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zu erfüllen, sollte sie vielleicht eine Seele verderben sehen, um der Verzweiflung einesTodten willen, den sie nimmermehr zum Leben erwecken konnte?
Ein hoher Entschluß tauchte in ihr auf. Dem Dienst des Leidens wollte sie sichweihen, unablässig Tag und Nacht, so wollte sie Oscar's Andenken in Ehren halten, undim Innern an ihn jene Stunden verbringen, die ihr als Muse nach der beschwerlichenAufgabe übrig bliebe», die sie sich zum Ziel gesetzt. Und jetzt schon sollte die Missionbegonnen werden; wie ein Himmelsbote erschien ihr der liebliche Knabe.
„Ich komme", sagte sie rasch entschlossen, „zeige mir den Weg, mein Kind."
(Fortsetzung folgt.)
Das Kostümfest im königlichen Schlosse in Berlin .
Ueber den am 28. Februar im weißen Saale des kgl. Schlosses in Berlin statt-gehabten kostümirten Festzug zur Nachfeier der silbernen Hochzeit des kronprinzlichenPaares entnehmen wir der „Franks. Ztg" folgenden Bericht:
Mendelssohns für Gelegenheiten dieser Art klassisch gewordener Hochzcitsmarschzum Sommernachtstraum bildet die von der Höhe des Orchesters herab tönende musikalischeIntroduktion. Dann folgt im Saale selbst ein schmetternder Trompelentusch. Er ent-schallt den silbernen Instrumenten an den Lippen der vier stattlichen Trompeter, die infarbenreichen Kostümen, wie sie bei mittelalterlichen Tournieraufzügen üblich waren, denZug eröffnen. Ihnen folgen zwölf zu drei Reihen angeordnete Herolde in ähnlicherTracht. Gravitätisch aufmarschirend, nehmen sie Frontstellung in einem Gliede den fürst-lichen Herrschaften gegenüber. Nunmehr tritt der von zwei weiteren Herolden in denSaal geleitete Sprecher (Hauptmann von Hülsen) vor. Er trägt das Kostüm jüngererKavaliere aus der florentinischen Glanzzeit, das seine jugendlich schlanke und elastischeErscheinung trefflich kleidet.
Die Musik verstummt. In beschwingten Dactylen hebt der Prolog Ernst vonWildenbruch's an und zieht eine Parallele zwischen den festlichen Empfindungenvom 25. Januar 1858 und von heute. Dann nimmt der Zug seinen Fortgang. Eineprächtige Patrona sdame in Nothsammet mit Silber (Gräfin Szächönyi), geführt voneinem Kavalier in der karmoisinrothen langen faltigen Seidenrobe der venetianis.be nSenatoren, das Haupt mit einem tleinen rothen Käppchen bedeckt (Graf W. Pourtales),schreitet als Patronatsdame dem Zuge Friedrichs !l . voran. Dieser deutsche Kafferselbst, dem die Geschichte den Beinamen des Schönen gegeben hat, wird durch den Groß-hrrzog von Hessen dargestellt, der die Prinzessin Friedrich Karl als Repräsentantin dergefeierte» Eleonore von Portugal an der Hand führt. Sie trägt eine Nobevon purpurrothein Sammet, deren Hüfttaille mehr als handbreit mit Hermelin verbrämtist, der zunächst den eckigen Halsausschnitt umgibi, über der Mitte der Brust sich zueinem einzigen breiten, in der Taillengegend sich verengenden Streifen verbindet und nachund nach unten den Abschluß der Taille bildet. An die Schulterpuffen der engen, mitgoldenen Spitzenmanchetten abschließenden Aermel reihen sich lang herabwaUende Ober-ärmel von schleierdünnem weißen Seidenstoff. Ueber dem schlichtgescheitelten dunklenHaare wölbt sich ein Diadem von Gold und Brillanten auf purpursanrmslner Unterlage.An ihm ist ein langer Schleier befestigt, unter welchem der durch ein Netz von feinenSilberfäden zusammengehaltene Haarschmuck des Hinterhauptes sichtbar wird. Zwei zier-liche Pagen tragen die gewaltige Schleppe des aus Hermelin und Golobrokat gefertigtenMantels.
In rothen Kostümen mit den Emblemen ihres Gebieters geschmückt, eröffnen Schwert-und Schildträger den Zug des Erzherzogs Maximilian (Prinz Albrecht), der inblauem Gewand mit silbernem Schuppenpanzer und purpursainmetnem Mantel mit Her?mclinbesatz erscheint. Zu seiner Seite schreitet Maria von Burgund (PrinzeßAlbrecht), das Haupt von der charakteristischen Flügelhaude bedeckt. Ihr folgen dreiPrinzessinnen (Elisabeth und Victoria von Hessen und Louise Sophie zu Schtesivig-Holstein)