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Ableigebäude. Auf einer Anhöhe schaut aus Bäumen der Thurm der Dorfkirche herausAm jenseitigen Ufer spiegelt sich das freundliche Dörfchen „Erlbach" im Main .
Die Mönche der Abtei Neustavt waren die Pioniere der Kulturentwicklung inOstsranken.
Unter den Männern, die sicy von der kakedonischen Halbinsel bis zum hl. Boni- .facius, dem Apostel der Deutschen, begaben, befand sich auch der Burkard. Dieser zogmit einigen gottbegeisterter Gehülfen nach dem heidnischen Ostfranken, um dort die Leuchtedes Christenthums anzuzünden. Im Waldesdickicht des Spessarts am Lohrbache. dort,wo jetzt der „Einsiedlerhof" steht, ließ er im Jahre 732 einige Zellen bauen und begannvon hier das Werk der Mission. Pipin „der Kurze" räumte sväter den Misnonairens in von da l'/z Stunden entferntes, am Main gelegenes Jagdschloß Nohrlaha zurWohnung ein.
Bin Karl dem Großen unterstützt, erbauten sie hier im Jahre 790 die großeBenediktinerabtei Neustadt. Die Mönche zoaen junge Eingeborene an sich und bildetensie zu Lehrern aus, die sie in das Land hinausschickten, nicht nur zur Ausbreitung desChristenthums und zur Milderung der rohen heidnischen Sitten, sondern auch um dasVolk zu unterrichten und um ihm Anleitung zu geben zur Urbarmachung und besserenBebauung des Bodens. Im Jahre 1803 wurde das Kloster säkularisirt, und seinegroßen Güter wurden dem Fürsten Löwenstein-Weitheim-Rosenbcrg übergeben. Dieserrestaurirte die schöne, im Nundbogenstyl erbaute Abteikirche und legte auch einen Parkan, der sich von hier bis „Rothenfels", der dritten Station, erstreckt. Auf steilen Roth -sandsteinfelsen ragt das Schloß „Rothenfels" mit seinen Thürmen über den mit Ring-mauern umgebenen Marktflecken empor und schaut hinüber nach dem am linken Uferliegenden Dorfe „Zimmern". Die Umgegend hat eine üppige Vegetation; allenthalbengrüne Wiesen, Aehrenfelder, Obstgärten, da und dort Nebengelände rc. Von hier werdenviele Buntsandsteinplatten ausgeführt. Das alte Bergschloß wurde 1148 von Marquardv. Grumbach, dem Schirmvogt der Abtei Neustadt, erbaut. Da Grumbach die Mönchefurchtbar tyrannisirte, belehnte das Hochstift Würzburg die Grafen von Nieneck mit Nothen-fels und der Schirmvogtci Neustadt. Im Jahre 1631 wurde die Burg von den Schweden zerstört. Von ihr ist nur noch ein viereckiger Thurm und ein Mauerfragment vorhanden.Das neue Schloß hat das Hochstift im Jahre 1751 erbaut. Bis zur neuen Gerichts-orgauisation befand sich in ihm das königlich bayerische Landgericht. — Stromabwärtsnimmt die Gegend wieder mehr den ernsten Waldcharakter an. Hier wird der Pfiff unddas Brausen der vorüberrollenden Lokomotive von den Bergen zurückgeworfen; mehrfacheEcho's beinerkte ich auch weiter unten an Stellen, wo die Berge nahe an das Gestadetraten. Wir kommen zur vierten Station Hafenlohr . Das Dorf breitet sich mit seinenHäusern am rechten Ufer aus. Als ich hier im Juni vorüberfnhr, waren alle Häuserbeflaggt und mit grünen Eichlaubkränzen geschmückt. Der auf der Firmungsreise be-griffene Bischof von Würzburg wurde hier erwartet. In Hafenlohr stürzt sich derWaldbach „Hafenlohr" in den Main , auf ihm wird das Holz von den Bergen herab-geflößt. Die Höhen des ernsten Hafenlohrthals tragen die schönsten Waldungen desSpessarts, den Kern der Eichenvegetation; in den Bergfalten dort gelangt die Eiche zurherrlichsten Entwickelung. Hafenlohr ist der Stapelplatz des fürstlich Löwenstein'schenHolzes. Von hier werden jährlich etwa 24,000 Stere Brennholz und viele große Eich-stümme, sogenannte Holländerstämme, zum Schiff- und Brückenbau ausgeführt. Auf demlinken Ufer wurde im Dezember 1224 eine blutige Schlacht ausgekochten zwischen demaufständischen altfränkischen Adel einerseits und den Mannen der Bischöfe von Würzburg und Mainz andererseits. Die Leichen von 13 altfränkischen Grafen und von vielenRittern aus den edelsten ältesten Geschlechtern bedeckten die Wahlstatt. Die Erinnerungan diese „Mordschlacht" haftet noch im Volke; in stürmischen Dezember-Nächten willman Waffengeklirr, Stöhnen und Jammertöne hören, welche der Wind über den Main herübertrage. Die fünfte Haltestation ist „Markthcidenfeld". Das Handel- und gewerbe-