Ausgabe 
(14.3.1883) 21
 
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Prinzipalin": Frau Theresnia von Kurtz, mit 28 Personen, alschurfürstl. bayer. Hof-Direktorin mit ihrer Gesellschaft deutscher Hosschauspieler" erscheinen u. s. w.

Ferner fehlte es auch nicht an einer Anzahl ausländischer Truppen; so 1733italienische Opern nnd Schauspiele, in den 40er Jahren eine italienischeOperisten-Banda",1753 und 5!) italienische Pantomimen u. s. w. 1759 spielte sogar eine französischeKinder-Pantomimen-Gesellschaft, und in den 60er Jahren finden sich immerfort Wander-truppen ein, italienische Sänger, welche Opern und Operetten gaben, doch war keine dieserGesellschaften eine regelmässige, wenn auch ihre Spielzeit öfter durch Wochen währte, undsich zuweilen sogar auf 4050 Mal belief.

Auch die jetzt von 1760 abverbürgerten Komödianten und Meistersinger"konnten dagegen nicht auskommen, mit sammt ihren Privilegien undregelmäßigen, vonden berühmtesten Skribenten verfertigten Stücken", und obwohl diese Privilegien sich in-zwischen nicht verringert, sondern im Gegentheil im Laufe der Zeiten Begebenheiten ver-mehrt hatten. Erhielten sie doch 1723 auf ihre Beschwerde hin das Recht, eine beliebigeEntschädigung von den Wandertruppen fordern zu dürfen, falls diese die Absicht hallen,an ihren eigenen, privilegirten Spieltagen zuagiren", und ward doch dieses Dekretdurch die Verordnungen vom Jahre 1733 und 1767 noch dahin bestätigt, daß die fremdenKomödianten erst ein Fixum von drei Gulden den Meistersingern zu zahlen hatten, wennsie an deren Spieltagen auftraten, und von 1767 ab für jeden Spieltag überhaupt diesFixum zahlen mußren. 1768 wurde dieseSteuer" auf fünf Gulden für eine Wocheohne Festtag, und für eine solche mit Festtag auf drei Gulden berechnet, wozu natürlichstets die Abgaben an das ältere Almosen-Amt noch kamen. Sobald also der Neubaudes Stadttheatcrs 1776 in Aussicht genommen war, lag auch die Nothwendigkeit nahe,die alten, veralteten Dekrete und Privilegien aufzuheben, welche der Kunst und den Ein-nahmen nur schädlich sei» konnten.

Nachdem in den Jahren 177076 die Wandertruppen gewöhnlich mit einemPersonal von 16, 18, 19 und mehr Personen immer regelmäßiger einkehrten; dar-unter mehrere Kinder-Gesellschaften, Oporu bukkn in deutscher und italienischer Sprache»sowie deutsche Operetten, wurde mit dem Direktor Peter Rohr und seiner Opera liusikudie alte Bühne des Stadt-Komödisnhauses zu Augsburg geschlossen, und der Umbau desTheaters im Juni 1776 begonnen. Bereits am 16. Oktober desselben Jahres wurdedas neue Stadttheater eröffnet, durch die Schopf'sche Gesellschaft, mit einem Personalvon 22 Erwachsenen und einem Kinde; man begann mit:Essex", und spielte bis zum11. Februar 1777 vierundsechzig Stücke. Was die Preise der Plätze und den Anfangder Boxstellungen anbetrifft, war auch darin bereits eine große Veränderung gegen frühernach und nach eingetreten! Hatte man noch bis zu Mitte des Jahrhunderts um 2, 3oder 4 Uhr begonnen, so finden wir später schon 5 und i/.,6 Uhr verzeichnet; auchdie Preise halten bereits merklich sich gesteigert. Mit einem Pfennig hatte man einst-mals begonnen bei den Meistersingern, war dann auf 5 Heller bis 6 Kreuzer gediehen,die englischen Komödianten nahmensogar" 23 Groschen, in derFechtschule" kostetees 1 Kreuzer, imBaugarten" 30, 15, 10 und 6 Kreuzer, imStadtheatsr" noch anno1766 auch nicht mehr, und 1769 schon1 Gulden" für die besten Plätze, für dengeringsten freilich nur 6 Kreuzer, und so war es auch, als 1776 das neue Stadttheatereröffnet wurde die Zwischenplätze kosteten 30 und 15 Kreuzer.

Mit Eröffnung des neuen Komödienhanses oderdes alten, Augsburger Stadt-theaters", darf man wohl getrost den Beginn einer neuen Zeit in der Theatergeschichtevon Augsburg rechnen, schon deshalb, weil von da ab von eigentlichenBanden" undWandertruppen die Rede nicht mehr sein kann, weil fortan eine Art von regelmäßiger,ständiger Saison-Zeit beginnt, in ähnlicher Weise, wie sie unsere Stadtthsater noch H ut'zu Tag besitzen.