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(17.10.1883) 83
 
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theilt. Ritter hat gewichtige Gründe für die Annahme, das; nicht erst Kreuzfahrer dasSchach aus dem Oriente mitbrachten, vielmehr die Mauren in Spanien die eigentlichenVerbreiter waren.

Das edle, königliche Schach, welches mit der Cultnrgeschichte fast aller Völkerinnig verwebt ist, war auch im hohen Norden früh bekannt, wie wir aus einer unsnoch erhaltenenmagischen Figur", einer sogenanntenZauberrune" schließen dürfen,welche dem Spieler, der sie, die holzgcschnitzte, in der Hand hielt, angeblich den Siegverlieh. Daß die alten Dünen schon frühzeitig daS Schachspiel schätzten, verbürgt unsihr Chronikant Snvrre Stnrleson, der uns ein anziehendes Erlebniß aus der Regierungdes Königs Konnt vorführt. Dieser Herrscher, ein passionirtcr Vertreter des Schachs,suchte im Jahre 1028, als er mit dem König von Schweden und Norwegen Krieg führte,seinen Schwager den Jarl (Grafen) Ulfo in Roeskilde auf. Dieser bemühte sich, denköniglichen Gast, welchen Nmnnth erfüllte, angenehm zu unterhalten, und als jener düsterund verstört blieb, trug er ihm eine Schachpartie an, auf die Kannt einging. EineZeit lang blieb das Spiel unentschieden, bis der König einen schlechten Zug that undin Folge dessen einenSpringer" (rtäcinra. Ritter) einbüßen sollte. Aber Kanntwollte den Verlust nicht verschmerzen und begehrte, indem er seinen Offizier wieder aus-stellte, Gras Ulfo solle einen andern Zug thun. Der Jarl aber ein ebenso heftiger undleidenschaftlicher Mann als sein Monarch, verweigerte dies zornig, warf das Brett umund entwich aus der Halle. Da folgten ihm die entrüsteten Worte des Königs:Ufo,Feigling, Tu fliehst?"

Der Graf, auf's äußerste erbittert, kehrte nun wieder um und cntgcgncte bitter:Im Helgaflnssc hättet Ihr Eure Flucht fortgesetzt, hätte ich Euch nicht beigestauden!Wahrlich, als die Schweden Euch auf's Haupt schlugen, wie einen Hund, da schaltetIhr mich nicht feige!" Darauf entwich er auf's Neue, mußte aber seine ebensowahren als kühnen Worte wenige Tage darauf mit dem Tode büßen.

Auch England kennt das edle Schachspiel schon seit länger als 700 Jahren undist es wahrscheinlicher Weise zu Kamits Zeit vom Norden her eingeführt. Der alteChronikant Gaimar, welcher um die Mitte des 12. Jahrhunderts seine interessanten,ciiltnrhistorisch merkwürdigen Berichte verfaßte, erzählt in seiner naiven Weise:KönigEdgar sandte seinen Boten Edelwoth nach dem Schlosse des Grafen Orgar in Dcvonshirc,auf daß er sich überzeuge, ob Elstrucih, dessen Tochter, wirklich ein Wunder derSchönheit sei. Als Edelwoth anlangte, da spielle Orgar Schach , ein Spiel, daS ervon den Dänen erlernt hatte. Mit ihm spielte die schöne Elstrueth;ein schöneres

Mädchen sah die Erde nie! Ob nun später der stattliche König, durch den Bericht seinesAbgesandten entflammt, mit der schönen Grafentochter zwei Partien spielte, gleich jenen,die zwei moderne, vielverbrcitetc englische Stahlstiche uns schildern ((MessO und .,küntwD:Schah" undMat"), können wir leider nicht verrathen.

Auch in Island blühte die Kunst des Schachspiels schon frühe. Wie uns ausdem 11. Jahrhundert berichtet wird, war es im ganzeil Volke verbreitet, das ja schondamals auf einer hohen Kulturstufe stand. Ein berühmter Skalde (Sänger), Gunlauggenannt so erzählen die Dichter spielte Schach mit der schönen Helge, deren

Besitz ihn, einst vergönnt sein sollte. Raser, ein Kunstgenüsse, forderte, von Eifersucht

entflammt, den vvn der Schönen begünstigten Sänger zum Zweikampf heraus und Beidefanden ihren Tod.

M L s e e l l e;r.

(Aus dem Berliner Gerichtssaale.) Weinend und händeringend betritteine alte Matrone mit weißem Haar und durchfurchten, Gesicht die Anklagebank der zweitenStrafkammmcr des Landgerichts I.; sie macht fortwährend tiefe Knixe vor dem Präsidentenund bückt dann wieder verzweifelt den Staatsanwalt an. Präs.: Sie sind die 73-