Ausgabe 
(10.3.1883) 20
 
Einzelbild herunterladen

157

>

die Kunde, daß auf dem Gute meiner inzwischen verwittweten Schwester ein holdesMädchen lebe, das dort erzogen sei, die Tochter einer fremden, armen Frau, die gleichnach den. Tage ihrer Ankunft, vor langen Jahren verschied. Es war mein Kind, dieAhnung sagte mir's als Geduldete, als aus Mitleid Angenommene, lebte sie im Hauseihrer Tante und meine Kenntniß des Charakters meiner Schwester sagte mir, daß ihr* das Band des Blutes, das sie mit der Schutzlosen verband, wohl bekannt sei"

Plötzlich verstummte Bernau , seine Brust hob und senkte sich konvulsivischdas< ist der Tod", flüsterte erder Tod und ich habe noch nicht vollendet."

Ueber ihn warf sich das schluchzende Mädchen.Nicht sterben darfst Du", riefsie in höchster Verzweiflung,ohne Deine Seele ganz entlastet zu haben in jene Brust,der Deine Worte ein heiliges Vermächtniß sind. Leopold von Bernau, wenn es einMittel gibt, Dich, und sei es nur einen Augenblick, der Lethargie des Todes zu ent-reißen, es sei gewagt; mit dem grimmen Feinde will ich ringen, daß er nicht eher Handan Dein Haupt lege, bis ich Dir zurufe: Leopold von Bernau, Du Wilder, Bereuender,im Namen Deiner Gattin, die längst unter grünem Hügel den stillen Schlaf der Ewigkeitschlummert, vergibt Dir Deine Tochter, denn das Kind der armen Wanderin, die Solmitz,das Gut Deiner Schwester erreichte, um dort ihr Ende zu finden, die arme geduldeteWaise, die nach längerer Unterredung zwischen Hermine von Dolmitz und der sterbendenMutter auf dem Schlosse ein kaltes, freudenleeres Asyl fand ich bin es und küsseDeine Stirn und grüße Dich mit dem heiligsten der Namen, der durch Erden und Himmelklingt: Mein Vater!"

(Fortsetzung folgt.)

Zur Geschichte des Augsdurger Theaters.

Von Klara Reichner.

III.

Liebhabertheater und Kunstfreunde.

Das Jahrhundert, in welchem gar Alles in Augsburg Komödie zu spielen liebte, wardas vorige, das achtzehnte. Meistersinger und Handwerker, Studenten und Schüler,Wandertruppen und Liebhaber-Gesellschaften spielte» um die Wette, und die Komödien-spielerei ward in solchem Grade zur Manie, daß Geistlichkeit und hoher Rath sich ver-anlaßt fand, diese allgemeine Leidenschaft durch Verbote und Beschränkungen verschiedenerArt einigermaßen zu verkürzen.

Es ist bereits erwähnt worden, daß schon im siebenzehnten Jahrhundert eine Vor-liebe für Liebhabertheater unter den Bürgern Augsburgs aufzutauchen begann, welche zuallerlei Konflikten und Verordnungen führte, aber die Liebhaberei siegte doch schließlichüber alle Beschränkungen, indem sie sich behauptete, ja, nur noch mehr erstarkte, wennschon es dabei zuweilen nicht ganz ohne Hinderniß und unliebsame Unterbrechung herging,so z. B», als im April des Jahres 1712, der Gelegenheitsdichter und AugSburgerProcurator Wilhelm Merz die liebliche Absicht hatte, dem Magistrat zu Ehren eine vonihm verfaßte Komödie, mit Hilfe von Bürgern und deren Söhnen zur Aufführung zubringen. Da aber das betreffende Stück gar zu zeitgemäß befunden ward, indem nichtnur vor Kurzem erst verstorbene, hochstehende Persönlichkeiten, sonder» sogar noch lebende,an Ort und Stelle sich befindende Zeitgenossen darin vorkamen, so verbot man das an-stößige Stück, und zwar geschah dies am Abend vor der Vorstellung. Das war einharter Schlag für den Dichter und Unternehmer! Er verfiel zwar auf den Ausweg,schleunigst sämmtliche Namen umzuändern, und überall für die Aufführung zu petitioniren,allein das half ihm nichts sein Stück blieb verboten, das schaulustige, Nachmittagsum 3 Uhr zur Vorstellung sich einfindende Publikum mußte ruhig wieder nach Hausegehen, und der Theaterdichter selber wurde auf zwei Tags eingesperrt. Trotz aller dieserHindernisse aber erlebte er doch die freudige Genugthuung, das Kind seiner Muse und