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Muße glücklich noch in demselben Monat, wenn auch mit veränderten Benennungen derPersonen, in Scene gehen zu sehen.
In Mitte des achtzehnten Jahrhunderts findet sich auch bereits das weibliche Ge-schlecht bei den Liebhabertheatern der Bürger vertreten. — Größtentheils Handwerkerund Musikanten waren so industriell gewesen, förmliche bürgerliche Schauspieler-Gesell-schaften zu etabliren, so anno l723—38 ein Bortenmacher, welcher auf eigenes Nisicoim „Baugarten" geistliche Komödien zur Darstellung brachte, ferner 1744 ein „bürger-licher Stadt-Musikus", Valentin Wagner mit Namen, dessen Schauspieler aus buntemGemisch von allerlei Ständen bestanden. Musikanten, die während der Fastenzeit brodloswaren, Studenten, Wasserbrenner und Nachtwächter, nebst Frauen und Töchtern. Auchdiese Vorstellungen fanden im „Baugarten-Wirthshaus" statt, und zwar in der ganzenFastenzeit an jedem Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag um 2 Uhr Nachmittags,an den Sonntagen aber nach der Kirche um 4 Uhr, bei einem Eintrittsgeld von 30,15, 10 und 6 Kreuzern. Die gespielten Stücke, halb religiös, halb possenhaft, wechseltennur ein einzig Mal, denn man gab während der ersten Hälfte der Fastenzeit: „KönigKodrus ein guter Hirt, mit schöner Musik und anderen theatralischen Vorstellungen aus-gezeichnet", und in der anderen Hälfte eine Komödie: „Die wunderbare Bekehrung",titulirt. — Nach dem Tode des Unternehmers führte dessen Wittwe sein Werk noch fort,indem sie im Jahre 1747 zuerst eine Komödie: „Unglückseliges Schlachtopfer des Neidesin einem Brudermörder vorgestellet" zur Aufführung brachte, und dann als folgendesStück: »Protasius, ein christlicher Held." — Zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts,in den Jahren 1783, 84 und 85 stoßen wir gar auf eine Liebhaber-Gesellschaft vonPatriziern und adeligen Kunstfreunden, welche öffentliche Vorstellungen im Stadttheatergaben, bis der eigentliche Leiter, Baron von Götz, Augsburg verließ und nach München zog. Diese Vorstellungen scheinen eine Art von Ehrenrettung für die von gar Manchemals „sündhaft" erklärte „Komödie" vorgestellt, und außerdem WohltlMigkeitSzwecke ver-folgt zu haben; z. B. wurde im Jahre 1784 eine Vorstellung für die Armen, zurBeschaffung von Brod und Holz gegeben, betitelt: „Der deutsche Hausvater oder dieFamilie", verfaßt von einem Freiherrn von Gemmingen. Außerdem wurden Drama,Lustspiel und Melodram kultivirt. — Ferner sehen wir in den Jahren 1797—1807„die ledige Gesellen-Congregation" im Jesuitentheater Aufführungen veranstalten, undendlich anno 1833 die sehr in Blüthe stehende, dramatische Liebhaber-Gesellschaft im„oberen Baugarten" sogar Theater im Freien spielen, und zwar am 10. und 12. Sep-tember auf dem Exerzierplätze, bei Gelegenheit eines acht Tage währenden, landwirth-schaftlichen Festes, dem zu Ehren die Stadt für Unterhaltung aller Art, als: „Wett-rennen und Wettlaufen, Klettern und — Theaterspielen" sorgte. Das damals gespielteStück war ein militärisches Schauspiel: Graf Waltron, oder die Subordination" mitNamen, welches sich besonders gut für die Aufführung im Freien eignete, — die präch-tigen Kostüme dazu zahlte die Stadt.
Zuweilen geschah es auch in früheren Zeiten, daß Dilletanten und Fachleute sich zugemeinschaftlichem Spiel zusammenthatcn, oder daß gar Liebhaber-Gesellschaften, gleichwie Komödianten von Beruf, umhergezogen. So „gastirten" in Augsburg am „Katzen-stadel" die ehrsamen Bürger von Kaufbeuren , deren „Schauspieler-Innung" sogar eineso alte war, daß sie 1801 ihr 300jähriges Jubiläum feiern konnte. Sie führten ordent-liche Jahrbücher, die bis 1540 zurückreichen, und besaßen seit 1570 ihre „Artikul" und„Ornungen". welche vom Magistrat bestätigt wurden. Auch einen eigenen Theaterdichternannten die „Agenten" von Kaufbeuren ihr Eigen, in dem Gelehrten Chr. Jak. Wagen-seil; — sie bestanden bis zum Jahre 1803. — Noch eine andere „Bürgerschaft" gastirteetliche Male — im August und September 1745 — in Augsburg auf dem Nathhausein einem „erschröcklichen Trauerspihl", mit Namen: „Wie das Leben, also der Tod, oderChrpsarius, Ein Hochadelicher Herr und dessen unglückseliger Tod." — Es waren dieBürger der „Chur-Bayer'schen Gränitz-Stadt Friedberg", welche diese Tragödien auf-