Ausgabe 
(6.10.1883) 80
 
Einzelbild herunterladen

61. Ilbcr diese Türken rasten niemals;

Eine Mini graben sie, zur' Nachtzeit,

Füllen sie mit dreifach starker Ladung

In der achten Nacht vor Schluß des Monats.

62. Alle Felder in der Runde zittern

Und der Donau Wasser, Baume, Steine,Wien , das starke, und die nahen Berge;Dicker Qualm erhebt sich hoch zum Himmel.

63. Jetzo stürzen wild die Janitscharen,

In die Stadt hinein mit blankem Säbel.Dort erwartet sie ein graußcs Grüßen.Denn es strömt wie Regen Feuer nieder.

64. Bomben fliegen und Granaten zahllos;Und mit Blei und Pulver grüßt der Schütze,Mit Pistol und Säbel grüßt der RitterUnd der'Bürger grüßt mit Holz und Steinen.

65. Bald beginnt die Flucht der Janitscharen:Auf das Haupt geschlagen, flicht der FeindeOrdnungsloser Rest verhöhnt von dnnnen.Wien erstarkt im neuen Glück der Freiheit.

66. Doch der zweite Tag war nicht vergangen,Als der Feind drei neue Minen sprengte.Untergang der Stadt und Tod der HeldenHatten sich die Türken zugcschworcn.

67. Von der Morgenröthe bis zum DunkelFolgte immer einem Sturm der and'rc;Endlich wirft sie General Sercuy

lind verfolgt die türk'schen Janitscharen

68. Weit hinab durch Auen und durch Felder:Keiner wird geschont, gefangen Keiner.Abwärts sieht man Turkenköpfe liegen.Ehrenzeichen für die kühnen Sieger.

69. Also ging es durch den ganzen Juli;Minen legt der Feind und immer MinenUnd die Janitscharen stürmen immer.

In der Stadt erwacht die Noth, das Elend

70. Und mit beiden eint sich bald der Jammer,Als sie im August am vierten TageEine mächt'ge Mine donnern ließen;

Diese riß gewaltig breite Breschen.

71. Da erst drangen ein die JanitscharenUnd die Pascha und die türk'schen Sejmcn,Reiter, Fußvolk so von allen Seiten,

Wie aus Bcrgcsklüften dunkle Wölfe.

72. Und ihr Schicksal? Ha! es war ein arges!Denn das deutsche Feuer brannte gräßlich.Rings um Wien da gab es Türkenlcichen!Ihre Zahl? Wer hätt' sie zählen können?

73. Wieder gibt's ein Stürmen und ein Brennen,Angriff folgt auf Angriff bis znm Dunkel.Im August war's, an dein fünften Tage(Kolowos ist unser Monatsname).")

") Es mag erlaubt sein die kroatischenMonatsnamen hier anzuführen, weil, es kaumeine andere so wenig zahlreiche Gruppe zu-sammengehöriger Wörter gibt, aus denen dieAnschauungsweise des Volkes so deutlich erhellt:1. 8ioeans, Jänner, ist die Zeit des Holzfällens;sieeati, hauen. 2. Veljaea, Februar, ist der sehrrauhe; vel, sehr; jaie, stark. 3. Im März,

639

74. Wien ist wie in einem Flammenmeere,Das die ganze Gegend übcrflnthct;

Und die Pacht ist wie der Tag so helle,Und der Tag ist wie die Nacht so finster.

75. Auf der Schanze, die er schon genommen,Pflanzt der Türke seine grüne Fahne;Doch es waren schon zu viel gefallen,

Und die wilde Flucht beginnt von Neuem.

76. Lcsle, der die Sieger diesmal führte,Alexander war des Fürsten Name,

Warf nun bald den starren-Rest der FeindeUnd verfolgte sie mit seinen Mannen.

77. Als die Deutschen wieder heimwärts zogen,Stak ein Türkenkopf an jedem Säbel,Doch den Führer hatten sie verloren.Friede deiner Seele, edler Ritter!")

76. Aber jetzt vernimm' noch größere Thaten:Dann, der General, besteigt den Rappen,,Reitet in der Nacht in's Türkenlager,Badet seine Händ' im Blut der Feinde.

79. Das geschah vom siebten auf den achten,Als die Feinde müd' und sorglos schliefen;Unversehrt entkam der Held, oer kühne,Mancher von den Türken schläft noch heute.

80. Aber wer wird solche Macht bezwingen?Wer das arme Wien noch länger schützen?Rings im Kreise stehen TnrkenheercUm die Stadt, wie eine große Kette.

81. Endlich rnh'n die Deutschen und die Türken.Einmal nach so langen, bösen ZeitenMüssen sie wohl essen auch und trinkenUnd durchdcnken all' das.große Elend.")

82 Doch schon wieder dröhnt es in der Runde,Neue Minen hat der Feind gegraben,

Und das schöne Wien ist fast verloren,Seinen Fall erhoffen jetzt die Türken.

ornrljalc, bekommt man bei Wiederaufnahmeder Feldarbeit Schwielen ; Schwiele; (Gj.Danivio gibt in Jvorijvni etc" eine andere,wie mir scheinen will, sehr gesuchte Erklärung.)4. Travanj , Ihpril, ist der Grasmonat; trava,Gras. 5. Im Mai, svibanj, beginnt das Heckcn-holz, svib' zu treiben. 6. Der Juni, Upanj,ist der Monat der Linde, Ii;,a. 7. Im Juli,srxanj, wird das Getreide geschnitten; srp, Sichel.8. Im August, kotovor, führt mau das Ge-treide auf Wagen heim; vorili, führen; Kola,Wagen. 9. Der Name des September, rujan,ist das epitbston ornans des Weines. 10. ImOktober, liatogcul, fallen, vaclali, die Blätter,list, von den Bäumen. 11. Der November, stu-äsn, ist der kalte Monath 12. Im Dezember,nroslnae, schimmert das Eis; xrosinutä, durch-schimmern.

") Lezle Lcslic ist bei dieser Gelegenheitnicht gefallen.

") Ein Waffenstillstand wurde nicht ge-schlossen.

(Schluß folgt.)