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schränkte, oft durch längere Pausen unterbrochene Spielzeit der Aufenthalt der betreffendenGesellschaften von verschieden langer Dauer war, sich auch nach mehrmonatlicher Zwischen-zeit zuweilen wiederholte. Dadurch gestalteten sich oft mehrere „Saisons", als Vor-läufer der späteren regelmäßigen Winter- und Sommer-Saison, und die Zahl der Stückewährend dieser verschieden langen Spielzeiten (3—7 Monate durchschnittlich) wechseltemeist zwischen 30 und 80, ja, es wurde sogar die Höhe von circa 100 erreicht.
An besonders Hervorzuhebendem während der ersten zwanzig Jahre des alten Stadt-Theaters — von 1776 bis 1796 — treffen wir auf Mancherlei des heut' zu Tag Be-fremdlichen, z. B. bei einer Gesellschaft vom Jahre 1781, als Ueberreste einer ehemaligen„Kindertruppe", eine ungewöhnlich große Anzahl von weiblichen Kräften, welche spielten,fangen und tanzten, darunter vier, die von Jugend auf nur Männerrollen gaben; diebesten Künstler dieser Gesellschaft erhielten pro Woche eine Gage von 9 Fl.!
Unter der folgenden Direktion — anno 1782 — geschah das Kuriosuin einesförmlichen Scharmützels zwischen dem Direktor in höchst eigener Person nebst Sicherheits-wache und den die Theaterbesucher abholenden Dienern und Mägden; letztere wolltennämlich sammt ihren Fackeln und Laternen in's Parterre eindringen, um dort — anstattdraußen — den Schluß der Vorstellung abzuwarten» und widersetzten sich durch höchst ener-gische Thätlichkeiten, als man sie davon hindern wollte.
Bemerkenswerth ist auch die Direktion Dobler mit ihrer „durch Kunst, Statur undMoralität berühmten Komödiantentruppe", bestehend aus einem Personale von 31 Mit-gliedern und einem der üblichen Kinder (meist waren es 2—3, zuweilen auch mehr noch),welche vom 23. September 1782 bis zum 4. März 1783 nicht weniger als 95 Stückeaufführte, und über die ein „reisender Kritiker" jener Zeit sich folgendermaßen äußerte:„Wenn ein Prinzipal beinahe jeden Tag seinem Auditorium etwas Gutes und Neues«ufschüsselt, und dennoch fast lauter leere Bänke vor sich siehet, ist's am Ende denn da einWunder, wenn ihn dies Unglück trifft, woran schon so mancher Prinzipal gestrandet? u. s.w."
Und allerdings strandete noch so mancher an „diesem Unglück", nämlich an denleeren Bänken» denn nicht nur dieser eine Direktor erlitt allein vom 30. Dezember bis14» Januar den für damalige Zeit gewiß nicht unbedeutenden Verlust von 459 Fl.45 Kr.; er kam verhältnißmäßig noch gut davon. Auch das Almosenamt beklagte sichbitter über den ungünstigen Theaterbesuch, da es öfter vorkam, daß die Direktoren ihreAbgaben nicht zahlen konnten. Trotzdem kehrten etliche der Gesellschaften wiederholtzurück, wenn sie auf's Neue „Permission" erhielten, obwohl es manches Mal geschah,baß sie an Beifall reicher als im Geldbeutel die Stadt verließen.
Im Jahre 1789 erfahren wir auch von einer Gesellschaft, welche — „silhouettirt"wurde, wie gegenwärtig die Künstler photographirt werden; es war im vorigen Jahr-hundert bereits eine beliebte Sitte geworden, hervorragende Künstler durch Portraits inForm von Kupferstichen oder Silhouetten zu verewigen, und besonders in Augsburg ge-langten durch einen Zeichenlehrer und einen Kunsthändler sogar ganze Gesellschaften aufdiese Weise in die Hände und den Besitz des theaterfreundlichen Publikums.
Nachdem von 1776 bis 1790 circa zwölf Direktionen zusammen 892 Stücke zurDarstellung gebracht hatten, erschien Oktober 1790 der Direktor Josef Voltolini mit einemPersonal von 43 Mitgliedern und 3 Kindern. Sie spielten (bis März 1791) 74 Stücke,unv erfreuten sich der Theilnahme in so hohem Grade, daß die Direktion es wagen durfte,drei aufeinander folgenden Wintern, jedesmal 4—5 Monate vas Feld zu behaupten. Eswar allerdings eine gute Gesellschaft mit tüchtigen Kräften, welche nicht nur die neuestenund besten Erezugnisse damaliger Zeit auf dem Gebiet des Trauer- und Lustspiels zurDarstellung brachte, sondern auch größere und kleinere Opern und Ballets . Damalsbegann auch der Hervorruf für Leistungen, die dem Publikum besonders gut gefielen,gebräuchlicher zu werden; auch findet sich zum ersten Male eine Vorstellung bei „erhöhtenPreisen", als „die Zauberflöte " von Mozart 1793 aufgeführt wurde. Die Spieltagewaren imnzer nur; der Montag, Dienstag, Donnerstag oder Freitag — Sonntags durste