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bis zum Tambour von glühendstem Eifer beseelt, sich auf die Prussiens zu stürzen, umMac-Mahon zu Hülfe zu kommen. Und lediglich Bazaine hat sie daran gehindert, unszu zermalmen. Diese Auffassung ist reiner Schwindel und die in dem Buche wieder-gegebenen Schriftstücke sind werthvolle Belege dafür, daß die Armee recht kleinmüthigwar und sich gar nicht übermäßig darnach sehnte, mit den PrussienS anzubinden.
Wir wüßten auch gar nicht, warum ein Ausfall, der am 30. August und 1. Sep-temoer bei Noisseville nicht gelang, ein paar Tage früher hätte Erfolg haben sollen.Und später erst recht nicht. Man vergegenwärtige sich nur, was es heißen will, mit einerArmee von über 100,000 Mann, der es auch noch an Cavallerie und Artillerie fehlte,weil die Pferde aufgegessen waren, ohne jeden Train und ohne Verpflegung vieleTage zu marschieren und jeden Tag zu schlagen; also den Durchbruch als gelungen an-genommen! Nicht ein Bataillon wäre nach der Loire entkommen. Dieser Ueberzeugunggeben sämtliche Berichte Ausdruck, die von den commandirenden Generälen der Nhein-Armee von Bazaine eingefordert wurden. Aber trotzdem hätte der Marschall, vielleicht derWaffenehre zuliebe, in den letzten Tagen des Oktober einen, wenn auch vollkommenaussichtslosen Durchbruchsversuch ä, ln Osman Pascha bei Plewna unternehmen können.Er hat es nicht gethan, weil er unnützes Blutvergießen vermeiden wollte, und hierin hatder Marsch all Bazaine und vor allem der Franzose Bazaine gefehlt, da er alsSoldat und als Sohn einer Nation, die auf den Begriff der äußern Ehre ungemeingroßen Werth legt, dieses Zugeständniß hätte machen sollen. Daß es nicht geschehen,kann als ein Fehler bezeichnet werden, aber es ist blinder Fanatismus, dem' Marschall deshalb Verrath vorwerfen zu wollen. Der Marschall hat — wie wir gezeigt haben —als Feldherr im offenen Felde Fehler gemacht, er hat auch solche während der Einschließungvon Metz gemacht, aber selbst wenn er stets völlig richtig gehandelt hätte, er konnte vaSGeschick seiner Armee, daß Geschick Frankreichs nicht wenden, und sicherlisch ist er keinVerräther gewesen, sicherlich hat er das Schicksal als Soldat wenigstens nicht verdient,welches ihn so hart getroffen. Bazaine ist das politische Opfer der nationalen Eitel-keit Frankreichs geworden, ohne daß es den Franzosen gelingen wird, die Welt und vorallem die Geschichte über die wahren Ursachen ihrer Niederlagen zu täuschen. Das Buchdes Marschalls Bazaine darf aber trotz der subjectiv gefärbten Darstellung das Verdienstin Anspruch nehmen, über diese wahren Ursachen der französischen Niederlagen 1870 neuesLicht verbreitet zu haben. Deshalb ist es lesenswerth und auch von geschichtlicher Bedeutung.
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Miseelleir.
(Zu Nicksichts voll.) Herr Maier (die Zeitung lesend): „Du Frau, denk' Dir !
nur, der Herr Assessor Müller ist ja gestorben! Da muß ich ihm doch bei seinem Be- s
gräbniß mitgehen, er war ja auch bei dem meinigen." — Frau Maier: „Was red'st Dudenn da für tolles Zeug?" — Herr Mayer: „Nun ja, weißt Du, voriges Jahr starb .einmal ein Herr Maier, da meinte Müller ich sei's gewesen, und ging mit zu meiner ^Beerdigung und da muß ich mich doch jetzt revanchiren."
(Er will der Einzige sein.) John Smith, ein reicher und exentrischer Kali«fornier hat an 17 im Staate Kalifornien lebende Personen desselben Namens je 300Dollars bezahlt, damit sie ihre Namen ändern. Wenn das in Deutschland einem Mülleroder Schulze einfiele!
(Ein Bedenken.) Tante: „Emilie, Du zeichnest für ein sechsjähriges Mädchenganz wunderbar — Du mußt wirklich Malerin werden." — Emilie: „Aber Tante,können Malerinnen auch — heirathen?"
(Vergüte Wegweiser.) Reisender: „Hören Sie, wo geht's denn zur Münster -kirche?" --- Soldat: „Da gehn's nur g'rad aus, und am Eck fragen Sie nach demSchuhmacher Hofmeister, gleich daneben ist's Münster!"
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag deS ^
Litcrarischen Instituts von Dr. Max Huttlcr.