Ausgabe 
(18.4.1883) 31
 
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»Wozu das noch immer so Schmerzliche wiederholen?- entgegnete der Landkammer-rath mit düsterem Ernst.Laß uns hoffen, daß Hugo's Verletzungen schließlich nichtbedeutender Art sind, und wir unsern blühenden kräftigen Sohn, die Zierde unseres altenNamens, behalten. Ich könnte fast wahnsinnig werden, daß das Unglück ihn betroffen,

während doch Ludwig der jämmerliche Schwächling-doch wir vergessen die Wagen,

die schon nach Bodenwald unterwegs sein sollten-

»Sie müssen einstweilen noch hier bleiben--

»Ich will einen der Knechte zurückschicken und Bergmann sagen lassen, was sichzugetragen. An Ort und Stelle werden wir schon sehen, was wir für die nächste Zeitzu beschließen haben!-

Nach einer halben Stunde bestiegen Herr und Frau von Bodenwald mit dem Haus-Arzt, der Kammerfrau und dem Boten den mit vier kräftigen Pferden bespannten Wagen,und schlugen die Schloß Bodenwald entgegengesetzte Richtung ein. Mit schwerem Herzenfuhren sie an dem schönen Julimorgen dem Ziele zu, wo, wie sie nur zu gut wußten, ihrverwundeter Sohn ihrer sehnlichst harrte.

IV.

»Das ist ein schweres Mißgeschick, das uns da wiederum betroffen, Kohring-, mitdiesen Worten empfing drei Tage nach dem Unfall seines Sohnes der Landkammerrathseinen Förster, welcher zu seiner Begrüßung sich in's Schloß begeben und ihn in seinemArbeitszimmer aufgesucht hatte.

»Ja, Herr Landkammerrath, ein Mißgeschick, das wir Alle bedauert haben-, ent-gegnete der Förster, ein etwas jüngerer, doch ebenso stattlicher Mann wie der Gutsherr,dessen schwarzes Haar und dunkle Augen auf seine Tochter vererbt waren. ^.Wie stehtes um den jungen Herrn von Bodenwald? Hat er außer dem Armbruch noch ander-weitig« Verletzungen erlitten?-

Für den Augenblick geht es ihm schlimm genug, wenngleich keine bestimmte Gefahrvorhanden ist-, entgeguet« mit umwölkter Stirn der Landkammerrath. »Als wir mit demMedizinalrath in Langenhagen ankamen war sein linker Arm regelrecht von dem dortigenArzt geschient, und wird nach Verlauf von sechs Wochen wohl geheilt sein. Außerdemhat er «ine Wunde am Kopf, die ebenfalls verbunden war, und was das Schlimmste ist,hat auch die Brust eine Verletzung bekommen, über die der Medizinalrath sich noch nichtaussprechen will oder kann.-

»Auch die Brust ist verletzt?- fragt« theilnehmend der Förster, welcher unterdeßdem Landkammerrath gegenüber Platz genommen, der für ihn als einen tüchtigen undthätigen Fachmann eine besonder« Zuneigung empfand.

Mein Sohn hat beim Sturz des Wagens einige Rippen gebrochen, und mußdadurch die Lunge gelitten haben, da er beim Athmen Schmerzen empfindet!- erwidertesichtlich bekümmert Herr von Bodenwald.

»Diese Schmerzen können auch eine Folge der großen Erschütterung des Körperssein", meinte der Förster. »UebrigenS ist es mir einmal gerade so ergangen, und habensich die Schmerzen, als die Rippen geheilt waren, verloren!-

»Und haben Sie von Ihrem damaligen Unfall keine nachteiligen Folgen behalten?-fragte der Landkammerrath mit einem fast ängstlichen Blick auf seinen Förster.

Nein, Herr Landkammerrath, denn wie Sie zur Genüge wissen, habe ich meinenDienst seinem ganzen Umfang nach stets zu Ihrer Zufriedenheit versehen!-

Ja, ja, Kohring, und mögen Sie «S noch recht lange thun! Auf meinen Sohnzurückzukommen, soll er, sobald er nur im Stande ist, die Fahrt zu unternehmen, nachder Stadt kommen, weil der Medizinalrath, der schon unsertwegen seine Reise aufgegeben,ihn dort unter Augen haben und besser behandeln kann!"

»Und wie befindet sich die gnädige Frau nach dem gehabten Schrecken?- fragt«der Förster.

Meine Frau hat allerdings sehr dadurch gelitten, und ich fürchte auch, «S wird