Ausgabe 
(18.4.1883) 31
 
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nicht ohne nachtl,eilige Folgen bleiben. Doch denkt sie jetzt nur an die Pflege ihresSohnes, und will ihn keinen fremden Händen überlasten!"

Dann werden wir sie hier wohl vorerst nicht sehen?"

Es ist möglich, daß wir im August kommen, wenigstens meine Frau und unserSohn, doch läßt sich darüber noch nichts bestimmen. Ich bleibe einige Tage hier, umvor allen Dingen den Ludwig nach dem Buchenhof zu bringen, wo er dann wohl seinganzes Leben bleiben wird, denn nach einigen Jahren muß er doch im Stande sein, dasGut zu verwalten!"

Dazu hat Junker Ludwig neben dem besten Willen auch die Fähigkeit, und wennnur seine körperliche Kraft der semes Geistes gleichkäme"

Ja, dieser elende, schwächliche Körper!" unterbrach mit finsterer Stirn der Land-kammerrath.Sollte man wohl, das Gesicht allerdings abgerechnet, die jämmerliche Ge-stalt, die kaum größer als Ihre Tochter ist, für mein n und meiner Frau Sohn halten?"

Herr Landkammerrath", entgegnete fast vorwurfsvoll und mit Nachdruck der Förster,welcher eine wahrhaft väterliche Zuneigung zu besten schwächlichem Sohn empfand,derarme Junker hat sich diesen nicht selbst gegeben, und auch am schwersten darunter zuleiden und immer zu leiden gehabt!"

Schweigen wir von ihm", erwiderte fast rauh der Gutsherr,er wird nie imStande sein, etwas zum Glanz und Ruhm unseres alten Namens zu thun, denn werwird eine solche Jammergestalt heirathen wollen? Das wäre anders bei Hugo, denich mit einer sehr schönen und reichen jungen Gräfin zu vermählen gedachte, und der nunmit gebrochenen Gliedmaßen, und vielleicht schon kranker Lunge in dem elenden Dorfeliegt!" .

Hoffen wir das Beste, Herr Landkammerrath", unterbrach der Förster, der seineHärte und Lieblosigkeit gegen den jüngste» Sohn stets getadelt.Junker Hugo wirdbei seiner kräftigen Gesundheit sich erhulen, zumal Sie keine Kosten zu scheuen haben!"

Der Medizinalrath hat von Seebädern gesprochen, und uns Ostende empfohlen,und würde auch die dortige Luft für meine Frau, die ihn begleiten will, zuträglich sein!"

Der Förster mußte bei dieser Erklärung an den armen Ludwig denken, für dessenschwächlichen Körper und zarte Gesundheit bisher weder Vater noch Mutter gesorgt, undda der Landkammerrath sich erhob, verließ auch er seinen Platz und trat mit ihm an'sFenster. Hier siel Beider Blick auf zwei herankommende sehr verschiedene Gestalten;es waren der Verwalter Bergmann und Junker Ludwig, weiche lebhaft sprachen, undihre Hüte zogen, als sie des Gutsherrn ansichtig wurden, welcher flüchtig grüßte und sichdem Förster zuwendend sagte:

Habe ich nicht recht? Ein Jammer ist's um den Kopf, daß er nicht auf einen«sechs Fuß hohen Körper sitzt!"

Und mehr noch, daß der Geist und die Thatkraft, die Ihren jüngsten Sohn zueinen« der tüchtigsten Männer des Landes machen würden, nicht einen solchen beleben^,konnte der Förster sich nicht enthalten zu erwidern.

Sollte der Ludwig wirklich damit versehen sein?" fragte ungläubig der Gutsherr»

Geiviß, Herr Landkammerrath, allein da Sie Ihren jüngsten Sohn kaum kennen,können Sie das allerdings «richt wissen! Da Sie aber sicherlich noch mit ihm zusprechen haben, will ich mich entfernen"

Das habe ich in der That"

Nach einigen Sekunden gingen der Förster und der Verwalter dem Hause desLetzteren zu, Ludwig von Bodenwald aber betrat das Arbeitszimmer seines Vaters, mitden« er schon das Frühstück eingenommen, und der sich jetzt am Fenster niedergelassen.Auf einen Sessel deutend sagte er in gemessenem Tone:

Setze Dich, Ludwig, denn ich habe noch mit Dir zu reden!"

Der Sohn kam seiner Aufforderung nach, und ihn mit unverkennbarem Jnterestebetrachtend, begann der Landkammerrath.'