Ausgabe 
(7.7.1883) 54
 
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CchLernach und die «pringproeefsior,.

Echternach ist die Stadt des großen Glaubensboten Willibrordus . Hier hat seinesterbliche Hülle in einem Marmor-Sarg geruht, bis der Dandalismus der unter General Bol-land in Echternach eingerückten französischen Truppen in der Nacht vom 7. November1794 die Stätte entweihte. Das Grab wurde gesprengt, und die Gebeine wurden her-ausgerissen und zerstreut. Zweifellos reicht das Entstehen der Stadt über St. Willibrord(-st 739) zurück. Wahrscheinlich haben wir es mit einer Niederlassung der ripuarischenFranken zu thun. Schon früh begegnet uns Echternach in der Geschichte als fester Platz.1462 wird dasselbe in einer Lirdonanz Philipp's des Guten von Burgund als eine inalter Zeit gegründete Stadt bezeichnet, die durch Mauern und Thürme, Thorburgen undGräben sich als stark befestigt erweise. Von diesen Werken sind heute nur noch Bruch-theile der Umfassungsmauern erhalten. Die Thorburgen sind gefallen, aus den Grübensind prächtige Promenaden entstanden. Die Stadt selbst ist inzwischen auf nahezu 5000Seelen angewachsen. Als besonderer Industriezweig verdient die Porzellanmalerei derGebrüder Zeus Erwähnung. Die Fabrikate gehen größtentheils nach Frankreich . Hiergelten sie als veritabler Sevres-Porzella».

Echternachs Hauptsehenswürdigkeit ist die wundervolle Basilika.

Der dreischiffige Bau in frühromanischem Stil zeigt eine ungemein große, abergleichwohl sehr ansprechende Einfachheit der Formen; er datirt aus dem Jahre 1031 undist an die Stelle einer Kirche von geringerm Umfang getreten, welche 1017 ein Raubder Flammen geworden ist» In dem Neubau hat man die frühere Holztäfelung derDecke durch ein geschmackvolles Gurtgewölbe in Stein ersetzt. 1794 wurde das Gottes-haus von der französischen Regierung als Nationalgut erklärt und schließlich unter denHammer gebracht. Die Kirche wurde Fabrik. Die Thürme wandelte!» sich in gualmendeKamine eines Fapencc-Ofens um. Gott Lob, daß das böse Gewissen über diese Ver-sündigung an den» Kunst- und Frommsinne unserer Vorfahren nicht zur Ruhe gekommen.Dei allmälig fast zur Ruine werdende Bau wurde der Pfarrgemeinde geschenkt. Derwieder aufblühende kirchliche Kunstsinn schuf den Willibrordus-Bau-Verein, dessen reicheSammlungen die Mittel zu der jetzt vollendeten Restauration boten. Sie ist in allenTheilen gelungei». Die Pläne zu den baulichen Arbeiten, insbesondere auch zu den zweiprächtigen Thürmen, die das stilvolle Säulenpvrtal flankiren, sind aus der Hand desDirectorS des Germanischen 'Museums, Professor I)r. Essenwein in Nürnberg , hervor-gegangen. Hclbig, ein Schüler Bethue's, hat die polpchromische Ausmalung übernommen.Der nach Darcy in Paris angefertigte Hochaltar ist eine durch Gold und Email-Schmuckmit Geschmack ausgestattete Bronzearbeit. Der trefflich ausgeführte Baldachin-Altar isteine Schöpfung der Werkstätte von Richard Morst in Köln . Alles vereinigt sich, dieKirche zu einem wirklichen Kunstkleinod zu machen.

Seitwärts der Kirche liegen die umfangreichen Gebäude des frühern Benediktiner -Klosters. Jetzt dienen sie meist Jndustriezwecken. Die am besten erhaltenen Räumewerden von einen» der Miteigenthümer als Wohnung benutzt. Das prächtige Treppen-haus mit Deckenmalereien aus den» vorigen Jahrhundert und die zwei anstoßenden Säle,deren Wände noch heute mit werthvollen ledernen Goldtapeten bedeckt sind, verdienenbesondere Beachtung. Ein großes Oelgemälde gibt die Medaillon-Portraits der langenReihe der Aebte von der Zeit der Gründung an bis zur Säkularisation wieder. Vonder Kloster-Bibliothek ist nur noch der Raun» vorhanden: Die werthvollen und thsilweiseseltenen Bücherschätze, über 8000 Bände, sind von den Franzosen fortgeführt »vorbei».

Auf dem Markte liegt die altdeutsche Dingstätte oder, wie sie in Echternach heutenoch genannt wird, derDingstuhl": ein freier Platz, überragt von einem viereckigenUeberbau, der durch eine Doppelreihe von Säulen getragen wird. Hier wurde in ältererZeit, wie das der Name bekundet und eine Urkunde aus 1539 bestätigt, von den SchöffenRecht gesprochen. Gegenüber liegt das Nathhaus, ein derselben Epoche angehörenderBau, dessen crenelirter Giebel gleichfalls auf Säulen ruht. Auf dem Marktplatz herrscht