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als Brautjungfern, die jene hohen, dütenartig zugespitzten Hauven mit oben angeheftetenSchleiern tragen, wie sie damals in Frankreich für höfische Frauentracht beliebt waren.
Ein reiches Gefolge von Damen und Kavalieren schließt diesen Zug. Die nächsteAbtheilung eröffnen der Kurprinz Joachim von Brandenburg und die Markgrafen Albrechtund Kasimir desselben Fürstenhauses (Erbgroßherzog von Baden, Prinz Friedrich Leopold und Prinz Wilhelm von Hohenzollern ). Ihre Kostüme sind nach gleichzeitigen Gemäldenund Nelief's angeordnet. Die burgundischen und italienischen Trachten ihres männlichenund weiblichen Gefolges scheinen an Pracht der Farben und Echtheit des Schnittes dievorangegangenen Abtheilungen noch überbieten zu wollen. Namentlich gilt ersteres vondem pompösen dunkelrothen Burgunder Kostüm des H erzogS von Iülich (Herzogvon Natibor) und letzteres von den Anzügen der Patrizier und Patrizierinnen von Gent und Brügge , die diese Abtheilung beschließen.
Alle bisher geschilderten Gruppen gelten als Vorhut des Zuges der KöniginMinne. Den Kern desselben eröffnen nunmehr zwei jugendliche Kavaliere, denen un-mittelbar der Triumphwagen der holden Märchenkönigin selbst folgt. »Wagen" ist freilichnur die technisch richtige Bezeichnung. Dem äußeren Anscheine nach naht die Fürstinauf einem beweglichen Thron, den sechs junge Kavaliere auf den Schultern tragen. Nurzur Erleichterung für diese und zur größeren Sicherheit für die Thronende ist das Gerüstauf Räder gestellt, die jedoch von herabhängenden Teppichen völlig verdeckt werden. —Prinzessin Wilhelm, der die Rolle der Königin Minne vorbehalten blieb, ist, obgleich seitzwei Jahren zu den Frauen zählend, dem Aeußern nach noch heute eine jungfräulicheErscheinung, und jungfräulicher noch als sonst erscheint sie in der lichten duftigen Toilette,die sie bei dieser Gelegenheit trägt. Dieselbe besteht aus einer blaßrosafarbenen Robe,über welche eine Tunique aus Hellem millestleures-Stoff fällt, der im Ensemble denEindruck eines blassen stahlbläulich angehauchten Silbergrau macht. Die ziemlich tiefausgeschnittene Spencer-Taille ist ihrer ganzen Ausdehnung nach mit Arabesken vonBrillanten und anderen kostbaren Steinen besetzt. Den Oberarm bedecken weite, offenherabhängende Aermel von elfenbeinartigem Tüll. Das blonde Haar ist oberhalb derScheitelgegend zu einem einfachen Knoten geflochten, von welchem aus es frei über denNacken herabwallt. Ein Kranz von Rosen, die das blasse Rosa der schlichtesten Centi-folien zeigen, liegt leicht auf der durch dichten Haarwuchs begünstigten Frisur und wirdvon einem Brillantendiadem überragt. Mit ebensolchen Rosen ist die Tunique aufgerafftund an den Schultern unter Zuziehung schmaler himmelblauer Bündchen, deren Endenherabflattern, der Goldbrokatmantel befestigt. Der Thron der Königin Minne ist voneinem muschelartig gewölbten Baldachin überragt, der von schlanken goldenen Renaissance-Säulen, die einige Verwandtschaft mit Thyrsusstäben haben, gestützt wird. Nebenherschreiten sechzehn rosenbekränzte Pagen in der an den provencalischen Liebeshöfen üblichgewesenen Tracht. Sie tragen auf hohen goldenen Stangen ebensolche Blumenkörbchen,deren je zwei durch grüne Festons mit einander verbunden sind. Indem sie so denThron rings umgeben, entfaltet sich das Gesammtbild eines grünenden und blühendenFrühlings, der sich an goldenen Schmuckgerüsten emporrangt.
Nachdem der Thron der Liebeskönigin gegenüber den Thronen der Gefeierten Auf-stellung genommen hat, gruppiren sich sechzehn Paare zur Minne-Quadrille. Die vierersten Paare, an deren Spitze die Prinzessin Friedrich von Hohenzollern und Prinz Eduardvon Anhalt stehen, tragen Maigrün und Violett mit Silber, das 'bei den Herren inGestalt von Schuppenpanzerärmeln vertreten ist. Vier weitere Paare, deren Herren alsTroubadours erscheinen, tragen Hochroth mit Grün. Dann folgen vier in florentinischemStil geharnischte Kavaliere und Damen in Roth und Lachsfarbe mit Silber. Die letztenvier Paare endlich erscheinen Blau mit Gelb. Herren wie Damen haben ihre Baretts,Helme, Häubchen oder offenen Haare mit Rosenkränzen umwunden.
Nachdem die Klänge der von Kapellmeister Hertel melodisch komponirten Minne-Quadrille verhallt sind und die Minnekönigin mit,ihrem Gefolge wieder abgezogen ist,