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Nr. 68.
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Samstag, 25. August
1883.
Der Schloßherr von Hnineck.
Novelle von Joseph Grineau.
(Nachdruck Verboten.)
Schloß Haineck ist ein weit ausgedehnter, stattlicher Herrensitz. Es liegt auf einermäßigen Hochfläche, abseits von der Verkehrstraße, von welcher eine lange und schnür»grade Allee hochschüssiger Pappeln abbiegt und nach dem Schlosse führt.
Eine umfangreiche Blauer zieht sich darum und scheidet von den anschließendenAckerfeldern Schloß und Park ab. Und eS ist dies ein prächtiger Park, voll tiefgrünerEinsamkeit und wildkrästigcr urwüchsiger Waldnatur, der unter seinen hochstämmigen grau-bemoosten Baumriesen die vollendetsten Exemplare der deutschen Waldbäume ausweist undin seinem Schatten tiefe, stille Weiher birgt, in denen sich Schilf und Binsen und über-hängende Tannenzweige spiegeln.
Das Schloß ist ein imposanter Prachtbau, in einem Style erbaut, der den Ueber-gang von der Renaissance zum Barockstil zeigt. Die stolze Fayade trägt reichen architek-tonische» Schmuck, ohne jedoch damit überladen zu sein; sie ist frei von allen den ge-schmacklosen Ausschreitungen, die fast als ein Charakteristicum jener Periode der Bau-kunst gelten.
Sonnige, heitere Tage und glanzvolle Feste sind einst an Schloß Haineck vorübergerauscht, als noch seine, stets heiterein Lebensgenüsse huldigenden Besitzer ihren festenWohnsitz da hatten.
Doch anders war es zu Beginn unserer Geschichte« Verhallt und verklungen warendie Töne, und traumhafte Stille lagerte auf dem einsamen Schlosse, in dem der gegen»wältige Besitzer, der junge Freiherr Rudolf von Haineck, der Einzige seines Stammesso selten weilte.
Nur einmal im Jahre, wenn Maler Herbst mit seinem farbengesättigten Pinselden Park streifte und den reichen Blätterschmuck in schillernde Gold- und Scharlachtintentaucht, dann erklang das Hüsthorn im weiten Schloßhofe und sein schmetternder Rufweckte wie mit Zauberinacht ein buntbewegtes, lärmendes Treiben. '
Der Schloßherr kam dann mit einem ansehnlichen Gefolge jugendfroher Genossen,die mit ihm die Lust und Wonne des edlen Waidwerkes theilen wollten. Und wie einstin entschwundener Vergangenheit tönten die stolzen Hallen wieder von fröhlichen Klängen,'und neues, lusterfülltes Leben zog hinein!
Doch nur wenige Wochen — und die lärmenden Gäste verschwanden, wie sie ge-kommen.
Stille ward es wieder, traumhaft still! —
Und langsam kam dann der Winter herangeschritten und breitete sein weißglänzendesLeichentuch über Schloß und Park, und sie ruhten versunken darin wie in tiefem märchen-haften Zauberschlaf. ,
Der wackere Castellan , dem der Schnee des Alters so glänzend vom Haupte leuchtete^