Ausgabe 
(6.10.1883) 81
 
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genehmer wäre, wenn der Earl seine Gesellschaft nicht wünsche. Jedenfalls würde ihmdoch eine namhafte Snmine als Jahresrente ausgeworfen werden und diese könne erdann frei und ohne jegliche Aufsicht zu seinem Vergnügen verwenden.

Lord Alphington machte mittlerweile einen heißen ,Kampf mit seinem Gewissen !durch; er war ein streng rechtlicher Mann und würde es darum für Unrecht gehaltenhaben, seinen Enkel die schmerzliche Enttäuschung, dem Bilde, welches er sich von ihmentworfen, nicht zu gleichen, entgelten zu lassen. Daher beschloß er, diese heftige Ab-neigung und das Gefühl des Mißtrauens zu überwinden und ihn vorerst persönlich einigeZeit zu prüfen, ehe er ihn verurthcile. In einem milderen Tone sagte er: .

Es wird am Besten sein, wenn Sie heute Abend bei mir speisen, wir können s

dann ausführlicher unsere Pläne für die Zukunft entwerfen. Sie finden passende Ge- j

mächer hier im Hause in Bereitschaft für Sie. Ich wohne fast nur zu AlphingtonPark, und so werden wir uns gegenseitig wenig geniren." ^

Fauconrt wollte ihn mit Dank überschütten, aber der Earl unterbrach ihn: -

Der Sohn meines Sohnes und der Erbe meines Titels wird stets dasjenige

erhalten, worauf er ein Recht hat. Wenn wir uns näher kennen, wird das persönliche !

Interesse vielleicht folgen; dies hängt jedoch lediglich von Ihnen ab."

Nachdem er dieses gesagt, erhob er sich zum Zeichen, daß die Unterredung beendetsei. Fauconrt verstand den Wink und erhob sich ebenfalls. Der Earl nickte herab- ?

lassend mit dem Kopfe, ohne die Hand auszustrecken, und der junge Mann zog sich miteiner tiefen Verbeugung, froh, die Zusammenkunft überstanden zu haben, zurück. Lautseufzend sank Lord Alphington in seinen Sessel nieder und rief aus: ,

Barmherziger Himmel, kann es möglich sein, daß dieser gemeine Emporkömmling,Fancourt's Sohn ist?"

Ihm hat die Leitung seines Vaters gefehlt", sagte Mr. Thomson entschuldigend.

Aber zählt die edle Abstammung für gar nichts, mein Freund? Ich wünschte, -o ich wünschte doch das ist jetzt nutzlos", fuhr er sich selbst unterbrechend fort.Esist entsetzlich, meine schönsten Erwartungen so zu Grunde gerichtet zu sehen. Einem ^

Leben voller Glück und Zufriedenheit sah ich entgegen, anstatt dessen werde ich nun vonbeständiger Furcht gequält sein, dieser Mensch habe vielleicht schon, oder werde in Zu- ^

kunft noch meinen fleckenlosen Namen besudeln. Ich kann ihm nicht das Eigenschafts-wortjung" beilegen, denn sein Aeußeres verräth mir, daß er alt und erfahren inallen möglichen Lastern ist."

Sie beurtheilen ihn gewiß zu streuge", versuchte Mr. Thomson zu trösten.Selbstangenommen, Mr. Fancourt habe früher ein wenig über die Stränge geschlagen, sokann er sich doch jetzt bessern."

Ein wenig über die Stränge geschlagen!" rief der Earl erbittert aus.Sagen ,

Sie lieber ein lüderliches Leben geführt, oder ich müßte mich in seiner Physiognomie -sehr täuschen. Nach diesen Worten versank er in tiefes Schweigen und Mr. Thomson ,hielt es für angemessen, sich zu entfernen. Er nahm seinen Hut und sagte: I

Sie haben keine weiteren Befehle für mich, Mylord?" !

Augenblicklich nicht, danke Mr. Thomson", erwiderte Lord Alphington, wie aus seinem Traume erwachend. ,

Ich werde Sie rufen lassen, sobald ich Ihrer bedürfen sollte." ^

Sie verabschiedeten sich mit freundlichem Händedrucke. Mr. Thomson fuhr nachWestminster und Lord Alphington blieb mit seinen trüben Gedanken allein zurück.

Drcizehntes Capitel.

Au einem wundervollen Maitage war große musikalische Unterhaltung im botani- ischeu Garten zu Negent's Park. Schon zeigten die Bäume ihr frisches saftiges Grünund die schönen Frühlingsblumen standen in voller Blüthe. Zwischen den reizenden