Ausgabe 
(2.5.1883) 35
 
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in der Nähe stehenden 3. CorpS nicht unterstützt worden ist. Die Befehle für dieseUnterstützung hat der Marschall gegeben» aber die einzelnen Divisionen marschirten theil-weise planlos hin und her, theilweise ließen sie sich durch schwache preußische Kavallerie-Abtheilungen an Punlten festhalten, wo ihre Anwesenheit zwecklos war. Uebrigens ent-wickelte sich seit dem 6. August eine gereizte Stimmung zwischen Bazaine und Frossard;letzterem wird von ersterem der Vorwurf gemacht, er habe ihm nach der Schlacht vonSpichern gemeldet, daß er sich auf dieHöhen" zurückziehe, ohne dieseHöhen" näherzu bezeichnen. Daß General Frossard auch an diesem Tage vergessen hat zwei ihm zu-gewiesenen Kavallerie-Brigaden den Befehl zum Rückzüge zu ertheile», und diese nur mitMühe unter dem Schutze der Nacht sich einer kritischen Lage entziehen konnten, beweist'«ine wiedergegeben« Originalmeldung des Generals de Jumac. Auch die dort angeführteThatsache, daß General Frossard erst Nachmittags 5 Uhr sich von seinem Quartier For-bach aus auf das Schlachtfeld von Spichern begab, wo bereits seit 12 Uhr der Kampfentbrannt war, wirft kein günstiges Licht auf den Thätigkeitstrieb der französischen Generäle,die, an Bevormundung gewohnt, nur selten die Verantwortung eigener Entschlüsse aufsich zu nehmen bereit waren. .

ES muß jedoch bemerkt werden, daß auch die Unsicherheit und Unentschlossenheit inder obersten französischen Heeresleitung viel dazu beitrug, Verwirrung in der Befehls-führung herbeizuführen, ein Verhältniß, welches sich selbst nach dem 12. August, anwelchem Tage dem Marschall Bazaine der Oberbefehl über die ganze Rhein-Armee über-tragen wurde, nicht änderte; denn auch nach dem 12. August verblieb Napoleon bei derArmee und mischte sich wenigstens indirekt in Dinge ein, die eigentlich nur den Ober-feldherrn angehen. Man hat Bazaine hieraus einen Vorwurf machen wollen und vonihm verlangt, daß er rücksichtslos, selbst gegen den Willen des Kaisers, seine Pläne hättedurchführen sollen. Aber erstens war die allgemein« Kriegslage schon damals eine so un-günstige, daß selbst die kühnste Offensive Bazaines keine Aussicht auf Erfolg gehabt hätte,und zweitens kann doch ein General selbst als Oberfeldherr die Rathschläge seines Sou-veräns nicht einfach ignoriren. Die Lage war für die Rhein-Armee bereits am 13. Aug.so kritisch, daß nur der schnellste Rückzug hinter die Mosel Rettung bringen konnte. Mankann Bazaine einen Vorwurf daraus machen, daß er diesen Rückzug nicht energisch be-trieben hat, aber der Marschall fand andererseits nicht die genaue Ausführung seinerBefehle bei den Unterführern und außerdem machte sich bei der ganzen HeereSmaschinebereits eine Reibung geltend, die ihren Hauptgrund in dem allgemein erschütterten Ver-trauen hatte. Die Disciplin begann sich bedenklich zu lockern, die Truppen wolltennicht mehr mjt Gepäck marschiren und riefen selbst dem Kaiser zu:Nehmen Sie unSunsere Lagerdecken, unsere Tornister abl" Diese Angaben entstammen den gerichtlichenAussagen des Marschalls Leboeuf, der noch hinzufügt:Als der Kaiser nach Metz zurück-kehrte, lagen mindestens dreißig Briese auf dem Tische, die, aus der Armee stammend,ziemlich ^ sämmtlicher Generäle als unfähig entfernt wissen wollten. Eine dieser Listenbegann mit dem Marschall Mac-Mahon und endigte mit dem General Soleille!" Dassind freilich starke Schlaglichter auf die gesunkene Zucht und Beweise für einen schlechtenGeist in der Armee. Aber die Franzosen wollen von solchen Erscheinungen nicht gernhören, weil sie wenig schmeichelhaft für ihre Armee sind. Aehnliche Dinge berichtet derMarschall auch aus der Schlacht von Mars-la-Tour, die nach seiner Ansicht hätte ver-mieden werden können, wenn die drei vorausgehenden Kavallerie-Divisionen am 15., alssie auf die preußischen Spitzen stießen, nicht so »nwllement« operirt hätten. Dagegenläßt sich einwenden, daß in so wichtigem Augenblicke der Oberfeldherr unter allen Um-ständen hätte Sorge tragen müssen, daß nicht somollsment" verfahren wurde, und esbleibt Bazaine nicht der Vorwurf einer unparteiischen Kritik erspart, wie es seine Pflichtgewesen wäre, am 15. und am frühen Morgen des 16. durch ein energisches Vorgehengegen die seine linke Flanke bedrohenden damals noch schwachen feindlichen Ab-theilungen sich der eisernen Umarmung zu entziehen, die für ihn später Unglück- und ver-