Ausgabe 
(24.10.1883) 85
 
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Weshalb nicht? Die Steine sind doch jedenfalls echt."

Und der Opal bedeutet:Treue Liebe ", fügte Bertha, ohne umzuschauen, hinzu.Hüte ihn wohl, damit er seinen feurigen Glanz nie verliert."

Man sollte wirklich glauben, Du seiest abergläubisch wegen des Ringes", er-widerte Lena errathend.

Dazu habe ich doch gewiß keine Veranlassung", antwortete ihre Schwester lächelnd.Die Prophezeiung hat sich ja als falsch erwiesen sonst müßte ich die zukünftigeGräfin von Alphington sein."

Du? Wie unwahrscheinlich!" rief Mrs. Daltou wegwerfend aus.

Allerdings sehr unwahrscheinlich, Mama", bestätigte Bertha ernst, und für sichsetzte sie hinzu, daß Mr. Fancourt vergebens um sie würde geworben haben, wenn erauch der Erbe von zwanzig Grafschaften und der Besitzer aller Reichthümer Indiens wäre.

Neunzehntes Capitel.

Als Fauconrt nach seiner Verlobung mit Lena Dalton Joy Totlage verließ, hätteer dein Anscheine nach ein glücklicher Mann sein müssen; Alles, wonach er gestrebt, ge-hörte ihm, seine Bewerbung war mit Erfolg gekrönt worden, er hatte die Braut er-rungen, welche er, seinen eigenen Worten gemäß, verzweifelt liebte und zwar so ver-zweifelt liebte, daß er bereit war, eher Alles zu wagen, als sie zu verlieren, und dochfürchtete er sich. Die günstige Gelegenheit und seine Leidenschaft hatten ihn zu derThat, deren Folgen nun auf ihm lasteten, fortgerissen. Diese Erwägungen gönnten ihm,seit er Lena verlassen, weder Ruhe noch Rast; die Anwesenheit des Reitknechtes wurdeihm unerträglich, er schickte ihn nach Hause und sprengte in wildem Trabe davon.

In den alten Märchen wird erzählt, daß die bösen Geister dem Auge zuerst alsunbestimmte Nebel erscheinen, woraus sich dann allmülig die Schreckensgestalt entwickelt ganz so erging es Fauconrt. Seine düsteren verworrenen Gedanken schlugen nachund nach eine bestimmtere Richtung ein, und wie es klarer in seinem Geiste wurde,entsank ihm der Muth. Er versuchte, sich zu beruhigen, indem er sich vorspiegelte, dieUmstände hätten ihn ja dazu veranlaßt; wie gerne würde er den geraden Weg desRechtes gewandelt sein, wenn der ihn nur zu dem gewünschten Ziele geführt! Trug erdie Schuld, daß dies nicht der Fall war? Eine Tücke des Schicksals warf ihn grau-samer Weise dem Laster in die Arme. Er finde ja kein Vergnügen daran, Böses zuthun, im Gegentheil es verursachte ihm geradezu Schmerz, Jemanden etwas Ucbleszuzufügen. Aber was bleibe ihm anders übrig, da man ihm im Wege stehe. Jetztkönne er in keinem Falle mehr zurücktreten. Auch das hielt er für ein böses Verhängnis;,daß er mit Lena allein geblieben und deshalb zu weit gegangen war. Er hatte sichja nur vergewissern wollen, welche Aussichten er habe, und dann abwarten wollen, obihm nicht ein glücklicher Zufall zu Hülfe komme. Aber nun zwangen ihn die Verhält-nisse zur dunkelen That und er konnte nicht anders, er mußte sie vollbringen.

Sein Aeußeres verrieth nicht diesen inneren Sturm, als er am anderen Morgenzu Joy Cottage erschien. Er hatte eine lange zufriedenstellende Unterredung mit Mrs.Dalton, welche, obgleich er keine Versprechungen betreff des Ehekontractes machen konnte,gewillt war, dem Edelsinne Lord Alphington's in diesem Punkte zu vertrauen; späterwurde Mr. Fauconrt von Lena mit holdem Lächeln empfangen. Mrs. Dalton'sSchilderungen des außerordentlichen Vortheils, den diese Eroberung ihr gewähren würde,hatten Lena dermaßen beeinflußt, daß sie wenigstens äußerlich gleichmüthig erscheinenkonnte. Es macht ihr Freude, verzärtelt und vergöttert zu werden; dem kleinen Um-stände, daß sie den Mann, welcher im Begriffe stand, sie auf den Gipfel ihres getränintcuGlückes zu heben, nicht lieben könne, mußte sie sich fügen; es wäre ja unbescheidengewesen, alle Wünsche befriedigen zu wollen.

(Fortsetzung folgt.)