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lange Du fern warst, das sich un^)ich gehärmt, als Deine Wunde Dich an das Kranken-lager fesselte. Oscar, wie anders wäre es gekommen, hättest Du Fanny von Ebersdorfin ihrer jungen mädchenhaften Schüchternheit, in der ganzen unschuldigen Reinheit ihresHerzens gekannt, wie viele Thränen hättest Du mir gespart."
Aber ein gütiges Geschick ließ es geschehen, daß wir noch zeitig genug nach demGlück haschen dürfen, das, von glänzenden, aber desto nichtigeren Schatten verdrängt, sichuns zu entziehen suchte. Oscar, ein feierlicher, ernster Tag ist heute die Baronesse hatihren Besuch versprochen, wenn ich hoffen dürfte —"
„Hold und gut ist Fanny von Ebersdorf, wie ein Engel der Milde trat sie an
»nein Lager", unterbrach Oscar die Rede seiner Mutter. „Ja, ich will zu ihr reden, sie
»vird mich verstehen; es wird eine ernste Stunde, Mutter, an dem ernsten Tage, wo ein
vielleicht noch lebender zu den Todten geworfen wird. Sie soll entscheiden, ob ich ein
Recht habe, zu verdammen, ehe ich Atida selber gehört, ehe ich weiß, daß es Egoismus,Leichtsinn war, der sie von hinnen trieb? O lebte nur Edmund von Alten noch, ersollte mir Rede stehen und sei es mit der Waffe in der Hand."
»Wenn es einem treuen Diener vergönnt ist, eine Meinung zu äußern", nahmHerr Streland das Wort, „so dürfte Ihr Zweifel Ihrer Mutter Herz und meine eigeneerprobte Anhänglichkeit kränken. Ich kann beschwören, daß »»eine eigenen Augen Zeugewaren als von Alten an der Bank des Pavillons beim Teiche zu den Füßen des FräuleinsAlida Barfeld lag und ihre Hand in der seinen ruhte, kann beschwören, daß ein Zufallmich in den Besitz des Briefes setzte, den Sie selber gelesen, in dem der Oberlieutenantder Geliebten seine Hand anbietet und sie auf das Gut seiner Schwester bescheivet; aufBefehl der gnädigen Frau ließ ich die Spur der Flüchtigen verfolgen, sie führte zu derRichtung, wohin Herrn von Alten's Zeilen sie wiesen — nach Frankreich ."
Mit tiefem Seufzer ließ sich Ocar in einen Kessel fallen. „Ja, ja, ich glaube,ich will glauben; einer berechneten Intrigue willenloses Spielzeug war ich, das Opfereiner Coguetten, die, als sich ihr eine Sicherheit ihrer Zukunft darbot, diese der Wahr-scheinlichkeit vorzog, ihr galt nicht die Person sondern nur die Existenz. Und doch, sosehr, so innig habe ich sie geliebt."
Er barg sein Antlitz mit beiden Händen, die Thränen zu zerdrücken, die seineWangen netzten. Streland winkte der Gutsherrin, ihn gewähren zu lassen, und Frauvon Solmitz war einsichtig genug, die Weisung d.s Mannes zu befolgen, von dem siesich jetzt widerstandslos leiten ließ, obwohl der Verwalter klug genug war, sich nie denAnschein zu geben, als mache er seine Herrschaft geltend. —
Der alte Diener öffnete die Thüre des Zimmers.
„Gnädige Frau", meldete er, »die Herren aus der Stadt harren im blauen ZimmerIhres Erscheinens."
(Fortsetzung folgt.)
Hur Geschichte des Augsburger Theaters.
Von Klara Reichner.
IV.
„Banden" und Wandertruppen.
Zur Zeit des M ttelalters war es Sitte gewesen, den „fahrenden Sängern", welche— ihre Kunst ausübend -- im Lande umherzogen, Zehr-Pfennige zu verabreichen; —ohne Zweifel sind diese wandernde» Sänger als die Vorläufer der ersten Schauspielerund als Vater jener Wandertruppen zu betrachten, die später das Land durchzogen, nach-dem aus den reisenden Sängern «llmählig Komödianten und Gaukler verschiedener Arthervorgegangen waren, deren Kunst allerdings sehr viel zu wünschen übrig ließ, da siezumeist in, Possenreißen bestand; — trotzdem pflegte man sie für besonders festliche Ge-legenheiten: fürstliche Vermählungen rc. rc., extra zu verschreiben, um die Feier durchihre Künste zu verherrlichen. — Diese ursprünglichen, wandernden Komödianten reisten