Ausgabe 
(6.10.1883) 80
 
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Er sprach davon, daß er von einem Diener bestohlen worden sei", entgcgneteMr. Thomson. Ich habe Ihrem Auftrage gemäß die Sache einem Geheimpolizistenübergeben einem sehr gewandten Burschen, welcher schon mehrere derartige Fällemit großem Geschick verfolgt hat. Wenn etwas herauszubringen ist, so ist Niggs derrechte Mann dazn."

Lord Alphington war eben im Begriffe, zu antworten, als die Zimmcrthür ge-öffnet und Mr. Faucourt angemeldet wurde.

Der alte Herr erhob sich hastig; seine Züge verriethen ängstliche Spannung. Ebenwollte er dem Manne, welcher eintrat, entgegeneilen, doch plötzlich blieb er stehen; dieLebhaftigkeit seines Benehmens verwandelte sich in stolze Zurückhaltung und Kälte.

Faucourt, dessen äußere Erscheinung dieselbe war, wie bei seinem Besuche zu JohCottage, näherte sich mit halb knechtischer, halb anmaßender Höflichkeit.

Mr. Thomson, welcher glaubte, der Earl befinde sich im Zweifel, erhob sich eben-falls indem er sagte:

Erlauben Sie mir, Lord Alphington, Ihnen Ihren Enkel vorzustellen." DerEarl winkte abwehrend mit der Hand.Ich weiß schon; Sie haben mir durch diePapiere bewiesen, daß dies Faucourt's Sohn ist und als solcher werde ich ihm Gerechtig-keit wiederfahren lassen. Setzen Sie sich, junger Mann", fügte er zum ersten Malediesen anredend, hinzu; er selbst nahm seinen früheren Platz wieder ein. Fancourt fühltesich eingeschüchtert; es war ihm äußerst unbehaglich zu Muthe, dennoch versuchte er einesorglose Miene aufzusetzen.

(Fortsetzung folgt.)

Rechte Blüthe.

Soll Dir das Leben recht erblühen.So gieb Dich ganz in Gottes Hand;Vom Morgen- bis zum AbcndglühenSei ihm anbetend zugewandt.

Das Leben hat der Blüthen viele,

Wonach die Hand begierig langt,

Doch vor der Nacht hängt welk am Stiele,Was in der Frühe hell erprangt.

Es liegt der Eine Ton zu GrundeJedwedem Liede, das man sang^:

Für Jeden kommt die schwere StundeUnd aller Blüthen Untergang.

Ein Thor, wer au die flücht'gcu FreudenDes Lebens seine Seele hängt,

Und wer die Schätze wird vergeuden,

Die er im Leiden mild empfängt.

Doch wer sich ganz dem Herrn ergeben,

Dem gehen aus der Dornen HanfFür dies und für ein besser Leben

Die allerschönstcn Rosen auf. L. v. Heenrstcdc.

Peter v. Cornelius.

Am 23. September waren es hundert Jahre, daß der größte Meister der neuerendeutschen Malerei in dem kunstreichen Düsseldorf das Licht der Welt erblickte. Prote-stantische, liberale und jüdische Blätter und Zeitschriften haben seiner an diesem Tagemit Lob gedacht; da dürfen auch wir des großen Mannes nicht vergessen, der mitseinem Bekenntniß, seinem Leben und seiner Kunst voll und ganz zu uns gehörte.Freilich geben die Gegner sich die Mühe, das specifisch Katholische von Cornelius undseinen Werken abzustreifen und ihn, wie z. B. diePost" es versucht, zu einem derIhrigen zurechnen. Aber das ist Verlorne Liebesmühe! Es sind so viele kräftige Zeug-nisse und auch noch so viele redende Zeugen vorhanden, welche die Katholicität desgroßen Mannes laut beweisen, daß die gegentheiligen Versuche elend scheitern müssen.

Peter Cornelius zeigte schon als Kind große Vorliebe und ein auffallendes Talentfür die Kunst. Als einst dem Knaben ein Goldstück und ein Stück Kreide zum Aus-wählen dargeboten wurde, griff er sogleich zur Kreide, um damit Figuren zu zeichnen.