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treibende Städtchen liegt aber am linken Ufer. Eine schöne rothsandsteinerne Brücke mitsieben stattlichen Bogen führt zu ihn, hinüber.
Etwas unterhalb Marktheidenscld erblicken wir bereits in der Ferne am rechtenUfer auf einem vorspringenden hohen Berge aus den Bäumen Thürme und weiße Ge-bäude emporragen. Dies ist die ehemalige Augustiner Propstei „Tiefenstein". Leiderfährt der Eisenbahnzug an diesem schönen Punkt vorüber, ohne anzuhalten. Die Propstei-gedäude sind mit herrlichen parkartigen Anlagen umgeben, die sich bis an das Gestadehinab erstrecken. Gegenüber am linken Ufer erscheint der große Marktflecken „Lengfurt ",sich anlehnend an einen ganz mit Nebengeländen bedeckten Berg. Die im Jahre 1102gegründete Probstei wurde 1803 fäkularisirt und dem fürstlichen Hause Löwenstein-Wert-Heim-Freudenberg überlassen. Der im Jahre 1852 verstorbene kunstsinnige Fürst CarlFriedrich wandelte das Kloster in ein Schloß um und verlegte hierher seine Residenz.Er war der Schöpfer des so schöne Partieen enthaltenden Parks. Fürst Wilhelm hatein Palais in Karlsruhe, bringt aber meist die Sommermonate in Triefenstein zu. Diehochgelegene Schstoßterrasse gewährt eine freie, herrliche Umschau. Ein Saal des Schlossesenthält interessante alle Gobelintapeten; auf den mit der Hand gefertigten Blldern(Darstellungen aus dem alten Testament) treten die Gestalten plastisch und »och immerfarbenfnsch hervor. Die im Rococostyl erbaute Klosterkirche ist mit guten Al-Fresko-Deckengemälden geschmückt. Bon Lengfurt ziehen auf beiden Ufern rebengrüne Bergestundenlang stromabwärts. Auf steilen Kalksteinfelsen des linken Ufers wächst der be-rühmte „Kaimut", welcher in guten Jahrgängen an Blume und Feuer den spanischenWeinen ähnelt.
Wir kommen nun zur sechsten Station „Trennfeld ". Das Dorf liegt malerischdicht am rechten Ufer; gegenüber am linken Ufer ragt über dem Städtchen Homburg in schwindclnver Höhe auf einem grotesken Tuffsteinfelsen das alte Bergschloß „Hohen-burg" empor. Von der karolingischen Beste steht nur noch ein Theil der Ringmauerund ein Thurmsockel; die neue Beste und die in ihr stehenden Häuser wurden vomHochstifte Würzburg aufgeführt. In den'. Tuffsteinfelsen finden sich viele Höhlen undladhrinthische Gänge vor. Pipin der Kurze hatte dem hl. Burkard (seit 742 Bischofvon Würzburg) für seine Missionäre auch in Homburg einige Häuser eingeräumt. Aufeiner Reise von Würzburg nach Homburg im Jahr 753 erkrankte Burkard und starb ineiner jenen Höhlen, welche dann zu seinem Andenken in eine Kapelle umgewandelt wurde.
Unterhalb Homburg wendet sich, der Main mehr nach Westen. In dem Bestreben,die ihm im Wege stehenden Hindernisse zu beseitigen, hat er dort die äußeren Bedeckungender linksseitigen Uferhöhcu abgenagt, so daß die weiße Kalkformation zu Tage tritt,welche gegen die hellgrünen Wiesen und Nebengelände und die fernen dunkelen Waldbergegrell absticht. Bei dem Dorfe „Bettiugen" am linken Ufer beginnt das badische Gebiet.Hier macht der Main eine beinahe 2 Stunden lange Krümmung, die einen schroff indie Höhe steigenden, von der Sohle bis zum Gipfel dicht bewaldeten Berg von 3 Seitenumschließt, eine Art Landzunge bildet. Den Gipfel des Berges umgibt ein ringförmigerGraben, hinter welchen, sich ein Erdmall befindet — sicher eine allemannische Grenzwehrgegen das Vordringen der Römer. Vom Volke hat sie den Namen „Wetterburg " auch„Wettenburg" erhalten. Gräben und Wälle ohne jede Spur von Mauerwerk waren fürdas Volk ein geheimnißvolles Räthsel, dessen Lösung die Sage übernahm: Dort obenstand ehedem eine stattliche Ritterburg, welche wegen der grausamen Behandlungen derArmen seitens der Burgfrau während eines UngewitterS unter Donner und Blitz plötzlichin die Tiefe des Berges versank.
Bei dem badischen Dorfe „Eichel" vollendet der Main seine Krümmung und strömtdann in einem Bogen Wertheim zu. Auf dem rechten Ufer erstrecken sich die Weinbergebis nach Kreuzwertheim. Bettingen fast gegenüber durchbohrt ein Tunnel den im Wegstehenden Berg. Bei der bald erreichten siebenten bayerischen Station „Kreuzwertheim "geht die Bahn wieder durch einen Tunnel, gelangt, nachdem sie auf einer Brücke den