seine Puppenkomödie vor der Aufführung dem Bürgermeisteramts Zur Begutachtung, be-ziehungsweise „Censur", einreichen müssen. Als nun aber der Zufall sich selber in'sMittel legte, und bei einer großen, kriegerischen Darstellung durch die dazu gehörigenSchüsse die Papier -Dekorationen und dadurch das ganze Bretter-Theater in Brand ver-setzte, da trieben die Flammen auch die Ueberreste des letzten, eigentlichen, deutschenHanswurst von Augsburg aus seinem letzten Schlupfwinkel, in den er sich geflüchtet,hervor, und er verschwand auf Nimmerwiedersehen in seiner althergebrachten Form undGestalt! Der letzte der Augsburger Meistersinger und Hanswurste erhielt nun nicht mehrdie „Permission" sein hölzernes Puppen-Theater neu zu errichten, dafür aber durfte erdrei Tage lang bei der gesammten Bürgerschaft zu seinem eigenen Nutz und Frommensammeln gehen. „Die Kunst geht nach Brod!" —
Dasselbe hätte fast auch der Direktor Vanini mit seiner ganzen Gesellschaft thunmüssen, wenn ihm dazu die „Permission" ertheilt worden wäre, wenigstens durfte erschließlich im Jahre 1806 nach dem vierten Jahre seines Wirkens froh sein, daß er die„Permission" zum Rückzüge erhielt, bevor seine Zeit eigentllich abgelaufen war, nachdemer sich schließlich genöthigt sah, mit seinen Gläubigern gerichtlich zu akkordiren.
Die Gesellschaft welche ihn ablöste, stand unter der Aegide einer weiblichen Direktionvon Adel, wie denn überhaupt weibliche Direktoren oder Theilhaber, ebenso wie adeligeNamen, hier und da auftauchten, welche zu Anfang des Jahres 1806 mit großem Glan eihren Einzug hielt. Sie besaß nicht nur eine schöne Equipage und ein Reitpferd, die„Frau Baronin Lina von Schleppegrell", prächtige Garderobe und eine große Bibliothek,sondern auch das bedeutende Personal von 49 Personen und 3 Kindern. Der Aufwanddieser noblen Direktion war indessen ein so arger, daß die Wirthschaft naturgemäß nurwenige Monate so fortgehen konnte, — dann verließ die einst so glänzend eingezogeneDirektorin zu Fuß mit einem Bündelchen die Stadt, während die Gläubiger leer aus-gingen, und die Mitglieder in sehr übler Lage sich befanden.
So waren im Laufe dieses einen Winters zwei Direktionen banquerott geworden,— ein Glück, daß unter der nun folgenden Gesellschaft wieder eine bessere Zeitperiodeanbrach sür das alte Augsburger Theater; für eine Weile wenigstens, diene die Wahr-nehmung, daß solche Katastrophen nicht vereinzelt blieben, sondern von Zeit zu Zeit sichregelmäßig wiederholten, sollte auch in Zukunft sich bemerkbar machen, und nicht nurbis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts.
Miseellen.
(Dem Verdienst seine Krone.) Der Kaiser von Oesterreich hat kürzlich einerHofdame, der Gräfin Kornis, den Titel einer Geheimräthin verliehen. Sollte diesesBeispiel Nachahmung finden, so müßte man für die Folge darauf bedacht sein, die be-treffenden Titel den Eigenthümlichkeiten und Fähigkeiten der Auszuzeichnenden möglichstanzupassen. Es müßte demnach beispielsweise ernannt werden: eine excellente Köchin zurGerichtsräthin; eine Dame, welche ihre Stuben in vorzüglicher Ordnung hält, zurCabinetsräthin; eine Dame welche auf dem Markte gut zu handeln versteht, zurCommer-zienräthin; eine Frau, welche sich gern putzt, zur Staatsräthin; eine solche, welche imHause das Regiment führt, zur Negierungsräthin; eine andere, welche es liebt, sich dieCour machen zu lassen, zur Hofräthin; ein klatschsüchtiges Weib zur Botschaftsräthin.
(Für Atheisten.) Ein Darwinianer entwickelte in einer Gesellschaft dessenTheorie von der Abstammung der Menschheit. „Nun," sagt einer der Anwesenden „mirgenügt es zu wissen, daß meine Voreltern im Garten Eden gelebt, suchen Sie immerhindie Ihrigen im zoologischen Garten."
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.