Ausgabe 
(13.10.1883) 82
 
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lieren, vergaß sie die Abneigung, welche die Person selbst ihr einflößte und so wurdeSt. Lawrence's Bild durch ihre beliebten Träumereien von zukünftiger Pracht und Größeverdrängt.

Fünfzehnte S Capitel.

Fancourt's leidenschaftliche Bewunderung für Lena Dalton wurde durch dee ge-zwungene Trennung eher vergrößert als vermindert ihre Sorge war daher über-flüssig. Ein Brief von Julie Lemont zwang ihn,' für einige Tage die Stadt zu ver-lassen.

Während einer späteren Unterredung mit Lord Alphington waren die Geschäfte zurvollen Zufriedenheit geordnet worden. Schöne Gemächer dienten Fanconrt als Wohnung,eine bedeutende Jahresrente wurde festgesetzt, und der Earl händigte ihm noch einegroße Summe für seine augenblicklichen Bedürfnisse ein. Er konnte sein Entzücken hier-über kaum verbergen, und in demselben Maße, wie dieses zunahm, steigerte sich dieKälte in dein Benehmen Lord Alphington's.

Hätte Fanconrt bei der Uebernahme des Ranges und Titels seiner Vorfahren diemindeste Erregung an den Tag gelegt, oder nur den Wunsch geäußert, mit dem altenHerrn in gutem Einverständnisse zu leben, so würde dessen Herz ihm gegenüber all-mälig erweicht worden sein, er würde Vieles verziehen haben. Aber bei seinem Enkelbemerkte er nichts als Selbstsucht und schmutzige Gelvgier.

Lord Alphington kehrte bekümmert nach seinem Landsitze zurück, in dieses pracht-volle Heini, dessen Leere jioch immer nicht ausgefüllt werden sollte. Fanconrt werdenatürlich eines Tages heirathen, aber welche Erwartungen durfte man an diesen Schrittknüpfen, denn ein gebildetes, sein erzogenes Mädchen würde sich schwerlich zu einer Ehemit diesem gemeinen niedrig gesinnten Menschen entschließen können. Nein, von derZukunft war nichts mehr zu erhoffen.Er wird wohl", so dachte Lord Alphington,eines Tages durch das hübsche Gesicht eines Mädchens aus geringen: Stande gefesseltund von dieser der Stellung und des Reichthums wegen gchcirathet werden."

Hätte der tiefbetrnbte alte Herr gewußt, daß Fanconrt schon seine Wahl getroffen,so würde dies sein Gemüth in etwa erleichtert haben. Madeline Dalton war ihn: freilichnicht so sympathisch wie deren Schwester, aber auf alle Fälle eine schöne und eleganteErscheinung.

Der Earl wanderte an dem Morgen, welcher seiner Rückkunft folgte, trostlos voneinem Zimmer zum anderen; er verweilte bei jedem Andenken früherer, glücklicher Tage.Der Arbeitstisch und Stickrahmen seiner verstorbenen Gemahlin stand noch auf demselbenPlatze wie bei ihrer Lebzcit; er zog die Schieblade des Tisches heraus, wo ihr Finger-hut und die Scheere, welche sie zuletzt gebraucht, hatte, lagen. Ein Stück Stramin miteiner angefangenen Rosenknospe war noch aus dem Rahmen aufgespannt und ein grünerFaden hing lose daran herunter. In dem Eßzimmer betrachtete er die Portraits seinerbeiden Söhne und seiner Schwiegertochter, einer jungen Dame mit einem Kinde auf demSchooße. Das Schulzimuicr mit seinen kleinen Pickten, abgenutzten Büchern, Bällen undsonstigeil Spielsachen rief in seiner Erinnerung die lieblichen Gesichter, die munterenStimmen und trippelnden Kinderfützchen, wodurch diese öden Räume einst belebt wordenwaren, wach. Wie schnell waren sie alle dahingeschwunden und hatten ihn, den alteilMann allein zurückgelassen.

Um von seinen traurigen Empfindungen nicht ganz überwältigt zu werden, befahler, seiil Pferd vorzuführen, und ritt nach Lakspnr hinüber; bei den thcilnehmendcnFreunden hoffte er sein schweres Herz erleichtern zu können.

Ich bedaure unendlich, dies zu hören", sagte Lady Langleh, nachdem Lord Alp-hington die einzelnen Umstände seiner Reise ausführlich erzählt hatte,aber wir wollenhoffen, daß Sie doch etwas zu schwarz darein sehen. Vielleicht ist Ihnen Ihr Enkelbei näherer Bekanntschaft nicht so »nangcnchm, als Sie jetzt zu glauben scheinen."