Ausgabe 
(6.10.1883) 80
 
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Podagra belästigt zu werden und um dem völligen Ausbruche dieses Uebels vorzubeugen,mußte er die ersten Symptome der Krankheit sofort im Keime ersticken. Aus diesemGrunde war er gezwungen, das Wiedersehen bis Montag hinauszuschieben.

Sein Zustand hatte sich bis dahin gebessert, und so fuhr er nach London , wo erseine Wohnung gegen ein Uhr erreichte und den Rechtsanwalt, ihn dort erwartend, fand.

Der Earl begrüßte ihn freundlich und seine Hand drückend sagte er:

Ich bin überzeugt, daß Sie mir von Herzen gratuliren, mein guter Freund. Siewissen, was ich Alles durchgemacht habe, wie einsam und verlassen mein Leben ver-flossen ist, und jetzt hat mir der gütige Himmel das Glück bescheert, noch in meinenalten Tagen einen Sohn meines Hauses an's Herz drücken zu können."

Mr. Thomson räusperte sich verlegen, als ob er nicht recht wisse, was er ant-worten solle.

Gewiß gratulire ich Ihnen, Mylotd. Mr. Sedley oder Faucourt, wie wir ihnjetzt nennen müssen, ist noch ein junger Mann, deshalb darf man wohl voraussetzen, erwerde sich die Sitten und das Benehmen der Gesellschaft, mit welcher er in der Zu-kunft verkehren wird, aneignen. Seine mangelhafte Erziehung darf uns nicht in Er-staunen setzen."

Der Ton, mit welchem Mr. Thomson dies sagte, erweckte Lord Alphington'sBesorguiß.

Mangelhafte Erziehung?" wiederholte er.Ich meine doch gehört zu haben»daß mein Enkel in dem Jale-Collcgium seine Studien absolvirte und seitdem auf Reisengewesen ist. Er muß also doch ein gebildeter Mensch sein."

Mr. Thomson hustete abermals.

Wie ich glaube, besuchte er die Anstalt und wenn ich von mangelhafter Erziehungsprach, so wollte ich damit nicht sagen, daß er gerade unwissend sei. Er schreibt einenguten Brief, aber was Sie mit Reisen bezeichnen, Mylord, möchte ich schon eher in derWelt herumbummeln nennen."

Sie erschrecken mich; ich muß aus Ihrem Benehmen schließen, daß er Ihr Miß-fallen erregt hat. Bitte sprechen Sie sich aus; es ist besser, daß ich es weiß, wie sehres mich auch betrüben mag."

In der That, Mylord, Sie fassen meine Worte ernster auf, wie ich beabsichtigte;ich weiß durchaus Nichts gegen Mr. Faucourt, kann aber nicht leugnen, daß ich mich, daich seinen Vater kannte, sehr enttäuscht gefühlt habe. Das ist Alles, ich versichere esIhnen."

So, ist er seinem Vater nicht ähnlich?" frug Lord Alphington, mit einem Seufzerdas Porträt eines schönen, anziehenden jungen Mannes anblickend, welches im Bibliothek-zimmer hing, wo sie sich befanden.

Nicht im Mindesten, vielleicht gleicht er seiner Mutter."

Der Earl seufzte tief.

Seine äußere Erscheinung darf uns nicht parteiisch machen", sagte er dann.Ichhatte so gehofft, es würde eine Aehnlichkeit vorhanden sein, aber ich lernte schon langemeinen Hoffnungen entsagen. Lassen Sie uns jetzt unsere Geschäfte abmachen, die Zeitdrängt."

Mr. Thomson begann nun alle die Beweise, welche ihm übergeben worden, vorLord Alphington auszubreiten; es waren eine Menge Papiere, trotzdem las der alteHerr sie alle aufmerksam durch.Es unterliegt keinem Zweifel, daß sie echt sind", sagteer, jedoch klang seine Stimme nicht mehr so freudig, wie bei der ersten Begrüßung desRechtsanwaltes.Wie sehr wünschte ich, dies alles wäre vor Jahren bekannt geworden,damit ich die Vormundschaft über den Knaben gehabt hätte! Es ist freilich jetzt nutzlos,das Vergangene zu beklagen. Der Opalring ist das einzig Fehlende", fügte er, einArmband betrachtend, hinzu.Sagte Ihnen Faucourt, wie er ihn verloren?"