Ausgabe 
(21.3.1883) 23
 
Einzelbild herunterladen

181

Es ist ein guter Schritt, Oscar", rief Fanny innig,möge Gott alles zum Gutenlenken."

Der junge Mann preßte warm die Hand der Baronesse.Sie sind e,n edles,gutes Mädchen, Fanny, nun lassen Sie mich ganz mein Herz ausschütten."

Ich höre"; ein unwillkürliches Errathen überflog die feinen Züge der Baronesse,sie mochte ahnen, was kommen werde.

Mit Alida Barfeld seit meiner Kindheit emporgewachsen", nahm Oscar vonNeuem das Wort,war sie als meine Gespielin, wie es so oft geschieht, auch der Gegen«stand meiner jugendlichen Neigung, ich liebte sie warm und innig und glaubte das höchsteGlück zu genießen, wenn es mir vergönnt sei, sie einst meine Gattin nennen zu dürfen.Da wurden Ihre Eltern unsere Gutsnachbarn, Fanny, da sah ich Sie, und auch zuIhnen zog mich mein Herz in mächtiger Neigung; nicht, daß ich Alide weniger geliebt,aber alle guten, alle edlen Gefühle meiner Brust theilten sich zwischen Ihnen, und den-nocb unglücklich genug machte mich dieser Zwiespalt, genug der Stunden höchster Ver-zweiflung verursachte es mir. Aber Alida Barfeld hatte ältere Rechte, und nimmer, sohold Fanny von Ebersdorf als lieblicher Stern mein Dasein durchleuchtete, hätte icheinem anderen, als dein Mädchen meine Hand gereicht, das den Schwur meiner Treueempfangen."

(Schluß folgt.)

Zur Geschichte des Augsburger Theaters.

Von Klara Reichner.

V.

Das Stadttheater zu Anfang unseres Jahrhunderts. ^

Als im Jahre 1776 das neue Stadttheater, welches dann sehr lange Zeit hindurch dasalte" in Augsburg blieb, erbaut und durch die Schopf'sche Gesellschaft am 16. Oktobereröffnet »norden war, wurde zugleich gar Mancherlei geändert und aeregelt, was Be«dingungen und Anordnung betraf.

Der Direktor hatte fortan nach erhaltenerPernüssion" 400 Fl. Kaution (späterbald auf 100 herabgesetzt) dem Almosenamt zu erlegen, wovon er die Hälfte bei recht«zeitiger Eröffnung der Bühne» den Nest indessen erst bei seiner unbeanstandeten Abreisezurückerhielt. Außerdem hatte er für jedesmaligen Gebrauch des Theaters 16 Fl. zuentrichten später, als das Almosenamt nicht mehr die Beleuchtung und das Theater-Dienstpersonal besorgte: 1012 Fl. und die Kosten für Bühnen- und Orchester-Beleuchtung, Musik, fürKassa und Cinfeurung", sowie für die Theaterzettel zu tragen,mit der besondern Verpflichtung, auf diesen Zetteln mindestens zweimal dein Publikumbekannt zu geben, daß es:den Theater-Personen nichts borgen solle." Endlich warenbestimmte Frei-Logen und Frei-Billets dem Almosenamt rc. rc. ausbedungen, und vomhohen Rath eine große Anzahl verbotener Spieltage in Summa etwa 140, darunterz. B. auch alle Sonntage festgesetzt; »vas die aufzuführenden Komödien anbetrafl soward dem Direktor vorgeschrieben:nur regelmäßige, unanstößige Stücke, Ballete undOpern aufzuführen" ; der Beginn der Vorstellungen geschah damals noch ziemlich früham Abend: 6 Uhr ist die späteste Zeit, welche wir bis zu Anfang des 19. Jahrhundertsverzeichnet finden, und das Eintrittsgeld betrug für die ganzen Logen 2 und 3 Fl., fürden einzelnen Logenplatz 1 Fl., für erstes Parterre und mittlere Galerie 30 Kr., fürWeites Parterre und Seitengalerie 6 Kr. (Sperrsitze gab es dazumals noch nicht); außer-dem aber stand an der Eingangsthür zum Theater ein vom Almosenamt aufgestellterBixenheber" mit seiner klappernden Blechbüchse zum Besten der Armen.

Und nun sehen wir bis zum Jahre 1795 Thsatergesellschaften verschiedener Lluan-titüt und Qualität diePermiision" erhalten, sich mit ihren Künstlern zu produziren,deren Personal zwischen den Zwanzigen, Dreißigen und Vierzigen hin- und herwechselte;die Zahl der Stücke ergab im Allgemeinen eine sehr verschiedene Ziffer, da durch die be-