

Frau von Solmitz hörte ruhig zu, aber als der Alte schüchtern die Frage zu äußernwagte, ob wohl dem jungen gnädigen Herrn etwas zugestoßen, erwiderte sie:In diesemFalle wäre es nicht Fäulein Varfeld, die nöthig hätte, das Schloß heimlich, in allerEile zu verlassen; wenn sie es that, muß sie wohl ihre Gründe gehabt haben und ichwünsche, daß ihr Name nicht weiter in meiner Gegenwart genannt, noch ihres Andenkenserwähnt werde. Diesen meinen festen Willen mögt Ihr der übrigen Dienerschaft mit-theilen und entlassen ist, wer ihm zuwiderhandelt!"