und so lange Deine Frau mit Dir, ich will das alte Eulennest vorläufig nicht wieder infremde Hände geben, da ich selbst noch nicht weiß, wo wir nach unserer Rückkehr bleibenwerden« —
Dein Brief ist mir nach Genua geschickt worden, wo wir augenblicklich sind. AufWunsch der Aerzte unternehmen wir der Abwechslung und Luftveränderung wegen eineReise durch das obere Italien , das heißt in Begleitung von Hugo und seiner Frau, wieKarl, seiner Braut und deren Verwandte. Hast Du mir etwas Wichtiges mitzutheilen,so schicke den Brief unter der früheren Adresse nach Neapel , und ich werde ihn bekommen,sonst aber unterlaß das Schreiben bis zu Ende September, wo wir wieder dort ein-treffen werden, iveil im Oktober Karls Hochzeit ist.
Dein Vater
Friedrich von Bodenwald."
Der junge Gutsherr hatte den Brief unter den wechselndsten Empfindungen gelesen,und wenn er sich auch keinen sanguinischen Hoffnungen in Bezug auf die Antwort seinesVaters hingegeben, so hatte er doch wenigstens keine lieblose und verletzende Andeutungauf seine Körperschwächen erwartet. Er überlegte, ob er den Brief nicht seiner Brautund ihren Eltern vorenthalten, und ihnen nur die Einwilligung seines Vaters ankündigensollte, doch verwarf er bald diesen Gedanken, beschloß ihnen gegenüber offen und ehrlichzu handeln und gleich nach dem Mittagessen mit der frohen Botschaft nach Bodenwaldzu fahren«
Förster Kohring war eben im Begriff, sich nach dem Nachmittagskaffee, der in derLindenlaube eingenommen worden, in den Wald hinauszubegeben, seine Frau und Tochteraber wollten dem Mädchen beim Pflücken der reifen Früchte helfen, die zum Winter-vorrath verwandt werden sollten, als sie plötzlich Schritte vernahmen, und in's Freieblickend, Anna in freudigem Ton: „Ludwig!" ausrief.
„Ja, ich bin's", entgegnete dieser schnell und mit freudestrahlendem Gesicht, „undkomme mit der Einwilligung ineines Vaters, die ich diesen Mittag erhalten!"
„Hat er sie wirklich ertheilt?" fragten einstimmig der Förster und seine Gattin,während Anna's Wangen sich höher färbten.
„Lesen Sie selbst", und Ludwig von Bodenwald reichte ihnen den Brief, und fügteungeduldig hinzu: „Nun aber geben Sie mir auch Anna» damit ich sie offen und voraller Welt meine Braut nennen kann!"
Förster Kohring legte ihre Hände ineinander, schloß sie an seine Brust und sagteihnen mit bewegter Stimme seine Glückwünsche. Dieß that auch die Förstern,, woraufLudwig seine Braut umfaßte, und beide sich dem Glücke, sich nun endlich anzugehören,überließen. Die Eltern entfernten sich, um den Brief des Landkammerraths zu lesen,der ihre ganze Mißbilligung erregte, dann beschlossen sie ein kleines Verlobungsfest zufeiern, und Kohring ging nach dem Verwaltungshause, Bergmann's dazu einzuladen, undbesonders die von Allen mit so großer Spannung erwartete Nachricht mitzutheilen, seineGattin aber begab sich in die Küche und traf die Vorbereitungen zum außerordentliche»Abendessen.
Sechs Wochen später fand die Hochzeit des jungen Paares statt. Es war einestille Feier, bei der nur die nothwendigsten Theilnehmer zugegen waren; der Prediger,der Beide getauft, unterrichtet und confirmirt, vollzog auch die Trauung, und dieser folgteein kleines Festmahl, bei dem jedoch eine ernste, fast feierliche Stimmung vorherrschend
blieb. —
Am Abend des schönen Septembertages führte Ludwig von Bodenwald seine Gattin,die sich unter heißen Thränen von ihren Eltern, den Freunden und der Stätte getrennt,wo sie eine glückliche Kindheit und Jugend verlebt, ihrer neuen Heimath zu.
Hier war ihnen ein freundlicher Empfang bereitet, das Herrenhaus reich mit Blumenund Grün geschmückt und als der Wagen hielt und sie ausstiegen, hießen viele Stimme»sie mit herzlichen Worten willkommen.