Ausgabe 
(2.5.1883) 35
 
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derbenbringend werden mußte. Bereits am 16. August wurde das Schicksal der Rhein-Armee eingeleitet und alles Spätere ist nur die logische Folge der Schlacht von Mars«la-Tourl Weiterhin hatte Napoleon noch kurz vor seiner Abreise nach Chalons, die am16. früh Morgens erfolgte, vor allemVorsicht" in den Operationen angerathen mitden Worten: Ich erwarte eine Antwort von dem Kaiser von Oesterreich und von VictorEmanuel, und es ist auf alle Fälle nöthig, den Mächten, welche seit Beginn der Feind-seligkeiten uns zu Hülfe kommen zu wollen schienen, keine» Verwand zum Zurückziehenzu gebe».

In Betreff der Schlacht von Mars-la-Tour gibt jedoch der Marschall der Wahr-heit die Ehre, indem er offen erklärt, daß er noch am 16. Morgens keine Ahnung davongehabt habe, daß eine ganze Armee in nächster Nähe seine Flanke bedrohte. Unglaublich,aber wahr; es konnte sich auf kaum eine Meile Entfernung das 3. preußische Armee-korps zu einem Angriffe entwickeln, ohne daß hiervon dem französischen HauptquartierMeldung zuging! Aber dieses Hauptquartier hätte auch seinerseits ganz bestimmte Be-fehle über Necognoscirungen nach Gorze und Pont-ü-Mousson geben müssen und sichnicht nur auf die fragwürdige Initiative der Unterführer verlassen sollen, zumal man indieser Beziehung schon wiederholt unliebsame Erfahrungen gemacht hatte. In der fran-zösischen Armee herrschte aber vor allein die Routine, und Bazaine war nicht der Mann,um über deren Kopf hinweg die Kriegsführung in neue Bahnen zu lenken, und deshalbhat er auch am 17. August nicht einmal den Versuch gemacht, sich mit der Armee einenWeg nach der Maas auf einer der nördlichen Straßen zu bahnen, nachdem ihm diekürzeste Straße nach Verdun verlegt war. Es kann heute Niemand entscheiden, ob einsolcher Durchbruch am 17. noch Erfolg gehabt hätte, aber nur einen Tag später war erbereits aussichtslos. Und da die Angaben Bazaines über den eingetretenen theilweisenMunitionsmangel sowie über die allgemeine Verwirrung nach dem Kampfe am 16. auchvon anderer Seite Bestätigung erfahren haben, so kann ihm nach den Gesetzen jenerbereits erwähnten Routine, welche jede außergewöhnliche Kraftanstrengung, geistige, mora-lische und materielle, scheute, wegen seiner Unthätigkeit am 17. gerade kein besondererVorwurf gemacht werden. Man darf weiterhin nicht vergessen, daß die französischen Truppen keineswegs in so guter moralischer Verfassung waren, um zu Leistungen fähigzu sein, wie sie in unübertroffener Hingabe und in wahrem Heldenmuthe auf feiten derDeutschen während jener Tage zu verzeichnen sind. Bazaine stand aber persönlich unterdem Eindrucke, daß seine Truppen manches zu wünschen übrig ließen was natürlichunsranzösisch ist, und man kann ihm das nicht übel nehmen, wenn seine Erzählungwahr ist, daß bei dem Angriffe der Braunschweiger Husaren am 16. August, die bis zumMarschall vordrangen, sogar einige Offiziere seines Gefolges (deren Pferde mal cirssssawaren, wie Ba aine boshaft sagt) Kehrt machten anstatt ihrem General zu helfen. Mitder Schlacht von St. Privat-Gravclotte schließt der erste Act des Dramas vor Metz ,und in dieser Schlacht zeigte sich Bazaine insofern als wenig genialen Feldherrn, als erseine Reserve» zu lange hinter dein linken Flügel, den er bedroht glaubte, zurückhielt,während die Entscheidung auf dem rechten Flügel, bei St. Privat , fiel.

Es beginnt nunmehr die Einschließung von Metz und damit der sogenannte eigent-licheVerrath" Bazaines , da nach französischer Auffassung es immer noch möglich ge-wesen sein soll, entweder die deutschen Linien zu durchbrechen, oder Metz so lange zubehaupten, bis Gambetta mit seinen neugeschaffenen Heeren vor Paris erschien. Bei derSachlage war beides nach menschlichem Ermessen und nach der Auffassung der urteils-fähigen deutschen militärischen Kreise unausführbar. Der Umstand, dem in Frankreich soviel Gewicht beigelegt wuroe, daß nämlich Bazaine nicht in der Zeit vor dem l. Sep-tember Versuche gemacht habe» dem heranmarschirenden Mac-Mahon die Hand zu reichen,erklärt sich auf ganz natürliche Weise dadurch, daß die französische Armee, physisch undmoralisch gedrückt, gar nicht im Stande war, solchen Versuch mit Aussicht auf Erfolgzu unternehmen. Nach landläufiger französischer Auffassung war die Armee voin General