Ausgabe 
(15.8.1883) 65
 
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Ängsluirger Poßjeitmlg."

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§?r. 65» Mittwoch, 15 . August 1883.

Zur Eintracht" oderSchuld und Sühne."

Nacherzählt von F. Carneville.

(Fortsetzung.)

Trotz alt' diesen Kümmernissen war Seppli doch emsig an seinen Arbeiten und suchteden Seinigen zu verbergen» welche Sorgen für die Zukunft auf ihm lasteten; aber seingutes Weib entdeckte in ihrer Sorgsamkeit für ihn alsbald, was ihn so unbarmherzigguälte und seitdem sie ihn unglücklich wußte, hatte das Leben keinen Reiz mehr für sie.In der Stille der Nächte bat sie den lieben Gott» er möge ihnen beistehen und dasGewitter abwenden, das über ihren Häuptern stand.

Seppli sagte oft, wenn er das Opfer einer neuen Falschheit seines Bruders war:wenn ich nur einen Erdenwinkel wüßte, wo ich in Frieden leben könnte, ich würdegerne Alles verlassen und von dannen ziehen; denn wenn er auch endlich zahlt, so wirder sicherlich auf andere Mittel sinnen, mir neuen Kummer zu schassen .... und einandermal fügte er bei:könnte nicht dieses Haus in der Nacht einmal von einemBrande heimgesuchr werden, wie das andere und was wären wir dann? . .

Marie wurde auf diese Rede vom größten Schrecken erfaßt und ihre kleine Handauf seinen Mund legend, sagte sie:Mein Gott, lieber Mann, denke doch nicht an so,Fürchterliches, oder wenn diese Gedanken nicht unterdrücken kannst, so spreche sie minde«stens nicht aus! wenn Du Lust hast wo andershin zu ziehen «... und daß esGottes Wille wäre, ich würde Dir ja gerne bis an's Ende der Welt folgen, wenn wirdamit den Frieden uns erkaufen könnten, denn hier .... ich glaub' es selbst, werdenwir ihn vergebens suchenI"

Diese so liebevollen und ergebenen Worte Marien's machten sein Herz beben underweckte Gedanken in ihm, denen er noch nie so ernstlich nachgehangen hatte; von da ankam er oft auf die zahlreichen Auswanderungen nach Amerika zu sprechen und seine Franverrieth nun wohl, warum er an allen Nachrichten aus diesen entfernten Landen, ein soreges Interesse nahm. Es war just die Zeit, wo das Auswanderungsfieber, das ineinem großen Theile der Schweiz herrschte, auch in die stillen Thäler Unterwalden's ein«zudringen anfing. Schon mehrere Einwohner des Kanton's, von der Lust nach Ver-änderung und Abenteuern getrieben, hatten ihre Heimath verlassen, wo sie eine ganz er-,trägliche Existenz hatten, um dengroßen See" zu überschreiten, unter welchem Aus-drucke man dem Volke die Gefahren verbergen wollte, die eine Ueberfahrt über's Meervon mehreren Monaten mit sich bringen mußte. Es ist begreiflich, daß Seppli» für dendas Leben so bitter geworden war, bald auch von dem lebhasten Wunsche erfaßt wurde»sich dort eine neue Heimath zu suchen. Tiefbetrübt sah Mariele, daß diese Gedankentäglich der Erfüllung näher kamen und daß sie wohl bald ihre, ihr so theuer gewordeneGeburtsstätte, wo sie geliebt und gelitten hatte, werde verlassen müssen, um in ein fernes,unbekanntes Land zu ziehen. Aber trotz der Thränen, die sie Nachts darüber ver-gossen, zeigte sie des Morgens ein heiteres Gesicht, um ihren geliebten Mann, der durchdiese Erwartungen, seit einiger Zeit ivieder dem Leben geschenkt schien, nicht zu betrüben,