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„Beruhige Dich, Onkel", ermähnte Frau Albrecht, „denn die Verhältnisse sind jaganz anderer Art. Graf Steinhorst ist ein unabhängiger Blaun, Anna führt ebenso wieer einen alten adeligen Namen — —"
„Still, still, Kind", sprach leise der Förster, „damit nur Niemand hört, was glück-licherweise hier verborgen geblieben. Laß nun aber in's Auge fassen, was wir unserer-seits zur Abwehr des Unglücks thun können."
„Nach meiner Ansicht nichts, Onkel!" erwiderte Frau Albrecht. „Du kannst GrafSteinhorst nicht verbieten, Dein Haus zu betreten, und ebensowenig Anna aus seinerGegenwart entfernen. Auch ist nicht bestimmt, daß meine Befürchtungen sich erfüllen,der Graf kann ja schon sein Herz verschenkt, und in der Ferne sich verliebt und ver-lobt haben! —"
„Du hast wohl recht, Wilhelmine", entgsgnete der Förster und blickte traurig aufden Baum, dessen Kronen im frischen Maigrün prangten.
„Ich meine", fuhr mit gedämpfter Stimme Frau Albrecht fort, „wir lassen denDingen freien Lauf und Anna nicht unsere Befürchtungen ahnen, das würde ihr nurihre Ruhe und Unbefangenheit rauben. Geschieht dann aber, denn den jungen Herzenkönnen wir so wenig, wie die Gräfin Steinhorst gebieten, was wir für möglich halten,finden sie sich in Liebe zu einander, so laß eS uns als Gottes Schickung ansehen —
„Aber die Gräfin mit ihrem Adelstolz?"
„Was soll der Anna gegenüber, Onkel! — Der Name Bodenwald ist wohl sogut und so alt wie der Name Steinhorst —"
„Aber ihr Großvater wird sie nie als eine Bodenwald anerkennen!"
„Auch das thut nichts zur Sache, Onkel, denn ihr Taufschein und der Taufschein!ihrer Eltern sind ihre Anerkennung!"
„Wahr, wahr, Wilhelmine", erwiderte der Förster und fuhr nach längerem Sinnenjlebhafter fort: „Ein zweites Unglück will ich in meiner Familie nicht erleben — könnte«ich auch nicht mehr überwinden. Verlieben sich die Beiden in einander und begehrt er^sie von mir zum Weibe, so werde ich — muß ich ihm sagen, wer Anna ist und trete!dann noch einmal den Weg in die alte Heimath an. Dort will ich sehen, wie Allesgeworden und die Rechte meines Enkelkindes als Anna Tusnelda von Bodenwald geltend'machen."
(Fortsetzung folgt.)
Gol-k-rner.
6. Wer einen Raben will baden weis;und darauf legt seinen ganzen Fleiß,und an der Sonne Schnee will dörren,und allen Wind in einen Kasten sperrenund Unglück will tragen seilund Narren binden an ein Seilund einen Kahlen will bescher'» —der thut auch unnütz Arbeit gern.
Altes deutsches Sprichwort.
(l. Schöne Lande, segensreiche,hab' ich Wand'rer viel geseh'n,keines, das sich dir vergleiche!
Was sind Wunder hier gescheh'n.
Walther von der Vogelweide über Palästina-
6. Wer wünschet, was er nicht soll,der hat sich sebst versaget mahl.
Ulrich v- Lichtenstein.
U. Wer schlägt den Löwen? wer schlägt den Riesen?wer überwindet jenen und diesen?das thut jener, der sich selber zwinget.
Walther von der Bogelweide.