Araberstamm, wie man zu sagen pflegte, „ausräucherte." Der Stamm war mit Weibernund Kindern in eines der Höhlen-Labyrinthe geflüchtet, welche zu den Eigenthümlichkeitendes Atlasgebirges gehören. Pelissier lieh vor der Höhlenöffnung große Scheiterhaufenvon dürrem Reisig in Flammen setzen und erreichte damit so viel, daß er wenige Tagespäter Hunderte von Erstickten als Siegeshekatomben zu Tage fordern konnte, welche sofurchtbaren Tod der Unterwerfung vorgezogen hatten. Dies ein Beispiel von mehreren.Ganz im Gegensatz hiezu erwies sich der junge Hadschi Abd-el-Kad«r als jeder Grausam-keit in der Kriegführung abhold, wenn er auch später, als der Kampf in das Stadiumblinder Verzweiflung trat, die Vertilgungsfehde, den Jrhad, allen fremden Eindringlingenansagte. Er selber hielt seine Hände rein; ja mit eigener Lebensgefahr hat er ungezählteSchaarcn von Giaurs vor dem fanatischen Rachedurst seiner eigenen Glaubensgenossengerettet. Später, als er in Damaskus den Abend seiner Tage erwartete, organisirte ereine Streitmacht zum Schutze der Christen, welche von einer Massakre bedroht waren.Als der Dey von Algier und seine Pascha's von dem französischen Befehlshaber abgesetztwaren, proklamirten die Stämme von Oran ihre Unabhängigkeit und erhoben Abd-el-Kader's Vater zum Emir. Dieser verzichtete zu Gunsten seines schon wegen seiner Tapfer-keit und seiner tiefen Koran -Kenntniß gefeierten Sohnes. Lange, hartnäckige undnamenlos blutige Kämpfe folgten, deren Zentrum Maskara war, wo der Emir seineBeste hatte. — Bald darauf zum Sultan von Milianah und Medeah ausgerufen,befand sich Abd-el-Kader an der Spitze von zwanzigtausend bis in den Tod getreuenReitern, gegen welche kein noch so festes Q-uarrö, keine Batterie des Feindes Standhalten konnte; die, wie voin Samum gepeitschte Gewitterwolken bald hier, bald dort un-geahnt sich mit Verderben entluden und dann verschwanden, um oft nach wenigen Tagenwiederzukehren, nach ihren weißen Burnus „die weiße Wolke" geheißen. Damals standdie Glorie des jungen Hadschi Abd-el-Kader in ihrem Zenith, und bis zu den entlegenstenWelttheilen war der Ruf seiner Unüberwindlichkeit gedrungen. Nur durch immer neueund niassenhafte Truppen-Nachschübe war Louis Philippe's Kriegsminister im Stande,den Emir bis auf marokkanisches Gebiet zu drängen. Hiebei wurde auch das LagerAbd-el-Kader's mit seinem Harem überfallen und erobert — eine Episode, die durch einberühmtes Bild von Horace Vernet verewigt wurde.
Als sich der Wüstenlöwe, Abd-el-Kader, so unerbetenerweise bei ihm zu Gaste lud,erbleichte der Sultan von Marokko, so gut dies einem kaffeebraunen Menschen möglichist. Er zitterte vor ernsten Verwicklungen mit Frankreich , aber war machtlos gegenüberdem Flüchtlinge Abd-el-Kader, welchem sein halbes Volk mit Begeisterung zulief. Soward es diesem möglich, von seinem Asyl aus unaufhörlich neue Einfälle in Algier zumachen, so daß dem armen Bugeaud mehr als einmal um seine sauer erworbenen Lorbeer»bange wurde. Ohnehin grollte ihm die Bevölkerung, weil er auf den Kopf von Sidi-Embariak ben Allal einen Preis gesetzt und ihn nach der Gefangennahme unter denMauern von Milianah öffentlich ausgestellt hatte, wo er zuvor die Würde eines Der)begleitete. Auch hatte Bugeaud einmal einen arabischen Ueberläufer, „der ihm zwei ab-geschnittene Kabylen-Ohren überreichte", angesichts der Bazare mit einem Goldstück belohnt.Die entrüstete Pariser Presse ließ den Marschall dieserhalb moralisch Spießruthen laufen,so erbarmungslos und vernichtend, wie nur französische Satyrs dies vermag. Endlich —es war am 22. Dezember 1847 — ging Abd-el-Kader's Stern unter. Es sah sich vonallen Seiten eingeschlossen, vor sich die Armee Lamoricisre's und des Herzogs vonAumale, und im Rücken die Truppen des Sultan's von Marokko , welcher durch Droh-ungen aus Paris aus seiner furchtsamen Lethargie aufgerüttelt worden. Unter diesenUmständen mußte der tapfere Emir seinen krummen Säbel einem französischen Generalübergeben. Er bat die Regierung, nach Syrien gebracht zu werden, aber die RegierungLoui's Philippe's zog es vor, den gefürchteten Gegner in einem Fort bei Toulon undspäter im Schlosse von Amboise zu mterniren. Erst als Louis Napoleon Kaiser wurde,erhielt der ehemalige Emir die Freiheit wieder, nebst einer Jahresrente von 100,000