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„Es soll mich einmal wundem, wann er die Hochzeit zu feiern wünscht", begannMrs. Dalton, mit ihren eignen Gedanken beschäftigt. „Natürlich müssen Heirathsverträgeund dergleichen gemacht werden, aber das wird uns doch vermuthlich nicht an dem Besuchezu Larkspur hindern. Der ehrenwcrthe Mr. Faucourt kann ja nicht wie ein gewöhn-licher Mensch schon nach einigen Wochen hcirathen. Und Dein Trousseau muß besorgtwerden. Bertha, Du mußt mir das Geld geben, welches Du für das letzte Halbjahreingenommen hast; es ist freilich nicht viel, aber etwas hilft es doch. Siehst Du jetztl ein, wie gerechtfertigt mein Wunsch war. Du möchtest keinen Unterricht mehr ertheilen,das wäre ja höchst unpassend, wo Deine Schwester im Begriffe steht, eine so vornehmeDame zu werden, und dann noch cin's, Bertha, ich muß Dich dringend ersuchen, gegenNiemanden mehr erwähnen, daß Du je Musikstunden gegeben hast, es darf nicht bekanntwerden, daß Mrs. Faucourt's Schwester genöthigt war, Unterricht zu ertheilen. Mrs.Dalton, welche während des Sprechens die Hutbänder gelöst, und den Mantel abgelegthatte, war vollständig athcmlos.
„Soll ich Deinen Hut hinauftragen, Mama?" frug Bertha, die Bemerkungen ihrerMutter unerwidert lassend.
„Bitte, sei so freundlich. Ich muß gestehen, daß ich vor lauter Entzücken ganzaußer mir bin. Wenn ich an Deiner Stelle wäre, Lena, so würde ich den Wunschäußern, die Gemächer in Magnus Squire für den Fall, daß ihr dort wohnen werdet,neu einzurichten. Wenn sie seit dem Tode der Lady Alphington vor fünf- oder sechs-> undzwanzig Jahren nicht mehr gebraucht worden sind, so müssen sie ganz verblichen und»umodern sein. Und der Familienschmuck wird doch auch neu gefaßt. Sagte MrFaueonrt nichts darüber?"
„Doch schwerlich jetzt schon, Mama", erwiderte Lena; „zudem bezweifle ich, ob, Mr. Fancourt selbst etwas darüber weiß. Der alte Lord Alphington scheint ihn inrespektvoller Entfernung zu halten. Kannst Du das begreifen? diesen entzückenden Enkel?"i „Nun entzückt finde ich ihn gerade nicht", sagte Mrs. Dalton, welche Lena's
! ironische Bemerkung nicht verstand. „Man kann freilich nicht Alles zusammen haben,und es ist gut, wenn Du so denkst oder doch wenigstens so sprichst", setzte sie sich ver-t bessernd hinzu. „Ist Dir Lord Alphington damals in Lackspur nicht sehr stolz vor-gekommen? —"
„O nein", antwortete Bertha, welche mit einer kleinen Spitzenhaube für ihreMutter zurückkehrte. „Er war durchaus nicht hochmüthig; bitte setze Dich, Mama, ichwill sie Dir feststellen."
> Mrs. Dalton, die noch fortwährend gestanden hatte, ließ sich ganz erschöpft auf
s einen Stuhl nieder.
l „Es überrascht mich nicht, Bertha, dieses Urtheil von Dir über Lord Alphington
zu hören", entgegnete ihre Schwester. „Er schien Dich in sein Herz eingeschlossen zuhaben. Der Opalring umgab Dich mit einem magischen Zauber. Aber ich werde ihnzwingen, auch mich gerne zu haben, ich weiß, daß ich es kann, wenn ich es nur will."
„Natürlich wird Dir das gelingen, mein liebes Kind", stimmte Mrs. Dalton bei.
Lena warf sich ermüdet anf's Sopha nieder; es war ihr zu Muthe, als ob sienie mehr mit leichtem Herzen ihr Lieblingsplätzchen am Fenster einnehmen könne. „Mama",sagte sie nach einer Weile, den Kopf wieder erhebend, „ich will Mr. Fancourt bitten,mir gerade einen solchen Ring, wie der verloren gegangene, machen zu lassen. Es wärenicht schwer, dem Juwelier eine genaue Zeichnung davon zu geben. Erinnerst Du Dichnoch, wie ich damals, als ich ihn zuerst sah, sofort wünschte, er wäre mein. Und jetzthätte ich das Recht ihn zu tragen."
„Du kannst wohl einen ähnlichen Ring anfertigen lassen, aber es wird dochnimmer der echte sein", bemerkte Bertha, zum Fenster hinausblickend. Mir würde einsolch' nachgemachtes Ding keine Freude machen."