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Zitr Geschichte der Spielkarten.
Vo» Klara Reichner.
Welche Bedeutung die kleinen, bunten Kartenblättchen im Leben der Menschen ge-wonnen haben, ist Jedem wohlbekannt.
Nicht nur „hoffähig" sind sie, sonder» auch in fast jedem Bauern-Wirthshaus einbeliebter, ja nothwendiger Gast; nicht nur in den Gesellschaftsräumen haben sie festenSitz und Stimme, sondern auch in jedem Haus ihr größeres oder kleineres Plätzchen.
Welche Rollen auch spielen sie als zerstreuende Genossen für Kranke oder Ruhende,in Form der Patience-Karten, was für Unterhaltung gewähren sie, in Form von Karten-Kunsl stücken oder harmloser Kartenschlägereil
Oft ist freilich dieses „Wahrsagen" schon zum schädlichen Gewerbe, oft das Unter-haltungsspiel der bunten, leichten Blätter zum bittern, grausen Ernst geworden, das manch'ein Lebensglück, ja, das Leben selbst gefährdete dessen, der sie wie mit Zauberbanden ansich und ihr wechselndes Glück gekettet hielten.
Was aber können sie, die kleinen Kartenblätter wohl dafür? Sind sie schuld daran,wenn der Mensch sein ganzes Geschick oft „aus eine Karte setzt", wenn er es wie dieKinder macht, und „Kartenhäuser" baut, die doch natürlich stürzen müssen, wie dielustige» Gebäude von des Kindes Hand, sobald ein Hauch sie anbläst? —
Wer die Erfinder der ersten Spielkarten gewesen sind? — Man bezeichnet dieAraber als Urheber, außerdem aber findet man ihrer bereits in alten Sagen bei denIndern und Chinesen erwähnt; — zur Zeit der Kreuzzüge gelangten sie dann überGriechenland nach Europa, und kamen in Italien schon zu Ende des 13. Jahrhundertsvor. Auch wird von König Eduard I. von England (1272—1307) der mit Ludwig IX >,dem Heiligen von Frankreich im 13. Jahrhundert einen Bekehrungszug nach dem Orientunternommen, erzählt, daß er ein Spiel: „die vier Könige" gespielt haben soll.
Sicher ist jedenfalls, daß die Karte» aus dem Orient stammen, und nicht — wieauch behauptet worden — aus Spanien ; — waren sie dort auch bereits seit dem vier-zehnten Jahrhundert bekannt, und sogar durch einen spanischen König einmal verbotenworden, — sie stammen doch — trotz der verschiedenen spanischen Benennungen, diesich beim Spiel erhielten — weder aus Spanien, noch aus Italien , wie auch irrthüm-licherweise geglaubt ward. Italien , die Heimath des allbekannten und allbeliebten Tarok»spiels, theilte die Bezeichnungen der vier Farben: roth grün, schwarz, gelb, in: Becher»Pfennige, Schwerter und Stäbe.
Im vierzehnten Jahrhundert führte man sie, um den kranken König Karl VI. zuzerstreuen, in Frankreich ein, und aus dem folgenden Jahrhundert stammen die sogen,„französischen ", unsere eigentlichen Whist-Karten, die am Gebräuchlichsten geworden sind,und deren vier Farben eine Art von Kriegssymbolik haben. „Oa ur" — „Herz" bedeuteteein tapferes Soldatenherz, — „Spitze" und „OarrauG — „Viereck" sollte die
Waffen bezeichnen, — I?iizuo die Lanze und Oarreau die viereckigen, schweren Pfeile,welche zu der Armbrust gehörten, und endlich „Prokkie ^ „Kleeblatt" sollte daranmahne», im Lager nicht zu vergessen, auch solche Plätze zu wählen, wo die Pferde mitFutter wohlversorgt seien. — Aber noch weirer ging die Allegorie der französischen Spielkarten! Die Hauptkarte, dem Werthe nach, das Aß, repräsentirte das allregierendeGeld, von dem auch sogar Könige nie zuviel haben, und sich ihm unterordnen müssen.Die vier Könige selbst vertraten vier weltgeschichtliche Helden: König David, Alexanderder Große, Julius Cäsar , uud Kaiser Karl der Große. —
Auch die Damen waren der Wirklichkeit entlehnt, wenn auch meist etwas »lehr derGegenwart: Ooaur-Dame stellte Agnes Sorel , des Königs Karl VlI. Favoritin vor,ki(zu,--Dams die berühmte Jungfrau von Orleans, M'cMo-Dame die Königin Marievon Anjou , und Onrroau-Dame die Gemahlin König Ludivig des Frommen.
Die Benennung „Bube" (französisch „Valut ") rührt von der Sitte her, damals