Ausgabe 
(7.7.1883) 54
 
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Der Lnndkammerrath ermannte sich zuerst und ihre Hände, die jetzt weiß und zartwie die scinigen waren, ergreifend, sagte er, sie voll Liebe anblickend:

Anna, denn so muß auch ich Dich wohl nennen, wenngleich Du auch unsernFamiliennamen Thusnelda führst, Dein erster Anblick hat mich wunderbar berührt undlief ergriffen, gestern Abend aber, als Ihr hinaufgegangen, habe ich noch lange über dasnachgedacht, was Du mir von Deiner Familie gesagt hattest, und da ist mir die Ueber-zeugung gekommen, daß Du das Kind meines Sohnes Ludwig sein müßtest. DeineAehnlichkeit mit unserer Familie, die ich hier ohne meine Brille geprüft, hat mich in dieserUeberzeugung bestärkt ich fand Dich vor dem Bilde Deines Vaters"

Großvater mein Großvater!" dies waren die ersten Worts, welche mit kaumvernehmbarer Stimme Anna hervorbrachte.

Du hast also keinen Groll gegen mich? Bist nicht in Haß gegen mich erzogen,denn ich nehme an, Daß Du Alles Alles weißt"

Ja, ich weiß Alles, Großvater", erwiderte Anna, voll kindlicher Liebe zu ihm auf-blickend,als ich Dich aber gesehen, hatte ich kein weiteres Gefühl, als daß Du derVater meines Vater seiest, und ich Dich um seinetwillen lieben müsse!"

Dank Dank, Du theures Kind", erwiderte bewegt der greise Schloßherr.Erhalte mir dies Gefühl, und Du wirst die Freude, ja, die einzige wahre Freude meinerletzten Tage sein! Dennoch möchte ich noch leben, um gut zu machen, was ich ver-schuldet und versäumt möchte aber erzähle mir Deine Lebensgeschichte bis zumHeutigen Tag. Wir sind hier ungestört, August wird Jeden, wer es auch sei, fern halten!"

Anna nahm neben dem Rollwagen ihrer Großvaters Platz, und begann seine ver-schiedenen Fragen, ihren Großvater und ihre Tante betreffend, zu beantworten, und ihmdann, so weit es ihre Erinnerungen zuließen, aus ihrem Leben zu erzählen, indeß er mitdem größten Interesse ihren Worten lauscht. Zuerst berichtete sie von ihrer Kindheit, imWalde verlebt, gehütet von der Sorge und Liebe ihres Großvaters und ihrer Tante, undim Schutz und in der Gesellschaft ihres treuen Wolf; dann von Waldemar's Ankunft,den seine Großmutter, die Gräfin Steinhorst, ihrem Großvater auf ein Jahr übergeben,ach dessen Verlauf sie ihn unerwartet abgeholt, um ihn nach Schlesien zu schicken.

(Fortsetzung solgt.)

Sommerluft.

O i wie so wunderherrlich ist's,

An sonunerjungen TagenIn lauer Lüste vollem StromMit wonnigem Behagen,

Der Schwalbe nach, die oben kreist,Den Leib zu baden und den Geist!

Was rufst Du allen Wesen zuIn Deinem Hochzeitskleids?

Dringt nicht im Jubel der AccordEmpor aus allem Leide:

O seht! Der einst mich rief zum Sein,O seht, wie liebend denkt Er mein!

u alle Fenster strömt's hinein,sie Schläfer zu erwecken,nid treibt den letzten kalten Ha

Und treibt den letzten kalten Hauch

nd treibt den letzten kalteninweg aus dumpfen Ecken;

So komm heran zu dieser ZeitIhr Kranken und Gesunden,,Die Lüste lind wie Balsam sindDem Elend und den Wunden;

:s bringt uns warmen Grüß der Süd

Wer bleibt noch sündig stolz und kaltBei dieser göttlichen Gewalt?

Ihr sonnenklaren Räume,

Und Du, der matten Augen Lust,Jungfrisches Grün der Bäume,

O Welt, wie eine Braut geschmückt,

Wem schlägt Dein Herz, so froh entzückt?

Von, Land, wo die Orange blüht.Du Hinimcl hoch und wolkenfrei,

Es möcht der Sehnsucht Flügelschlag

Die reinen Seelen tragen

Bon Stern zu Stern, wo endlos schön

In sommeriungen Tagen

Der volle Strom des Lebens fließt,

Aus Gott, der Alles in sich schließt!

L. v. Heemstede.