Ausgabe 
(8.9.1883) 72
 
Einzelbild herunterladen

der Herrmann das-das ist- ein Edelmann --ist ein

Bastard der-der- der-" und Devrient stotterte hin und her

und suchte nach Worten für die Charakterzeichnung des Herrmann und fand sie nicht,bis er endlich ärgerlich über sich selbst und seinen mißlingenden Denkversuch und Ge-dankenausdruck, die Sache beim rechten Ende anpackte und ausrief:E was! da kommenSie 'mal her, ich will Ihnen zeigen, wie ich mir den Herrmann denke" und nunspielte Devrient mit einer Meisterschaft, mit einer Wahrheit dem jungen Schauspieler vor,so daß derselbe keines weiteren Kommentars bedurfte, um sofort das Richtige nach demvortrefflichen Original zu kopiren. Je mächtiger dieses dem Schauspieler angeboreneGenie zum Durchbruch kommt, um so eher ist man geneigt, ihn alsdenkenden" Künstlerzu bezeichne», während wirkliche Denker unter den Schauspielern nur in seltenen Fällenden NamenKünstler" verdienen.

Dem talentvollen, dem genialen Schauspieler strömen unbewußt beim Lernen derRolle die richtigen Gedanken und Gefühle in die begeisterte Seele, und ist er erst derWorte Herr, die ihm der Dichter vorschreibt, so ist auch der Charakter der darzustellendenPerson fertig gebildet, an welchem als abgerundetes Ganzes nicht mehr gerüttelt wird.Mit Sicherheit bleibt er während der Darstellung auf der Höhe der Situation, und dievon dem Genie unzertrennliche» durch das schaffende Genie stets gesteigerte Geistesgegen-wart läßt ihn nicht aus der Fassung kommen, auch wenn unvorhergesehene, unzuberech«nende Zufälle dem Zauber des flüchtigen Gebildes hemmend oder störend in den Wegzu treten drohen. Jener Schauspieler aber, der durch ermattendes Denken den mehroder minder fühlbaren Mangel des genialen Schaffens ersetzen muß, der den Spiegel zuHilfe nehmen muß, um seine Bewegungen und Gebilden dem gesprochenen Worts an-zupassen, der bleibt in der Regel während der Darstellung selbst nur der Dolmetsch eineshauspackenen Verständnisses, seine Leistung bietet gewöhnlich nur eine Reihe einzelnererzwungener Aeußerlichkeiten, die den Zuschauer nicht zu erwärmen vermögen.

Gol-körner.

Des Menschen GedichtWird oft zu nicht';

Uns bleckt das Denken,

Gott hat das Lenken;

Wenn's Menschen greifen aus's Klügste an,

Geht Gott doch oft eine andere Bahn!

Das Muß ist eine harte Nuß,

Sie aufzuknacken macht Aerdrnß;

Doch ist's gescheh'n, ichmeckt gut der Kern;

D'rum knack auch solche Nüsse gern!

Hans Allerlei weiß mancherlei,

Darfst ihn um Alles fragen.

Aber das Rechte weiß er nicht zu sagen.

Gott weiß, was gebricht,

Eh' man ein Wörtlcin spricht.

Laß dir genügen,

Wie es Gott will fügen!

Lesen und nicht versteh'»

Ist ein halbes Müßiggeh'n.

Wer nüt dem Kovf will oben aus,

Der bringt viel Schaden und richtet nichts aus.

Mancher baut ein Haus,

Und muß zuerst hinaus.

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler..