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ihil doch nicht so kühl, wie Dir es öfters zu thun pflegst, er hätte Dir gewiß schoneinen Antrag gemacht, wenn Du ihn nicht immer in so respektvoller Ferne hieltest."
„Vielen Dank für Deinen guten Rath, Mama", entgcgnete die Tochter mit matterStimme. „Ich weiß schon, wie ich mich ihm gegenüber zu benehmen habe. Mr. Faii-court ist nicht blöde, das kann ich Dir versicheren und deshalb ist es unbedingt noth-wendig,. ihn fühlen zu lassen, daß er ein wohlerzogenes Mädchen vor sich hat."
„Da hast Du ganz recht, mein Schatz, doch darfst Du es mir nicht verdenken,wenn ich kaum erwarten kann, Dich diese ausgezeichnete Partie, welche sogar meine Er-wartungen übertrifft, machen zu sehen."
Auf Lcna's schönem Antlitze lag ein Zug tiefer Verachtung; ihr feines Gefühlsagte ihr, wie vcrabschennngswürdig die ehrgeizigen Pläne der Mutter seien und ebenletzt, als sie in den sonnigen Garten hinausblickte, dachte sie bei sich, wie sehr St.Lawrence sie verachten würde, wenn er in ihrem Herzen zu lesen vermöchte. Daß ersie schon so bald durchschaut, ahnte sie nicht.
Nach dem Frühstücke vernahm Bertha, welche im Garten umherwanderte, denSchall von Hnftritten und gleich darauf ließ Sara den ehrenwerthen Mr. Fancourt ein.
Der Reitknecht nahm das Pferd am Zügel und sein Herr schritt, Bertha erblickend,auf diese zu. Sie empfing ihn mit einem kühlen Gruße, ohne ihren Korb loszulassen;wenn eben möglich, vermied sie es, ihm die Hand zu reichen.
„Dirs. und Miß und Dalton sind zu Hause, wie ich höre." Bei sich schwur er, daßnach seiner Verhcirathung mit Lena ihre Schwester dieses ihm gegenüber so kalte, hoch-müthige Wesen büßen solle.
„Ja, Sie werden sie, wie ich glaube, im Wohnzimmer antreffen", antworteteBertha, ihm den Rücken wendend und so deutlich zn verstehen gebend, daß sie einefernere Unterhaltung nicht wünsche. Fauconrt biß sich auf die' Lippen er schritt deinHanse zn und hieb während des Gehens zu Bertha's größtem Verdruss« die Blätter undBlumen ab. Ehe er jedoch seine Herzcnsdame erreichte, sollte er noch einem Feinde inder Gestalt des Haushundes Pinch begegnen: dieser empfand einen großen Widerwillengegen den ehrenwerthen Herrn und sprang bellend und die Zähne fletschend aus ihn zu.
„Ruhig, Pinch, kusch dich!" sagte Sara die Hansthüre öffnend. Aber Pinch machteseinen Gefühlen Lust, indem er Mr. Fauconrt beim Treppensteigen in die Stiefel biß.
„Ich begreife nicht, wie ihre Herrin ein so unausstehliches Vieh behalten kann."
„Wir finden gar nicht, daß er unausstehlich ist", entgcgnete Sara, welche dieAbneigung des Hundes theilte und dann rasch, ehe er Zeit znm Antworten fand dieThüre öffnete und Mr. Fauconrt anmeldete.
Mrs. Dalton empfing ihn auf's Herzlichste und ging mit ausgestreckter Hand aufihn zu. „Wie freue ich mich, Sie zn sehen; ich glaubte Sie seien znr Jagd und hättenIhre alten Freunde ganz vergessen."
„Es gibt deren, welche man nie vergessen kann", antwortete er auf Lena blickend,
Diese verhielt sich ziemlich kühl. Sie verstand es, wie sie auch ihrer Muttervorhin gesagt, den Thermometer ihres Benehmens genau zu regnliren.
Fauconrt nahm neben Mrs. Dalton, Lena gegenüber Platz. Sie unterhielten sichüber allerlei, den Schluß der Ausstellung, die Oper und die Reisepläue für die kommendenMonate.
„Im Herbste werden wir für einige Wochen Lord Alphington's Nachbaren, dawir unsere Freunde Sir Stephan und Lady Langley zu besuchen gedenken."
„Ah so, ja wohl", stammelte Mr. Fauconrt verwirrt. „Es ist entsetzlich lang-weilig dort, ist es nicht so? Würden Sie nicht vorziehen, nach Searborongh oderSronville oder sonst wohin zu gehen? Wie ich höre, sind diese französischen Badeorte ver-flucht amüsant. Ich hatte vor, für einige Wochen mich dorthin zurückzuziehen, aber ohneIhre Gesellschaft liegt mir, auf Ehre, Nichts an der Tour."