Ausgabe 
(14.3.1883) 21
 
Einzelbild herunterladen

165

indessen anfangs nur allein, auf eigene Faust, bald aber begann eine Art von Zunftsich unier ihnen auszubreiten; so tauchten auch in Augsburg bereits im 13. und 14«Jahrhundert hier und da schon Wandertruppen, sogenannteBanden" aus, welche, vonOrt zu Ort ziehend, überall ihr luftiges Bretterwerk aufschlugen, darinnen sie die auf-merksamen Zuhörer durch Darstellung religiöser oder weltlicher Dinge: geistliche Schau-spiele, allerlei aus der biblischen Geschichte, oder Sprüchwörtliches, gar höchlichst ergötzten.

Leider aber dienten diese umherziehenden Banden just nicht dazu, verbessernd aufden Geschmack einzuwirken, indem ihre Hauptanziehungskraft auf die Schaulust des großenPublikums sich gründete. Als später dann durch die Privilegien derMeistersinger"den Wandertruppen das Einkehren in Augsburg sehr erschwert war, kam es vor, daßden reisenden Gesellschaften die Erlaubniß zumAgiren" auch wohl vom hohen Rath inFolge Protestes der Meistersinger, verweigert wurde, so z. B. geschah dies anno 166?denhochdeutschen Compagnie-Komödianten", welche abgewiesen wurden:von wegen böserLauften und Zeiten» und weilen durch dergleichen im Land hin und wieder reisendePersonen, bald was verdächtige und schädliche einschleichen können."

Endlich aber half dieses Absperren der Stadt, nach theatralischer Richtung hin,auch Nichts mehr. Die reisenden Patrizier und Kaufleute von Augsburg sahen auf ihrenReisen eben auch, was gut und besser in künstlerischer Beziehung schien, als daheim, unddas Ende vom Liede war, daß man das damaligeStadttheater", d. h. die dem Almosen-Amte zugehörigen Uranfänge desselben, doch den fremden Komödianten öffnen mußte,wenn dies freilich auch unter für Diese erschwerenden Umständen und Bedingungen ge-schah; aber der Bann war doch damit gebrochen, und dem Uebergang zur neuen Aerafreies Feld gestaltet.

Damals reisten diese Banden schon organisirt, mit einem Oberhaupt alsPrinzipal"versehen, so besaß z. B. die hervorragendste unter ihnen, die sogenannten:englischenKomödianten", nicht nur einen ordentlichen Direktor, eine eigene Rangordnung, einenbesonderen Gruß, sondern auch außerdem bestimmte Zunft-Gesetze, deren eines also lautete:Es soll bei den Komödien Niemand hinter den Fürhang gelassen werden." Dieseenglischen Komödianten", welche eigentlich als die Gründer derKomödianten-Profession" vonKunst" konnte ja wohl kaum die Rede sein zu betrachten sind, stammte» aller-dings ursprünglich aus Engst nd her, später aber blieb wohl nur mehr der Name übrig, alsdas Einzige, was wirklich echt war. In den Niederlanden tauchten sie bereits vor dem Jahre1600 auf von dorther kamen sie auf deutschen Booen, führten die Bühnensitten Eng-lands und Hollands ein, spielten englische Stücke, durchaus weltlicher Art, woll Blut,Mord und Graus, gemischt mit derben Schwänken als Zwischenspiele, bei denen derenglische und niederländische Hanswurst:Clown" undPtckelhäring" genannt, einegroße Rolleagirlen." Die gutenMeistersinger" beschwerten sich im Jahre 1681gar herzhaft über diesesogenannten Engländer", welche die Dreistigkeit besessen hatten:2 Groschen Eintrittsgeld und in den 15 Stüblin (Logen) einen Groschen weiter" proPerson zu fordern.

Und die bedrängten und bedrohten Meistersinger mochten wohl nicht so ganz Unrechthaben, wenn sie von densogenannten Engländern" sprachen, denn es liegt sehr nahe,daß die Trauer« und wchanerspiele der ersten, wirklichen Engländer sehr bald Nachahmerin Deutschland weckten, wo auch kein Mangel derzeitig an Blut-Tragödien (von KasparDaniel von Lohenstein rc. re.) war, und der deutscheHanswurst" gab sicherlich demClown" undPickelhäring" auch an possenhafter Derheit gar nichts »ach.

Das Jahr 1697 hatte in Augsburg ein besonderes Ereigniß zu verzeichnen: dieersteOpera!" Eine reisende Gesellschaft, geleitet von einem Kapellmeister aus Brauneschweig, führte zuerst diese italienischen Fortsetzungen derSingspiele" ein, und erregtedadurch lebhafte Bewunderung.

Aber auch au anderen Produktionen derberer Art war durchaus kein Mangel;sehr beliebt z. B. waren seiner Zeit die:Fecht-, Kampf- und Thierhetz-Spiele", dargestellt