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eröffnen vier Trompeter und zwei Herolde den englischen Zug. Dann folgen Kammer«Herr und Patronatsdame (Lady Amthill), sechs BeefeaterS und der Hofmarschall, sämmt-lich in der Tracht des Hofstaats der Königin Elisabeth von England . Für dieseinteressante historische Gestalt hat sich in der Gräfin Udo zu Stolberg-Wernigerode eineso geeignete Vertreterin gefunden, daß man sich versucht fühlen könnte zu glauben, eSsei für die Dame die geeignetste Rolle gesucht und gefunden worden. Das schmale,längliche Gesicht, das scharf geschnittene Profil, die hohe Gestalt, der entschlossene Aus-druck, das hoch aufgebundene röthlich blonde Haar, auf dem das rothgefütterte goldeneKrönchen sich prächtig ausnimmt, — Alles stimmt haarscharf mit dem uns überliefertenhistorischen Bilde der energischen Königin überein.
In den ersten Reihen der englischen Quadrille, deren Musik nach altenglischenMotiven orchestrirt ish tanzen Lady Ampthill, Prinz Wilhelm, Prinzessin Victoria rc.Die Erbprinzeß Sachsen-Meiningen und die Prinzessinnen Sophie und Margarethe weilen,von einem indischen Schirmträger begleitet, als Prinzessin von Navarra mitihren Töchtern als Zuschauer unter den Gästen der Königin von England.
Und nun folgt ein Neigen jugendlicher Damen, die mit ihren Querscheiteln, mitden blonden Löckchen die Stirn und Wangen umrahmen, den zartfarbigen Schnebbtaille»und vorn getheilten breit bordirten Roben, den bauschigen Aermeln rc. uns einerseits andie lieblichsten Portrait-Gemälde Van Dyck's , andererseits an Thekla im Wollenstem,wie ihre Bühnenerscheinung durch die Meininger eingeführt worden ist, gemahnen. Essind die Damen der deuschen Quadrille, die in die Jugendzeit des Großen Kurfürstenverlegt ist und den Schluß des höfischen Aufzugs bildet. Um denselben haben sich alskünstliche Leiter Graf Harr ach, August von Heyden , die Professoren Döpler,Gentz und Edwald, die Maler Lulvos und Skarbina , sowie für den plastischornamentalen Theil die Architekten Kayser und von Groß heim verdient gemacht.
Zur ganz ausschließlichen Richtschnur aber wurde das echt historische Gepräge fürdie Gestaltung des nunmehr folgenden Künstlerzuges, der seinen Namen in dop-pelter Bedeutung trägt. Erstens sind die Betheiligten durchgehends ausübende Künstlerund zweitens stellen sie eine aus verschiedenen Nationalitäten zusammengesetzte Künstler-Deputation aus den Blüthenzeiten der Hochrenaissance dar. Als stattlicher Hauptheroldschreitet ihm Maler Prell, der Schöpfer der Fresken im großen Gesellschaftssaale desArchitektenhauses, voran, geleitet von zwei jugendlichen Nebenherolden, einem deutschenund einem englischen. Dann folgt ein schwarzgekleideter Magister der Musik (Professorvon Hertzberg) als Anführer und Dirigent von fünfzehn Knaben vom königlichen Dom-Chor, die rosenbekränzt im Stile reformationszeitlicher Maienfeste erscheinen und einevon Mendelssohn für doppelten Diskant und Alt kompouirte Festhymne singen, diea eupolla den Aufzug der Künstler begleitet. Fricke, hier nicht als Sänger der Hofoper,sondern als achtbarer Landschaftsmaler, der er ebenfalls ist, eingereiht, trägt das Bannerder Künstlerschafl mit den drei silbernen Schilden auf blauem Grund, begleitet von zweiMarschällen (Bildhauer Schweinitz und Maler Nheinemann), welche die Enden der silbernenBannerschnüre fassen. Ihm folgt die deutsche Künstlerschaft aus den Zeiten eines PeterBischer, dessen Person durch Professor Siemeriug treffend genug charakterisirt erscheint.Dieser Abtheilung folgen die nicht minder charakteristisch kostümirten Professoren KarlBecker und Scheurenberg als erster und zweiter Vorsitzender des Vereins Berliner Künstlerund Anton von Werner als Präsident des Festkomitös. Sodann wird auf rothgepolsterterTragbahre, die an der Vorderseite mit dem preußischen Adler, an der Rückseite mit demenglischen Wappen dekorirt ist, das Festgeschenk der Künstler, ein über einen Nieter hoherPokal, herbeigebracht und vor dem gefeierten Paare niedergesetzt.
Dieser „Willkomm", wie unsere Vorfahren solche Humpen, in denen der Begrüßungs-trunk verabreicht zu werden pflegte, nannten, ist aus dem Zinn einer Unzahl von denMalern gesammelter Oelfarbenknpseln gegossen und hat ganz das Ansehen eines schönenvioil ui^ent erhalten. Bildhauer Herter hat ihn unter Mitwirkung von C. Bieber