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Douglas , ich kann mir nicht denken, daß Du es ernstlich meinst, Du könntest sonstunmöglich so darüber sprechen", sagte Lawrence aufspringend.
Hastig schritt er zu seinem Arbeitstische hin und begann die Farben und Pinselzu sortiren.
„Ah, ob ich es wohl ernstlich meinet" rief Douglas . „Habe ich doch, nachdemdie theure alte Dame zu den clysüischen Feldern abgereist war, den Namen „Bertha Dou-glas" auf mein erstes RechnungSbuch geschrieben, um zu sehen, wie sich das ansnehme."
„Pah!" stieß St. Lawrence ungeduldig hervor.
„Ich nehme das Leben nicht so ernsthaft wie Du, alter Freund; das steckt nun einmalnicht in mir. Mir ist es geradezu unverständlich, daß Romeo sich tödtcte, selbst wenn auchJulie gestorben war; auch kann ich mir keine Vorstellung von den Gefühlen Othello'Smachen, nachdem er sein Weib ermordet hatte, deßuugeachtct werde ich doch ein guter Ehe-mann sein — passe auf, ob es nicht wahr ist."
„Wenn Du es nicht würdest — wenn Du ihr je Ursache zn einem Seufzer oderThräne gäbest",— begann St. Lawrence heftig, während sich sein Gesicht röthete; abermit einem tiefen Seufzer, der aus dem Innersten des Herzens emporzusteigen schien, bezwänger seine Erregung und sagte: „Achte nicht auf meine Worte, ich befinde mich augenblicklichin einer sehr miserablen Stimmung. Wenn es nicht wegen dieses Riggs wäre, so würde ich,wie ich Dir auch schon vorhin sagte, auf Reisen gehen, je weiter, je lieber. Laß uns vonetwas anderem sprechen. Was willst Du trinken? Claret ist am erfrischendsten."
„Ja, Claret auf alle Fälle. Ich bin ohnehin entschlossen, dem Branntwein, den Pfeifenund allen diesen Geschichten Lebewohl zu sagen und mich anstatt dessen zu Thee und Bntter-brödchcn zu bekehren. Der Club verliert eines seiner hervorragendsten Mitglieder, aber nochgrößer wird das Bedauern sein, wenn St. Eustac Lawrence Esgu. ihn nicht durch seineGegenwart beehrt."
„Ich habe keinen Geschmack an dergleichen Dingen, das scheint mir nicht angeboren«zu sein; zu dem bin ich ein so trübseliger Geselle, den man am besten sich selbst über-läßt. Dich werde ich sehr entbehren, Douglas , wenn Du Dich vcrheirathcst."
„Mich entbehren? Aber alter Freund, Du darfst doch überzeugt sein, daß Dumir in meiner Häuslichkeit immer willkommen sein wirst", rief Douglas aus. „Ichweis; nicht, weshalb Bertha in der letzten Zeit Dir gegenüber etwas verlegen war;früher hatte sie Dich doch sehr gerne."
St. Lawrence trat an's Fenster und warf es mit einem Ruck so weit auf, alsmöglich.
„Es ist schrecklich heiß heute, wir bekommen sicher ein Gewitter."
„Das wurde mich freuen", eutgegncte Douglas , nach den sich sammelnden Wolkenhinanfblickend. „Gewitter reinigen die Luft."
(Fortsetzung folgt.)
G o l d k ö r n c r.
Empfiehl deine Angelegenheiten Gott nno flehe herzlich zu Ihm, Er wolle Alles so leitenwie es für dich am besten sei.
Gott hat seit Jahrhunderten und Jahrtausenden laut der Kirchcngeschichtc und der heiligenSchrift Gebete erhört und erhört sie auch heut zu Tage noch, ohne abzuwarten, was die Weisendes Tages dazu sagen würden.
Der Mensch weiß nicht um was er bittet. Wir sollten um nichts beten, als Gott wolledas thun, was er als das Beste für uns erkannt.
Nur wahre Frömmigkeit und Tugend machen wahrhaft glücklich, ja, sie gewähren auchunter Leiden und Trübsalen, die nie ausbleiben, noch eine Glückseligkeit, eine innere Ruhe undZufriedenheit, die bei allen Prüfungen unzerstörbar bleibt. SaiIcr.