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„Äugslmrger Postzeitnilg."
Nr« 35. Mittwoch, 2. Mai 1883.
Des Försters Enkelkind.
Original-Novelle von Mary Dobson.
(Fortsetzung.)
„Wir müssen der Sache freien Lauf lassen, und zunächst die Antwort des Land«kammerrathes abwarten, an den der Junker noch heute schreiben will", entgegnete derFörster, den Weg nach seinem Hause einschlagend, wohin Ludwig und Anna in ernstemGespräch ihnen folgten. —
Drei Wochen waren seit dein Tage vergangen, an dem der jung« Gutsherr vomBuchenhof seinem Vater mitgetheilt, daß auch er sich zu verheirathen beabsichtige» undseine Wahl auf die Gespielin seiner Kindheit gefallen sei, die er liebe, wie er auch vonihr geliebt werde, doch war auf diesen Brief noch keine Antwort angelangt.
Er sah ihr mit Ruhe und Entschlossenheit, mochte sie auch ausfallen wie sie wolle,entgegen, denn weder der Wunsch noch der Wille seiner Eltern war im Stande, seinePläne zu ändern.
In Bodenwald, wo man Ludwig noch nicht wieder gesehen hatte, erwartete man,denn auch Bergmann'S waren von der Verlobung des jungen Paares in Kenntniß gesetzt,den Brief des Landkammerraths mit eben so viel Spannung wie Unruhe. Niemandglaubte, daß Letzterer die Verbindung seines Sohnes mit Anna Kohring billigen würde,was für alle Parteien eine traurige Zeit herbeiführen mußte.
Endlich aber traf die Entscheidung ein l — An einem heißen Tage — es war gegeEnde Juli und die Ernte hatte bereits begonnen — kehrte Ludwig von Bodenwald zurMittagszeit vom Felde heim, und sich in sein Zimmer begebend, sah er auf seinemSchreibtisch unter dem, was mit der Post für ihn eingegangen, einen Brief von seinemVater. Ungeachtet aller Ruhe, die er bisher in dieser ihn so tief berührenden Sachegehabt und gezeigt» bemächtigte seiner dennoch eine nie empfundene Aufregung, und seineHand zitterte so heftig, daß er einen Augenblick inne halten mußte, ehe er das durch eingroßes Familiensiegel geschlossene Couvert öffnete. Dann aber schnell entschlossen dasSchreiben hervorziehend, öffnete er es und las:
„Mein Sohn!
Also Du willst heirathen? — Nun ich muß sagen, daß ich eher jede andere Nach-richt aus Deutschland erwartet hätte, als eine solche Anzeige von Dir. Uebrigens be-greife ich Kohrings nicht, daß sie für ihre einzige Tochter nicht eine andere Verbindung
wünschen und wollen, denn was das Ende einer solchen Heirath sein wird, das könnensie sich bei Deiner schwächlichen Gesundheit und Deinem gebrechlichen Körper sagen. —Wie Du ganz richtig aus unseren alten Familiengesetzen ersehen, kann ich sie Dir nichtverbieten, ich erkenne sie aber auch nicht an, und ebensowenig thun das Deine Mutterund Deine Brüder, das heißt, wir werden Deine Frau nie als ein Familienglied be-trachten. Will sie und wollen ihre Eltern auf eine solche Stellung für sie eingehen, so
laßt Euch trauen. Du kannst während Deiner Lebenszeit auf dem Buchenhof bleiben,