Ausgabe 
(24.10.1883) 85
 
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Die Katastrophe auf den Sunda-Jnselu.

Amsterdam , 11. Oktober.

Wiewohl Sie bereits mehrfach über das furchtbare Unglück, von welchem dieBewohner der Sunda-Jnseln heimgesucht wurden, berichtet haben, mag Ihren Lesern nocheiniges aus den Berichten der dieser Tage hier eingetrvffeneu indischen Blätter will-kommen sein. Neben Bekanntem enthalten dieselben auch noch manche neue Einzelheiten.Zuerst möge ein aus Batavia 1. September datirter Bericht desJavaboten" folgen.Derselbe lautet:

Die Woche, welche heute zu Ende geht, ist eine der denkwürdigsten und schreck-lichsten, die West-Java und Sumatra je erlebt haben. Das Hanptthor unseres Archipels,die Snndastraßc, ist durch eine heftige Eruption des Vnlcans auf der kleinen InselKrakatoa ganz von Gestalt verändert. Verschiedene Inseln sind versunken, andere ausder Tiefe emporgestiegen, noch andere in Stücke gerissen, und die Küsten rechts und linkssind durch die wilderregte See so fürchterlich heimgesucht, daß alle Städtchen und Dörfermit ihren Einwohnern fortgeschwemmt wurden. Wo der Reisende, welcher von Süd-westen aus Niedcrländisch-Judieu erreichte, früher durch die lieblichen Naturschöuhcitcnüberrascht wurde, ist jetzt alles ein Bild des Todes und der Verwüstung. Alle Lencht-thürmc und sonstigen Erkennungszeichen an einem der ersten Handclswege der Welt sindvernichtet. Anjcr besteht nicht mehr, Tjiringin ist verschwunden, ebenso Telok Betoug,Merak, Karang Antoe und andere Orte, längs der Küste. Die Einwohner, Europäerund Inländer, welche sich am Sonntag Abend und in der Nacht nicht in die Bergeretten konnten, wurden von den mit Blitzesschnelle hereinbrechenden Wogen erfaßt undverschlungen. Bis ganz in der Nähe von Batavia sind Menschen von der Futh hinweg-gerafft worden. Kurz, am Montag den 27. August 1883 haben West-Java und Süd-Sumatra ihre Herculaunm und Pompeji erlebt.

Wir wollen hier die Ereignisse, wie sie aufeinander folgten, kurz zusammenfassen.Am Sonntag den 26. August vernahm man hier in Batavia plötzlich ein lautes Getöse,von heftigen Schüssen unterbrochen, aus Westen kommend. Jeder ahnte sofort, daß derVulean aus Krakatoa , der nach 200jährigcm Schlafe seit den: 20 Mai d. I. fort-während Flammen und Asche von sich gegeben hatte, hier im Spiele sei. Die Luftwar bedeckt und außergewöhnlich schwül. Niemand dachte aber noch an ein Unheil, selbstnicht zu Bantong, ivo man einen ziemlich heftigen Erdstoß empfand, und die hier inIndien so seltsame Erscheinung eines Hagelschauers hatte. Als gegen 2 Uhr von hiernach Anjer um Aufschluß wegen des Getöses telcgraphirt wurde, kam die Antwort:Hierso dunkel, daß man keine -Hand vor Augen sehen kann; Krakatoa ist ganz in Rauchgehüllt." Das war leider der letzte Bericht, den Anjcr in die Welt sandte! Am Nach-mittag zwischen 4 und 5 Uhr wurde der Lärm immer stärker die Schlüge verdoppeltenihre Kraft, so daß ein inzwischen sich entladendes Gewitter ganz von dem fürchterlichenKnallen und Toben des Vnlcans übertönt wurde. Mit begreiflicher Spannung und Sorgesah man der Nacht entgegen, und kurz nach Mitternacht wurden diejenigen, die sich zurRuhe begeben hatten, durch einen fürchterlichen Schlag geweckt, der Fenster und Thürenaufspringen und die Häuser dröhnen ließ; das Gas erlosch an vielen Stellen, und vielekleinere Gegenstände wurden durcheinander geworfen. Die Erscheinungen wiederholtensich während der ganzen Nacht, die von den Meisten durchwacht wurde. Endlich kamder Montag, und Jeder begrüßte mit Freuden das Morgenlicht. Wenige dachten wohl,daß dieser Tag eigentlich kein Tag sein würde, und daß er den Untergang von Tau-senden herbeiführen würde. Die Luft war dunstig, kein Blatt, kein Halm bewegte sich,es lag eine unheilverkündende Schwüle über der Stadt; doch das Leben ging seinengewöhnlichen Gang, Alles eilte zur Arbeit. Plötzlich um 0 Uhr etwa verfinsterte sichdie Luft, eine gleichmäßig wachsende unerklärliche Finsterniß verbreitete sich ringsumher,und gegen 11 Uhr war es so dunkel, daß man nichts mehr sehen konnte und überall