Unternuktunggökatt
,ur
„Äilgsburger Postzeitung."
Nr. 55. Mittwoch. 11. Juli 1883.
Des Försters Enkelkind.
Original-Novelle von Mary Dobson.
(Fortsetzung.)
Anna berichtete von der Zeit ihres Unterrichts, den ihr Sophie Dörner ertheiltund nachdem diese entlassen von den beiden Jahren, die gefolgt und unter häuslicherThätigkeit schnell verflossen waren. Jetzt hielt sie inne» und sie forschend doch liebevollansehend, sagte ihr Großvater:
„Hast Du mir nichts weiter zu erzählen, Anna?"
Sie senkte erröthend die Augen, der Landkammerrath aber fuhr mit tieferer Stimme
fort:
„Kind, laß mich das Ende hinzusetzen, das nicht schwer zu errathen istl — AuSWaldemar, Deinem ehemaligen Kindheitsgenossen, ist ein Graf Steinhorst geworden, derauf seine Güter zurückgekehrt ist, meine Enkelin liebt, und den sie wieder liebt, alleinseine Großmutter will keine Verbindung mit dein bürgerlichen Mädchen gestatten!"
Anna war noch tiefer erröthet, blickte aber den Landkammerrath offen und zuver-sichtlich an und erwiderte:
„Es ist wie Du sagst, Großvater, doch wird sie es dennoch thun. GroßvaterKohring will ihr meinen wahren Namen nennen, und gedenkt dadurch ihre Zustimmungzu erlangen, denn ohne diese will auch er unsere Verbindung nicht gestatten!"
„So stehen also die Dinge", entgegnete nachdenklich der Schloßherr, und konntein seinen, Herzen dein Förster seinen Beifall nicht versagen. „Wie wäre es, wenn ichan die Gräfin schriebe, denn ohne ihren Enkel gibt es auf Erden wohl kein Glück fürDich?" —
Anna senkte den Blick, erhob ihn aber nach einigen Sekunden wieder und sagte inbittendem Ton:
„Großvater, überlasse Alles meinem Großvater Kohring, der vielleicht schon jetztmit der Gräfin gesprochen und auf dem Wege hierher ist!"
„Er will also kommen?" fragte schnell der Landkammerrath.
„Er wäre gekommen, Großvater, auch wenn Du mich nicht eingeladen hättest, ummeinetwillen, um mein Glück wollte er die Reise unternehmen!"
„So werde ich denn auch ihn nach so langen Jahren wiedersehen!" sagte sinnendder greise Schloßherr, fügte aber alsbald lebhafter hinzu: „Anna, Du mußt hier sogleichals meine Enkelin auftrete», denn ich kann und werde nicht zugeben, daß vielleicht meineLeute Dich erkennen, und ich irgend eine Frage oder Andeutung ihrerseits erfahren müßte.Meine älteren Diener kennen die früheren Familienereignisse zur Genüge, und die jüngerenhaben von ihnen davon gehört — doch genug davon! — Schreibe Deinem GroßvaterKohring, was sich hier zugetragen, lade ihn wie auch Deine Tante in meinem Namenein-"
„Ich werde noch heute den Brief besorgen, Großvater", unterbrach Anna, die fast