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auf eigene Kosten modellirt, H. Glaoenbea u. Sohn ebenso gegossen. Auf hohemFuß, an dessen Bassis sich zwei in Arabesken übergehende weibliche Halbsiguren lehnen,tragen drei sitzende Männergestalten das eigentliche Gesäß, auf welchem durch ornamental«Umrahmung mehrere theils mit Inschriften ausgefüllte Medaillons abgetheilt sind. Zweihüben und drüben angebrachte Putten repräsentiren die Bildhauerei und Malerei. Andem stark ausgebauchten oberen Theile des Kelches sind sodann das Allianz-Wappen vonPreußen und England, sowie vier reliefirte Allegorien: Erziehung, Arbeitseifer, Kriegs-wissenschaft und Frömmigkeit, und im sechsten Felde die Zahl XXV angebracht. Zwischendiesen sechs Feldern finden noch zwei Greifen Raum, die in ihren Schnäbeln feineKetten halten, an denen einerseits das Berliner Stadtwappen, andererseits das Künstler-wappen hängen. Den konisch gestalteten, mehrfach gegliederten Deckel bekrönt ein Lands-knecht mit fliegendem Banner, eine ebenso kraftvoll konzipirte, als in ihre» Einzelheitenzierlich durchgebildete Gestalt. *)
Sobald der von seinem Bildner E. Herter begleitete „Willkomm" niedergesetzt ist,tritt Maler Dielitz vor und spricht einen von Julius Wolfs gedichteten Festgruß, dessenKern der Satz bildet: Die Form ist Schein, doch Wahrheit der Gehalt. Dann folgtein Zug italienischer Künstler, denen Gentz als Orientale gesellt, und endlich beschließendie Niederländer den Künstleraufzug und mit ihm den gesammten osfizielen Theil desFestes. In ihren schwarzen Kostümen mit den hohen zugespitzten Filzhüten überaus echtund nobel erscheinend, bilden sie einen durchaus würdigen Schluß. Wenn man nur hin-sichtlich der Physiognomien die Phantasie ein klein wenig mitsprechen läßt, so findet manleicht seinen Rubens» seinen van Dyck, seinen Frans Hals rc. heraus.
Der Leser selbst dieser einfachen Schilderung, welche sich jeder Ausschmückung ent-hält, wird mir Recht geben, wenn ich den empfangenen Eindruck zusammenfassend sage,daß dieses Kostümfest nicht leicht seines Gleichen finden wird.
M i s - e l l e,r.
(Boshaft.) Bauer (im Amtszimmer des Negistrators): „Guten Tag, HerrNegistrator!" — Bauer (einige Schritte näher tretend): „Guten Tag, Herr Negistrator!"
— Bauer (an das Pult des Negistrator's tretend): „Guten Tag, Herr Negistrator!"
— Negistrator: „Donnerwetter, sieht Er denn nicht, daß ich rauche!" — Bauer: „Ent-schuldigen S', Herr Negistrator, aber ich hab' halt denkt, wenn mer so a groß Maulhätt' wie der Herr Negistrator, könnt' mer rauche, und schwätze' mitanand!"
(Der g a l a n t e «T ü r k e.) Einem vornehmen Türken wurde von einer etwasprüden Europäerin die Verwerflichkeit seiner Religion vorgehalten, die jedem Manne er-laube, mehr als eine Frau zu haben. Fein erwiderte er: „Unser Islam gestattet es,damit mir in verschiedenen Frauen die Eigenschaften finden, die bei Ihnen, Madame,alle in einer Person vereinigt sind."
(Auch nicht übel.) Einem patrouillirenden Gensdarm machte ein armer Teufeldie Anzeige, es sei ein höchst zudringlicher Mensch in seine Wohnung gekommen, der sogarAnstalt treffe, von seinem Eigenthum Einiges mitzunehmen. Der Gensdarm beeilte sichin die Wohnung des Mannes zu kommen, und fand einen — Gerichtsbeamten, der ihnpfändete.
(Vorsicht.) Officiersbursche: „Erlauben S' Herr, haben Sie das Inserat:„Krankheitshalber wird ein Pferd verkauft" in die Zeitung drucken lassen?" — Herr:„Jawohl!" — Officiersbursche: „So, dann lasten der Herr Oberlieutenant fragen, obder Herr krank sei oder der Gaul?"
") Ein getreues Abbild dieses Pokals in Lichtdruck wird nächster Tage im Verlag von PaulBette in Berlin erscheinen.
Für die Redaktion verantwortlich Mphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Or. Max Huttler .