Ausgabe 
(6.10.1883) 80
 
Einzelbild herunterladen

Die Türken vor Wien .

Gedicht von Kaoio; aus dem Kroatischen imVersmaße des Originals übersetzt von HannsMetzle r.

(Fortsetzung.)

36. Doch es fand in Wien sich ein Verräther;Dieser bringt dem Tetschclija Kunde:Während Du das Morgenroth verschlafen.Ist Dein Feind, der Kaiser, ausgeflogen."

37. Dieser kaum hat er das Wort ver-

nommen

Schwingt sich auf den starken, feur'genRenner

Und verfolgt in wilder Hast den Kaiser.Jener ist jedoch schon längst geborgen.

39. Ueber grüne Hügel floh der Kaiser,

Fand rm treuen Linz dann kurze RuheVon der Prüfung, die das Reisen brachteVom Gebirge stürmt ein Haus' von Strolchen,

39. Nimmt ihm Alles, was von Silber glänzte,Und die gold'nen Trinkpokale alle;

Nimmt, mit diesem nicht zufrieden,

Selbst des Kaisers hochgeweihte Rüstung. '°)

40. Dort verlebt er cin'ae Ruhetage,

Und schon kommt dem reifen Mann dieKunde:

Flieh', o Kaiser, denn es nah'n die Ungarn .Nur die Flucht kann Dir das Leben retten."

41. Als der Kaiser diesen Ruf vernommen,Stand er auf noch vor der Morgenröthe ,Floh durch Deutschland weiter, immer weiter,Wie ein scheues Wild verfolgt, bis Passau . ")

42. Und um Wien lag Sorg' und Weh' und

Jammer,

Alles war bis Wien dem Feind erlegen,Slädt' und Dörfer waren AscheuhügelUnd in Trümmern lagen alle Burgen. ^)

43. Wie die Wolken stieg der Rauch zum HimmelAuf dem ganzen Weg von Wien bis Ofen.Und es fand die Nacht mit ihren schwarzenAugen Jammer überall und Elend;

44. Sah zum Himmel Feucrsäulcn steigen,Rings umher ein weites Meer von Flammen,Rauch bedeckt die Stadt wie dichter Nebel,Welchen Blitze zuckend oft durchbrechen.

45. Wie die Wiener all' das Elend sehen,Wird ihr erster Muth ein bitt'rcs Klagen.Starhcmberg allein, der edle Feldherr,Bleibt ein Held uud suchet sie zu trösten.

46.Lasst doch eure Furcht, ihr Wiener Bürger IDieser Türke wird uns nimmer schaden:Legen wir uns all' in Gottes Hände,Leicht bezwingen wir dann unsre Feinde.

">) Die Sage von dem hier gemeldeten Uebcr-zalle ist wohl nur aus den Berichten über diegefährliche Reise entstanden.

") Der Kaiser wurde allerdings zur Weiter-reise nach Passau genöthigt, aber von den Türken,nicht von den Ungarn verfolgt.

")Asche und Leichen bezeichneten den Wea,den das Heer genommen." (O. 5k. x. 213.)

47. Denn wir kämpfen jetzt für Jesu? Christus,Fließt doch unser Blut für seine Kirche;Auch für unsern guten Herr und Kaiser,Unser Vaterland uud unsre Kinder."

48. So begann der Seinen Muth zu wachsenDaß sie furchtlos all' das Fußvolk sahen,All' die Reiter uud den Wald von FahnenRings um ihre theure Vaterstadt.

49. Denn so weit das Auge trägt im Kreise,Konnte es nichts And'rcs mehr erschauenAls Soldaten ohne Zahl uud Rosse,

Wilde Reiter, Fahnen, hohe Zelte.

50. Da am dreizehnten des Monats JuliRitten hart au Wien heran die Türke».Trotzig starrt das prächt'gc Zelt des Feld-herrn

In das Angesicht 0er Burg des Kaisers.

51. Kaffee trinkend schrieb er voll von Hoch-

muth

Einen Brief dem tapf'rcn GeneraleStarhcmberg und seinen Wiener Bürgern.Türkisch war der Brief, daS Schmähentürkisch.

52. Christenhuud, Du Häuptling dieser Stadt,Falschen Glaubens uud von Gott verlassen!Wo Du stecken magst und Dich verbergen,Wisse, Gottes Zorn hat Dich getroffen.

53. Dich uud Deinen König falschen Glau-

bens

Leopold, der Kaiser heißt von Deutschland ,Welcher jetzt von Stadt zu Stadt sich flüchtetUnd eutrennen will dem Zorn des Mchemed.

54. Aber hör'! Ich schwör' den hcil'gen Eid Dir:Mag er sich verstecken, wo's ihn freuet,

In ocr Mphütt' oder in der Felsschlucht,Nimmer wird er meinem Schwert ent-kommen.

55. Dir, mein Fürst, jedoch und Deinen BürgernGeb' ich diese väterliche Mahnung:

Werfet in den Graben cu're FahnenUnd den Adler mit dem Doppelkopfe;

56. Jene Adler, die euch Unglück bringen,Müßt ihr eilig in die Tiefe senken.

Habt ihr das gethan, so straf' ich milde,Wie die Mutter ihre Kinder strafet."

57. Und es las der Starhcmberg das Schreiben,Las es nochmals und begann zu lachen.Eine Antwort ward sofort gegeben:

Blei und Pulver ist ihr kurzer Name.

58. Als der Großvezir solch' reden hörte,

Ließ er tiefe, weite Minen graben,

Pflanzt Kanonen auf mit ries'ger OcsfnungRings um Wien im engen Kreise.

59. Jetzt beginnt im gleichen AugenblickeUeberall der Donner der Geschütze.

Was die Höhe liebt, das stürzt zusammen,So die Thürme und die Burg des Kaisers.

60. Doch aus Wien kommt immer kräft'ge

Antwort,

Denn die blasse Furcht ist fortgezogen.

Wien entsendet einen Feuerregen

Und es sinkt gar manches Türkcnfähulcin.