Nr. 80.
1883.
zur
„Ängslmrger PostMrmg."
Samstag, 6. Oktober
Der Opalrrng.
Noman aus dem Englischen von E. C(Fortsetzung.)
Von Innen wurde laut „Herein" gerufen, aber Mr. Niggs zögerte, dieser Ein-ladung zu folgen, da er beim Oeffncn gewahrte, daß St. Lawrence sich nicht alleinbefand. Douglas war seiner täglichen Gewohnheit gemäß kurz vorher zu einem Plauder-stündchen dorthin gekommen; denn die beiden jungen Künstler waren, trotz oder vielleichtgerade wegen der großen Verschiedenheit ihrer Charaktere sehr intime Freunde.
„Treten Sie nur ein, Mr. Niggs", sagte St. Lawrence; „dieser ist mein Freund,Mr. Douglas, vor dem ich gar kein Geheimniß besitze. Sie mögen immerhin allesberichten, was Sie in Erfahrung gebracht haben. Ich hatte Dir ja mitgetheilt, Douglas ,daß ich meine Angelegenheit der Polizei übergeben habe; Mr. Niggs hat nun die Auf-gabe übernommen, mir zu meinem Rechte zu verhelfen, wenn dies überhaupt in derMacht des Menschen liegt. Haben Sie mir etwas Besonderes zu sagen, Niggs?"
„Nein, Sir, das kann ich gerade nicht behaupten", erwiderte dieser, sich mit seinen»blauen Taschentuche durch's Gesicht fahrend, „wenigstens möchte ich nicht gerne jetzt schonetwas sagen. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, Mr. St. Lawrence."
„Schon gut, Niggs. Nehmen Sie einen kleinen Cognac?"
„Da habe ich nichts dagegen einzuwenden, es ist kalt draußen. Man hat michMit einem ähnlichen Falle beauftragt", vertraute Mr. Niggs den beiden jungen Herrenan und erzählte ihnen dann die Geschichte des Opalringes. „Dalton? Was für Dalton?"frug Douglas , da Niggs inne hielt, um einen Schluck zu nehmen.
„Von Joy Cottage — eine Wittwe mit zwei Töchtern, erklärte er, abermals einenZug thuend. „Ich bin heute besonders in der Mficht hierher gekommen, Mr. St.Lawrence", fuhr der Geheimpolizist fort, „um Ihnen das Versprechen abzunehmen, daßSie sich, was sich auch immer ereignen möge, doch in keiner Weise blosstellen wollenund gegen Niemanden ein Wort von dem, was Sie wissen, laut werden lassen. Es isteine verwickelte Geschichte, und deshalb erheischt sie doppelt vorsichtige Behandlung. Wennwir uns in die Karten sehen lassen, so haben wir verloren. Das mag Ihnen zuZeiten schwer fallen, Sir, aber wenn ich Ihr Versprechen habe, so weiß ich, daß Siees so treu wie einen Eidschwnr halten werden."
St. Lawrence dachte einige Augenblicke nach, dann sagte er:
„Ich sehe keinen Grund, weshalb ich mich weigern sollte, auf Ihren Wunsch ein-zugehen, denn ich vertraue Ihnen vollständig, sowohl wegen dessen, was ich von Ihnengehört, als auch, was ich persönlich erfahren habe."
„Vielen Dank, Sir, entgegnete Niggs, sein Glas leerend. „Wir dürfen durchauskeine Unbesonnenheit begehen. Wenn dieser junge Herr Ihr volles Vertrauen besitzt, sowird er gewiß auch bereitwillig dasselbe Versprechen ablegen."