Ausgabe 
(6.10.1883) 80
 
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M i s c e l l e n.

* (Königliche Handwerker.) In der preußischen Köuigsfamilic Herrschi be-kanntlich die Sitte, daß jeder Prinz irgend ein Handwerk lernt. Auch in früherenZeiten besaß mehr als ein Monarch die Liebhaberei, irgend ein Handwerk zn betreiben,und manch' ein hoher Herr brachte es sogar zn einer großen Fertigkeit in dessen Aus-übung. Kaiser Karl V. z. B. beschäftigte sich nach seiner freiwilligen Abdankung (1556),im Kloster zu St. Just mit der Uhrmachcrci, im Auschluß an das Interesse, welcheser stets schon an mechanischen Arbeiten genommen. Czar Peter der Große trieb garalle möglichen Handwerke, zog auch zum Entsetzen seiner Hoflcute Zähne aus, war abervor allen Dingen Zimmcrmann; als Solcher arbeitete er auch längere Zeit, gerade sowie jeder andere Geselle, auf dem Schiffswerft zu Saardam in Holland zu seiner Aus-bildung. Der berühmte, prachtlicbcnde Kurfürst von Sachsen, August der Starke ,drechselte, und der Kurfürst und Erzbischof Hermann von Köln , ebenso Landgraf Philipption Hessen, schnitzte allerlei Jagdgerüth für sich und seine Freunde. Besonders eifrigbetrieb auch der unglückliche König Ludwig XVI. von Frankreich ein Handwerk, undzwar das der Schlosserei! Oft arbeitete er im Schweiße seines Angesichts in seinerSchmiede, die mit allem Nöthigen ausgestattet war, wie nur je ein Schlosser von Be-ruf in seiner Werkstatt. Tort war er zu Hause und ein Meister, während der Thronvon Frankreich zusammenbrach, im Sturze auch das Haupt der königlichen Schlosser mitfortreißend."

(Negiments-Befehl.) Bei Besichtigung der Caserneuzimmcr habe ich bemerkt,daß zur Füllung der Strohsäckc für die Mannschaft nicht genug Stroh gefaßt wird undhabe ich mit dem Proviant-Amte darüber die nöthige Rücksprache genommen. DieHerren Kompagnie-Chefs werden hiemit ermächtigt, aus eigenem Kopfe so viel Strohzn entnehmen, als sie für den Bedarf ihrer Leute für nöthig erachten, v. Lencn-mnnd, Oberst.

(Unerwartete Antwort.) Feldwebel:Herr Hanptmann, die Leute klagenin der letzten Zeit wieder häufig über zn kleine Flcischrationcn es seien gar zn vielKnochen dabei." Hauptmann:Hols der Deibel mit den ewigen Klagen: Knochen! Ich habe Knochen, Sie haben Knochen, die Kerls haben Knochen, überhaupt jederOchse hat Knochen."

(In der Jnstruktionsstnnde.) Unteroffizier: Der Soldat hat zwei PaarStiefel, wovon? Müller! Einjähriger Müller: Von Nindsleder! Unteroffizier:Ach, was die Herren Einjährigen immer gelehrt sein wollen und können die einfachstenFragen nicht beantworten wovon das eine Paar immer gewichst sein muß.

(Maß und Stoff.)Nun, hast schon was Gut's gelernt, mein Sohn?" fragtder Vormund sein 11 jähriges Mündel, das er beim Schneider in die Lehre gegebenhatte.DasMaß"-Nehmen und dasStoff"-Holen habcn's mir beigebracht, Onkel!denn die Gesellen trinken halt nit z' wenig!"

(Münchener Humor.)Aber Du bist jetzt fein beinand! Nur d' Hosen undStiefel sau sehr schleußig."Ja, mein Lieber, d' Hosen und Stiefel kannst in koanKaffeehaus austauschen."

(Ein Naturfreund auf der Pleite.)Wie Alles so schön ist, in derfreien Natur! Die Lerchen singen, die Käfer summen, das muntere Kälblein hüpftüber blumige Matten; Alles freut sich des Lebens nur meine Gläubiger weinen!"

(Bei einem Gewehrappell) hat ein biederer Littaner Rekrut sein Gewehrschlecht geputzt. Während der Lieutenant auf einen Rostflecken zeigt und fragt:Wasist das?" antwortete er, treuherzig grinsend:Na, Herr Laitenant, kennst nicht Rost?"

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLitcrarischen Instituts von Dr. Max Huttler.