Ausgabe 
(7.7.1883) 54
 
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Spanien zurückgekehrt sind. Der ehrwürdige Greis nennt sich Lukas Negreiras Saez,hat Amerika in seiner ganzen Länge und Breite durchstreift und besaß zuletzt ein großesLeder- und Häutemagazin in Boston . In seinen drei Ehen, die er eingegangen war,hatte er das Glück, Vater von 37 Kindern zu werden. Seine erste Frau, eine Spanierin,schenkte ihm 11 Kinder in sieben verschiedenen Geburten; beider letzten, einem Drillinge,verstarb sie. Seine zweite Frau, mit der er 18 Jahre lebte, schenkte ihm 19 Sprößlingein l3 Abschnitten. Zum drittenmal im Alter von 55 Jahren vermählt, wurde ihm dasseltene Glück zu Theil, seine Familie noch um fernere sieben Häupter sich vermehren zusehen; wieder befanden sich ein Paar Zwilling darunter. Der letzte Sprosse dieses ur-krüftigen Stammes sah airp 15. Juli 1864 das Licht der Welt, als sein Papa bereits74 Jahre zählte. Der älteste Sohn ist gegenwätig 70 Jahre alt, und hat bis jetztseinem Vater 17 Enkel geschenkt, deren ältester zur Zeit im blühenden Alter von 47Jahren steht. Der gegenwärtige Bestand dieser seltenen Familie ist folgender: 16Töchter, davon eine unverheirathet und sechs Wittwen; 23 Söhne, wovon sechs unver-heirathet, 13 verheirathet und vier Wittwer; 34 Enkelinen, davon neun unverheirathet,22 verheirathet und drei Wittwen; 47 Enkel, davon 17 unverheirathet 26 verheiratetund vier Wittwer; 45 Urenkelinen, davon 2 verheirathet, und 39 Urenkel die das Ehe-glück noch nicht gekostet, außerdem 3 Ururenkel. Der alte Herr N. lebt äußerst mäßig,feine Mahlzeiten bestehen meistens aus Gemüse und Puris, fast ganz ohne Salz. Täg-lich widmet er drei Stunden dem Spaziergang und hygieinischen Uebungen. Wein undalkoholische Getränke hat er niemals genossen. Trotz seines vorgeschrittenen Alters be-sitzt er eine vortreffliche Gesundheit.

(Bureaukra tische Grobheit.) In der jüngst erschienenen Schrift:DiePolitik Friedrich Wilhelm's IV." erzählt der Wirkt Geh. Ober-Regierungsrath Wagen««als Beispiel, wie verknöchert die preußische Verwaltung am Schluss« der RegierungFriedrich Wilhelm's III. war, folgende kleine Geschichte aus der Zeit des Ministersv. Schuckmann. Als nämlich die Cholera zum ersten Male Preußen durchzog, erstatteteeine Regierungsbehörde einen Bericht an den Minister v. Schluckmann, in welchen: eShieß: da nun die verderbliche Seuche auch ihrem Regierungssitz sich nähere, so hätten siebeschlossen, einen dreimonatlichen Urlaub mit entsprechender Vorwegnähme ihres GehalteSzu nehmen und bäten ihre Excellenz um hochgeneigte Genehmigung. Hr. v. Schluckmann,der einen drastischen Stiel liebte, erwiderte darauf umgehend: von der Cholera hättensie nichts zu besorgen; wenn aber wieder Vermuthen die Rinderpest ihrem Sitze sichnähern sollte, dann bäte er um schleunigen Bericht. Gleichzeitig erhielt der Präsidentseinen Abschied."

(Ein gemüthlicher Romanschriftsteller.) Durch ein verhängnißvollesVersehen ist neulich in einer Provinzialzeitung eine für die Redaction bestimmte Bemerkungdes Nomanautors mit abgedruckt worden. Der betreffende Feuilletonroman schließt da-mit, daß die jugendliche Heldin in Nußdorf bei Wien das Grab in den Wellen sucht»Dieser Selbstmord ist sehr grell geschildert, und umsomehr überrascht den Leser die nunfolgende nicht für seine Augen berechnete Bemerkung:Sollte Ihnen das Schicksal derLouise zu düster erscheinen, so lassen wir sie leben; es hieße dann bei der 46.Zeile gleich:Louise dachte noch oft an den schändlichen Streich, den ihr der blondeDoktor gespielt; aber allmählich gewann auch sie ihre Ruhe und Zufriedenheit des Herzenswieder." .... Das ist doch ein gemüthlicher Romancier, der mit sich reden lätzt!

(Epidemisches.) Ein Schulivspektor kommt im Winter während der Schulzeitin ein Dorf und trifft eine große Anzahl der schulpflichtigen Jugend, welche sich aufdem Eise des Dorfteiches belustigt.Warum seid Ihr denn nicht in der Schule, Kinder?"fragte der würdige Herr. Wie aus einem Munde schallt ihm die Antwort entgegen:Mer dürfen nich, mer han die Masern ."

Für die Nedaltion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von vr. Max Huttler .