Ausgabe 
(6.10.1883) 80
 
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Er erinnerte sich später selber noch dieser Scene und meinte:Der liebe Gott hat nuneinmal einen Maler aus mir machen wollen." Seine erste Ausbildung bekam er aufder Düsseldorfer Akademie. Da starb in seinen: sechzehnten Jahre der Bmer, undPeter mußte mit seiner jungen Knust die Mutter und seine Geschwister ernähren. DieBegeisterung für seine liebe Kunst und das Vertrauen auf den gütigen Himmel hieltihn aufrecht in dieser schlimmen Zeit:Vater im Himmel", so betete er damals,erhöremein Gebet. Ich stehe nicht nur eitel Geld und welkenden Lorbeer, nicht vornber-ranschcnde Freuden der Sinne sind mein Wunsch. Aber im Staube bitte ich Dich,o Herr! Laß nicht siegen den Staub über Deinen Geist! Hemme die große That nichtin ihrem Beginnen. So schufst Du dies Herz, nach himmlischen Thaten sich sehnend."

Nach seiner Mutter Tod kam Cornelius nach Frankfurt a. M., von dort führteihn die Sehnsucht nach dem gelobten Lande der Künstler, nach Italien . In Nom schloßer sich dein Kreise edler Freunde an, an deren Spitze der katholisch gewordene frommeOVerb eck stand, und die vor allem die Pflege der christlichen Kunst sich znr Lebens-aufgabe gestellt hatten. Hier !m Centrum der katholischen Welt, in dem befruchtendenKreise edler gleichgesinntcr Freunde gestaltete sich des jungen Cornelius Kunst zu derecht christlichen, christlich-katholischen, wie wir sie an seinen späteren Schöpfungen bewundern.Die Freundschaft mit dem trefflichen preußischen Gesandten, Niebnhr verschaffte ihn:1820 die Stelle als Director der Akademie in seiner Vaterstadt. 182-1 siedelte er ingleicher Eigenschaft nach München über, wo er den grandiosen Cyclus von Bildern inChor und Querschiff der Lndwigskirche schuf, welche den christlichen Jdcenkrcis von derWeltschöpfnng bis zum jüngsten Gericht darstellen.

In: Jahre 1811 berief ihn der kunstsinnige König Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin. Das protestantische Berlin mit den Knnstakadcmikern, deren Treiben ihn:über alles verhaßt war, sagte ihn: wenig zu, um so mehr hielt er sich an einen engerenKreis trefflicher katholischer Freunde, und lebte im Ucbrigen unbehindert in stets frischerJugcndbcgeistcrung seiner heiligen Kunst. Im Auftrage des Königs sollte er den Oninzn)oanto, die Fürstcngruft ausmalen; aber nur die Entwürfe zu schaffen war ihn: ver-gönnt. Diese jedoch sind auch für sich allein vollendete Kunstschöpfnngcn von mächtigergreifender, erhabener Schönheit. Sie behandele!: das große christliche Epos, die Er-lösung der Menschheit von der Sünde durch Christi Leben, Lehre und Tod, die Wirk-samkeit seiner Kirche in der fortgesetzte:: Entsündignng der Welt, die letzten Dinge unddie Auferstehung zu einen: ewigen Leben. Damit setzte er seiner Thätigkeit die Kroneauf. So war von: Anfang bis zum Ende seine Kunst keusch, christlich, heilig; er hatwie ein Prediger der Wahrheit in seinen Kunstwerken seine mächtige Stimme erschalle!:lasse!:, und sie ist nicht unerhört verklungen. Jetzt gilt er als der Altmeister der wieder-erwcckten edlen deutsche!: Knifft, und alle ohne Ausnahme preisen seinen Namen.

Wir freuen uns mit Recht, einen solchen Mann zu den Unserigen zählen zukönnen, der nicht blos in seiner Kunst, sondern in: Leben wie in: Tode christlich, treu-katholisch war. Seii: letzter höchster Trost auf dieser Welt war Christus in der heil.Communion, sein letztes Wort hieß:Beten!" Was er im Leben gelernt und geübt,das vollführte er nun am Ende seiner Tage, die schwerste Kunst:Selig zu sterben."Er verschied an: 6. März 1867 im hohen Alter von 81 Jahren, reich an Ruhm undEhren bei den Menschen, an Verdienst und Gnaden, wie wir hoffen, bei Gott den: Herrn.Konnte er doch in Wahrheit von sich sagen:

Die Kunst hab' ich gcliebet,

Die Kunst hab' ich geübetMein Leben lang.

Die Künste hab' ich verachtet,

Nach Wahrheit stets gewuchtet

D'ruin wird mir nicht bang."