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auf den Weg machte, die stille Gasse zu erreichen, in welcher Haydn wohnte. Der mitdiese»» persönlich bekannte Vorsteher des fürstlich Eszterhazyschen Theaters zu Eisenstadt ,Herr Schmid, hatte versprochen, ihn einzuführen, und schritt neben ihm. Eine heitereSonne lächelte vom Himmel herab, und da es Marientag war, so waren die Straßenvon Menschen belebt, die lachend und schwatzend sich hin und her bewegten. Nachdemsich Beide durch diesen Knäuel hindurchgewunden, machten sie endlich vor einem hellen,freundlichen Hause Halt, welches als das des Musikers das Ziel ihrer Wanderung be-zeichnete. Eine sauber gekleidete Magd trat, sie zutraulich begrüßend, den Männernentgegen, deren Frage, ob ihr Herr daheim sei, dahin beantwortend, er komme soebenmit seinem Diener aus dem Garten. Es war so, da seine Füße aber den Dienst ver-sagten, so konnte sich Haydn nur langsam fortbewegen. Inzwischen harrten Jffland undSchmid, in das Wartezimmer geführt, des Augenblicks, da es ihnen vergönnt sein sollte,vorgelassen zu werden.
Die Wände eines anstoßenden Cabinets, dessen Thür offen stand, zeigten sich kost-bar geziert. Kleine Tonschöpfungen Haydn's , mit eigener Hand geschrieben, bedeckten sie,jede unmuthig von einem Kranze umrahmt. Hier erblickte man auch das Bildniß desMeisters. Es stammte aus Tagen, da seine Kraft noch ungebrochen war und ihm Jugend-muth und Frische noch reichlich zur Seite standen. Gedankenvoll und wehmüthig blickteJffland in das milde Autlitz, als die Magd mit der Meldung erschien, ihr Herr wartein dem Empfangssaals der Besucher. Haydn saß, als sie eintraten, völlig angekleidet,das Gesicht nach dem Fenster gerichtet, in einen: Sessel. In der einen Hand hielt erseinen Hut, in der andern den Krückstock und einen Blumenstrauß. Er trug ein braunesUnterkleid, einen grauen Ueberrock und eine zierlich frisirte Beutelperrücke. Sein Dienerstand hinter ihm. Als er die Männer über die Schwelle schreiten sah, erhob er sich mitHilfe des Dieners und kam ihnen, die Füße mühsam nachschleppend, einige Schritte ent-gegen. Dabei hielt er die Hand über die Augen. Zunächst begrüßte er Schmid, indemer ihm warm die Hand drückte; hierauf neigte sich sein Haupt mit anmuthigem Lächelngegen Jffland, den er zu einem Sitze führte. Dann kehrte er langsam zu seinem Sesselzurück. Das Gespräch berührte zunächst gleichgültige Dinge, wobei Haydn , da ihm dasAthemholen schwer wurde» nicht ohne Beschwerde sprach. Oft sah er auf die Blumen inseiner Hand, deren Duft ihn sichtlich erquickte. „Ich habe heute meine Andacht in derNatur gehalten", sagte er wehmüthig — und dabei war es, als würde seine Wimpervon Thränen feucht — „Ich kann nicht anders, ich muß so thun." Hier erhob er denBlick, wie zum Gebet gestimmt, gen Himmel.
Es kam dann auf die „Jahreszeiten", seine letzte größere Tonschöpsung, die Rede,an welcher er elf Monate arbeitete und die man, wenn man will, den Schwanengesangdes Dichters nennen kann. Sogleich verließ ihn die bis dahin bewahrte Ruhe, undbeinahe heftig rief er: „Ja, die „Jahreszeiten", die haben mir den Rest gegeben! Sieglauben nicht, wie ich mich dabei gemartert habe." Er wollte noch mehr sagen, aber erfand den Ausdruck, nach welchem er suchte, nicht sogleich und stieß, wie in Univillendarüber, den Stock auf den Boden. In diesem Augenblicke sah ihn der Diener besorgtund bittend an, wie wenn er sagen wollte: Schonet Eure Kräfte! Haydn verstand ihnsogleich und setzte gelassener hinzu: „Ja, du hast Recht. Warum soll ich mich erregen,da Alles vorbei und abgethan ist?" Dann, ganz die frühere Ruhe wieder annehmend,wendete er sich zu den Gästen mit den Worten: „Ja, es ist vorbei, wie Sie sehen,und die „Jahreszeiten" sind schulv daran. Ich habe überhaupt in meinem Leben vielund schwer arbeiten müssen. Ich hatte es nicht leicht, wahrlich nicht leicht; meine Jugendwar eine sehr schwierige." Er erzählte dann, wie mühselig er sich einst durchbringenmußte, wie viele Treppen er dabei täglich auf und ab zu steigen hatte, als er noch aufdein Platze bei den Michaeln,, wohnte, und wie dadurch seine Gesundheit untergrabenworden sei. „Das kommt nun nach", sagte er, auf seine Brust deutend, „und wirftmich nieder. Aber ich erliege mit Ehren, und mein Mühen und Schaffen ist nicht ohne